NewsMedizinGrippe verläuft meistens symptomlos
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Grippe verläuft meistens symptomlos

Montag, 17. März 2014

dpa

London – Nur etwa jeder fünfte Mensch steckt sich während einer Grippesaison mit Influenza-Viren an. Bei den meisten verläuft die Infektion ohne Symptome, wie eine Studie in Lancet Respiratory Medicine (2014; doi: 10.1016/S2213-2600(14)70034-7) zeigt.

Weltweit sterben jedes Jahr eine viertel bis eine halbe Million Menschen an den Folgen der Grippe. Die Spanische Grippe soll 1918 sogar 20 bis 40 Millionen Opfer gefordert haben. Eine Influenza kann zweifellos eine lebensgefährliche Erkrankung sein. Für die meisten bleibt der Kontakt mit den Viren jedoch folgenlos, wie die Erfahrungen der „Flu Watch“-Studie zeigen.

Das Team um Andrew Hayward vom University College London hat in den Jahren 2006 bis 2011 vor und nach den Grippe-Saisons in einer Gruppe von Briten im Alter von über 5 Jahren Blutproben serologisch auf Influenzaantikörper untersucht. Während der Grippe­saison erkundigte sich das Team wöchentlich nach Husten, Erkältung, Angina oder grippe-ähnlichen Symptomen. Die Teilnehmer wurden gebeten, im Fall einer Erkrankung am zweiten Tag einen Abstrich der Nasenschleimhaut durchzuführen und das Ergebnis einzuschicken. Die Proben wurden dann mittels der Polymeraseketten­reaktion (PCR) auf Influenzaviren untersucht.

Anzeige

Ergebnis: Bei 18 Prozent aller (nicht geimpften) Teilnehmer kam es zu einem Anstieg der Antikörpertiter um mehr als das Vierfache. Bei ihnen hatte das Immunsystem Kontakt zu den Grippe-Viren. Von den Teilnehmern mit einem serologischen Hinweis auf eine Influenza erkrankten 69 Prozent während der Grippesaison an respiratorischen Symptomen, 25 Prozent hatten grippeähnliche Symptome (mindestens 37,8 Grad Fieber plus Husten oder Angina). Doch auch unter den Teilnehmern ohne serologischen Influenza-Nachweis waren 44 Prozent während der Grippesaison erkältet, neun hatten sogar die typischen Grippesymptome, ohne wirklich an einer Grippe erkrankt zu sein.

Andrew Hayward vom University College London und Mitarbeiter errechnen eine alters-adjustierte attributable Rate von 23 respiratorischen Erkrankungen auf 100 Personen pro Saison. Das bedeutet umgekehrt, dass die meisten Grippe-Infektionen symptomlos verliefen. Das Immunsystem neutralisierte die Grippeviren, ohne dass die Patienten etwas davon merkten, oder diese stuften die Symptome so schwach ein, dass sie sie in den Umfragen nicht für erwähnenswert hielten.

Selbst in den Fällen, in denen die Virusgene im Nasenabstrich nachgewiesen wurden, verlief die Erkrankung meistens milde. Wie ein Abgleich mit den Hausarztdaten zeigte, gingen nur 17 Prozent der Teilnehmer mit einer PCR-bestätigten Influenza zum Arzt. Die anderen hielten dies nicht für notwendig. Und von den Patienten, die wegen grippe-ähnlicher Symptome in die Praxis gingen, notierten die Ärzte nur in 8 Prozent der Fälle die Diagnose Grippe oder grippaler Infekt in den Krankenakten.

Diese Ergebnisse der „Flu Watch“-Studie stellen nach Ansicht des  Editorialisten Peter William Horby von der Universität Oxford die Zuverlässigkeit der derzeitigen Surveillance-Instrumente zur Influenza infrage, zu denen auch die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts gehört. Diese beurteilen die Grippe-Welle im wesentlichen anhand der Patienten, die sich bei Arztpraxen wegen akuter respiratorischer Erkrankungen vorstellen.

Auch die Versuche, gefährdete Patienten durch eine Isolierung vor Infektionen zu schützen, wird durch die Tatsache erschwert, dass die meisten potenziellen Überträger asymptomatisch sind. Dies sollte nicht zuletzt Ärzte und Personal motivieren, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Denn die Abwesenheit von Symptomen bedeutet nicht, dass sie ihre Patienten nicht anstecken können. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11. Juli 2018
Berlin – Die Union will gegen Vertragskonstruktionen der Krankenkassen vorgehen, mit denen diese das Verbot des Gesetzgebers zu exklusiven Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und einem einzigen
Union will Schlupflöcher für Krankenkassen bei Impfstoffversorgung schließen
27. Juni 2018
Köln – Auf den Aspekt der Herdenimmunität bei Impfentscheidungen haben Experten auf dem Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2018) in Köln hingewiesen. „Neben dem Individualschutz
Herdenimmunität: Infektiologen sehen Vorteile der Grippeimpfung für Kinder
24. Mai 2018
Berlin – Die Grippewelle im vergangenen Winter ist nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts ungewöhnlich stark verlaufen. Zwischen Ende Dezember und Anfang April erkrankten nachweislich 333.567
Grippewelle führte zu mehr als 1.600 Todesfällen
5. April 2018
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat in seiner heutigen Sitzung den Vierfachimpfstoff bei Influenza als künftige Kassenleistung beschlossen. Damit kann in der Grippesaison 2018/2019 die
Influenza: Krankenkassen bezahlen ab Herbst Vierfachimpfstoff
29. März 2018
Berlin – In der laufenden Grippesaison sind bisher nachweislich 971 Patienten durch Influenza-Viren gestorben. Die große Mehrheit (87 Prozent) war über 60 Jahre alt. Oft gab es Vorerkrankungen. Das
Fast 1.000 Tote durch Grippewelle registriert
26. März 2018
Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) befürchtet für die Grippesaison 2018/2019 Engpässe bei Grippeimpfstoffen. Hintergrund ist die neue Impfstoffvereinbarung, die die AOK
Kinderärzte warnen vor Engpässen bei Grippeimpfstoffen
23. März 2018
Berlin – Die diesjährige Grippewelle in Deutschland hat besonders viele Arbeitnehmer außer Gefecht gesetzt und damit weite Teile der Wirtschaft lahmgelegt. Der Krankenstand erreichte im Februar den
NEWSLETTER