NewsAuslandSmog in Paris: Partielles Fahrverbot
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Smog in Paris: Partielles Fahrverbot

Montag, 17. März 2014

Bis zum Mittag mehr als 4.000 Strafzettel dpa

Paris – Im Kampf gegen den unerträglichen Smog in Paris musten am Montag fast die Hälfte der Autofahrer ihr Fahrzeug stehen lassen: Nur Autos mit einer ungeraden Endziffer auf dem Nummernschild durften fahren, die anderen mussten auf öffentliche Verkehrsmittel, Elektroautos oder Fahrgemeinschaften umsteigen. Die erstmals seit 1997 verhängte Maßnahme zeigte Wirkung: Die Luft wurde tatsächlich etwas besser.

Ab 05.30 Uhr kontrollierten rund 700 Polizisten in der französischen Hauptstadt und Umgebung, ob die Anordnung der sozialistischen Regierung eingehalten wurde. Bis zum Mittag wurden fast 4.000 Strafzettel in Höhe von 22 Euro ausgestellt. Die Polizeipräfektur von Paris hob aber hervor, dass die Anordnung weitgehend eingehalten worden sei. 90 Prozent der Fahrzeuge in Paris seien Pkws oder Lkws gewesen, die fahren durften.  

Anzeige

Die drastische Maßnahme habe zu „60 Prozent weniger Überlastung auf den Durch­gangsstraßen geführt, was wirklich gewaltig ist“, zog Françoise Hardy von der Verkehrspolizei Bilanz. Im morgendlichen Stoßverkehr kurz vor 08.00 Uhr habe es im Großraum Paris 90 Kilometer Stau statt der sonst üblichen 200 bis 250 Kilometer gegeben, teilte der Straßenverkehrsdienst Bison futé mit.

Fahren durften neben Autos und Motorrädern mit ungerader Endziffer auf dem Nummernschild unter anderem Lieferfahrzeuge mit Tiefkühlkost, Taxis, Rettungsfahrzeuge, Müllautos oder Fahrzeuge mit mehr als drei Personen an Bord.

Feinstaubwerte um das Dreifache erhöht
Wegen einer Hochdruckwetterlage war Paris seit der vergangenen Woche unter einer giftigen Dunstglocke gefangen. Der europäische Höchstwert für teils krebserregende Feinstaub-Partikel, der bei 50 Mikrogramm liegt, wurde etwa am Freitag mit 180 Mikrogramm um mehr als das Dreifache übertroffen. Die Pariser Luftmessstation Airparif gab nun bekannt, dass der Wert am Montag zwischen 40 und 55 Mikrogramm liegen dürfte. Für Dienstag sagte Airparif eine „deutliche Besserung“ voraus, auch weil das Wetter das Problem nicht verschärfte.

Bereits seit Freitag sind die öffentlichen Verkehrsmittel in Paris kostenlos. Dies koste die Region täglich rund vier Millionen Euro, hob Regionalpräsident Jean-Paul Huchon hervor. Zudem wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt. Der Regierung war dennoch vorgeworfen worden, zu spät und zu vorsichtig auf die Luftverschmutzung reagiert zu haben, die unter anderem auf die in Frankreich weit verbreiteten Dieselautos zurückgeht.

Unternehmer und Autofahrer beschwerten sich allerdings, dass das am Samstagabend von der Regierung angekündigte Teil-Fahrverbot nicht ausreichend bekanntgemacht worden sei. „Schwierigkeiten und Unverständnis“ hätten bei einer besseren Abstimmung im Vorfeld vermieden werden können, erklärte der Unternehmerverband Medef. Der Automobil-Club ACA nannte die Maßnahme „"überstürzt“ und „ineffizient“.  

In Paris waren in den Krankenhäusern seit Freitag vor allem Kinder wegen der Luftverschmutzung vermehrt behandelt worden, wie Ge­sund­heits­mi­nis­terin Marisol Touraine mitteilte. Dies habe die Entscheidung zum Teil-Fahrverbot beeinflusst, das am Dienstag fortbestehen könnte. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. September 2020
Aarhus – Eine erhöhte Feinstaubkonzentration der Luft am Wohnort gehörte in einer landesweiten Fall-Kontroll-Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; DOI: 10.1136/bmj.m2791) neben einer positiven
Feinstaub erhöht Asthmarisiko bei Kindern
8. September 2020
Kopenhagen – In der EU könnte etwa jeder achte Todesfall in Zusammenhang mit Umweltverschmutzung stehen. Das zeigte eine heute veröffentlichten Untersuchung der Europäischen Umweltagentur (EUA).
Umweltverschmutzung Ursache für viele Todesfälle in der EU
18. August 2020
Berlin – Die Auswirkung der Coronakrise auf die deutsche Klimabilanz ist nach Einschätzung der Bundesregierung noch nicht im Detail absehbar. Um wie viel der klimaschädliche Treibhausgasausstoß
Klimaschutzbericht: Auswirkungen von Coronakrise auf CO2-Ausstoß unklar
29. Juli 2020
Berlin – Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht den Rückgang der Luftverschmutzung durch Dieselabgase im vergangenen Jahr auch als Ergebnis ihrer Klagen in 40 deutschen Städten. Wie der Verband gestern
Deutsche Umwelthilfe führt saubere Luft auf Klageerfolge zurück
20. Juli 2020
Berlin/Dessau – Das jährliche Silvesterfeuerwerk stößt offenbar weniger Feinstaub aus als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag des Verbands der pyrotechnischen
Feuerwerkskörper produzieren weniger Feinstaub als angenommen
13. Juli 2020
Boston – In Vorbereitung auf eine Entscheidung der Umweltbehörde EPA haben US-Epidemiologen noch einmal die Auswirkungen der Feinstaubbelastung in der Umwelt auf die Sterblichkeit älterer Menschen
Feinstaub: Sterblichkeit steigt auch unterhalb der Grenzwerte
9. Juni 2020
Berlin – Die Belastung der Stadtluft mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid ist im vergangenen Jahr stark gesunken. Wie Umweltbundesamt und Umweltministerium heute mitteilten, wurde der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER