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Medizin

Wie Darmkrebszellen im Blut das Immunsystem überlisten

Montag, 17. März 2014

Um die grün gefärbte Krebszelle aus der Blutprobe zu ziehen, nutzen die Dresdner Forscher einen Mikro-Manipulator. Über eine aus einer feinen Glasröhre gezogenen Spitze (links im Bild) wird die Zelle angesaugt.

Dresden – Mit einem Protein auf ihrer Zelloberfläche verhindern Darmkrebszellen, dass sie im Blut vom Immunsystem erkannt und vernichtet werden. Die Entdeckung eines deutschen Forscherteams in Cancer Research (2014; doi: 10.1158/0008-5472.CAN-13-1885) könnte zu neuen Angriffszielen für die Therapie des Kolorektalkarzinoms führen.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Klinische Forscher­gruppe KFO 227 untersucht die Mechanismen, die es einer Darmkrebszelle erlauben, sich vom Primärtumor zu trennen, in die Blutgefäße einzudringen, dort unerkannt zu bleiben, um später an anderer Stelle durch die Gefäßwand ins Gewebe einzudringen und eine Metastase auszubilden. Der Aufenthalt im Blut scheint dabei für die Krebszelle besonders gefährlich zu sein, da sie hier auf Immunzellen trifft, die normalerweise fremde Zellen sofort eliminieren.

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Um die im Blut zirkulierenden Zellen zu untersuchen, musste das Team um Moritz Koch vom Universitätsklinikum Carl-Gustav Carus sie zunächst im Blut von anderen Zellen unterscheiden können. Dies gelang am Ende mit einem Marker, der die Krebszellen grün färbt. Dadurch wurde es unter dem Mikroskop möglich, einzelne Krebszellen mit einer Pipette aus dem Blut zu fischen. Das Verfahren ist nach Auskunft der Autoren sehr aufwendig und für die Diagnostik derzeit noch nicht geeignet.

Den Forschern ermöglicht es aber, einzelne Zellen zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass sich die zirkulierenden Krebszellen von den Zellen des Primärtumors unterscheiden. So bilden sie auf ihrer Oberfläche vermehrt das Protein CD47 aus. Es sendet laut Sebastian Schölch vom Universitätsklinikum Dresden, einem der Erstautoren der Studie, ein „Friss-mich-nicht-Signal“ aus, welches das Immunsystem davon abhält, die Tumorzellen zu attackieren.

Andere Veränderungen scheinen den Zweck zu haben, die Krebszellen in einen „schlafähnlichen“ Zustand zu versetzen, aus dem es erst nach dem Wiedereintritt ins Gewebe erwacht. Die Forscher hoffen, dass das unterschiedliche genetische und immunologische Profil neue Angriffspunkte für die Therapie des Kolorektalkarzinoms bietet, das wie die meisten anderen Krebserkrankungen für die Patienten erst durch die Fähigkeit zur Metastasierung gefährlich wird. © rme/aerzteblatt.de

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