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Ärzteschaft

„Soziale Medien haben ihren Stellenwert in der gesundheitlichen Aufklärung“

Mittwoch, 19. März 2014

Brlin – Eine neue Handreichung der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) erläutert an praktischen Beispielen, worauf Ärzte und Medizinstudierende bei der Nutzung sozialer Medien achten sollten. Damit kommt die BÄK dem Wunsch des 115. Deutschen Ärztetages 2012 nach, aufbauend auf den damals beschlossenen Empfehlungen noch eine „praktische Anlei­tung“ für den Umgang mit sozialen Medien zu erstellen.

5 Fragen an Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Telematikausschusses der Bundes­ärzte­kammer

DÄ: Facebook, Twitter, Blogs und Co.: Inwiefern können Ärzte von den sozialen Medien profitieren?
Bartmann: Soziale Medien haben ihren Stellenwert in der gesundheitlichen Aufklärung und in anderen Bereichen der öffentlichen Gesundheit. Aber auch für den individuellen Arzt bieten diese Medien Möglichkeiten – beispielsweise zum fachlichen Austausch mit Kollegen. Der Riesenvorteil liegt darin, dass über soziale Medien Informationen gezielter vermittelt oder ausgetauscht werden können!

DÄ: Die Ärzte hierzulande sind eher zurückhaltend in der Nutzung interaktiver neuer Kommunikationsmöglichkeiten. Sollten sich die Ärzte mehr als bisher in sozialen Medien engagieren?
Bartmann: Wenn die Regeln beachtet werden, spricht nichts gegen eine breitere Nutzung sozialer Medien – im Gegenteil. Ärztinnen und Ärzte werden sich sicherlich in ihrem Kommunikationsverhalten der Bevölkerung weiter annähern müssen! Wenn ein Großteil der Kommunikation heute in sozialen Medien stattfindet, sind diese Kanäle auch für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung nutzbar und bedeutsam.

Im Zentrum steht aber auch in Zukunft das direkte Arzt-Patient-Gespräch, das ein Höchstmaß an Vertraulichkeit garantiert. Die Herausforderung wird sein, wie sich um diesen Vertrauens­raum herum – der heute in der Arztpraxis oder im Krankenhaus besteht – künftig soziale Medien vermehrt einsetzen lassen.    

DÄ: Wo liegen die größten Risiken dabei für die Ärzte?
Bartmann: Die ärztliche Schweigepflicht und der Datenschutz müssen bei der Nutzung sozialer Medien immer im Hinterkopf behalten werden. Wichtig ist auch, die Grenze zur viel diskutierten Fernbehandlung einzuhalten. Zudem sollte der Arzt Risiken aufseiten der Patienten berücksichtigen. Nutzer von sozialen Medien stellen häufig bereitwillig private Informationen über sich ins Netz. Dies ist bei gesundheitsbezogenen Fragen tunlichst zu vermeiden, da diese Form der Selbstoffenbarung dem Patienten schaden kann. Auch hier sensibilisiert die Handreichung der Bundes­ärzte­kammer „Ärzte in sozialen Medien“.

DÄ: Reicht der gesunde Menschenverstand aus, um sich zu schützen?
Bartmann: Leider nicht ganz! Ein gewisses Know-how ist notwendig, um die Klippen sicher umschiffen zu können. So müssen Ärzte zum Beispiel wissen, dass ein gut gemeinter Anonymisierungsversuch – beispielsweise ein veränderter Patientenname in einem Case Report, den sie in ein ärztliches Diskussionsforum einstellen – durch die Summe der online zur Verfügung stehenden Informationen schnell wieder ausgehebelt werden kann. Ärzte sollten zu verschiedenen Aspekten der Nutzung sozialer Medien ein gewisses Hintergrundwissen haben. Die Handreichung der Bundes­ärzte­kammer hilft hier schnell, einen Überblick zu bekommen.

DÄ:  Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Social Web mittel- bis langfristig auf die Arzt-Patient-Beziehung auswirken?
Bartmann: Eine sehr spannende Frage ist dabei, wie die Nutzung des Social Web durch unsere Patienten – beispielsweise beim Austausch über bestimmte Erkrankungen oder Therapien oder auch über individuelle Ärzte – das Arzt-Patienten-Verhältnis verändern wird. Ob hierbei am Ende die positiven oder die negativen Aspekte überwiegen, wird sich noch zeigen müssen. Sicher ist, dass wir Ärzte aufgerufen sind, diesen Veränderungs­prozess mit zu gestalten. © KBr/aerzteblatt.de

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Avatar #101371
Pledge Of Secrecy
am Donnerstag, 20. März 2014, 14:18

Ärzte in sozialen Netzen: Wichtigmacherei und/oder Anerkennungssuche!

Ach so, das soll also "gesundheitliche Aufklärung" für all die noch mehr oder weniger "unmündigen" Patienten bewirken! Was kommt da wirklich rüber? - Wieviel falsches Verständnis wird damit bei all den übrigen "Eingeloggten" ausgelöst. Was gibt es nach den "10 Regeln" der BÄK hier überhaupt öffentlich zu besprechen. Der verantwortungsvolle Arzt sollte aus ethischen Gründen sein Besserwissen aus sozialen Netzwerken fernhalten und seine Arbeit im Vieraugengespräch tun. Dann gibt es auch keine Gefahr (ungewollt?):
1. die Schweigepflicht zu verletzen,
2. Kollegen zu diffamieren oder die Netiquette nicht zu beachten,
3. berufliches und privates Profil zu vermischen,
4. die Grenzen des Arzt-Patient-Verhältnisses zu überschreiten,
5. in Versuch der "Fernbehandlung" zu geraten,
6. in berufswidrige Werbung über das soziale Medium zu geraten,
7. Datenschutz und Datensicherheit zu mißachten,
8. die Selbstoffenbarung von Patienten zu fördern
9. produktbezogene Aussagen zu machen
10. das Ganze ohne Haftpflichtversicherung zu tun
Avatar #672734
isnydoc
am Mittwoch, 19. März 2014, 20:08

Dialog der Körperschaften mit den Mitglieder via soziale Medien?

"Facebook, Twitter, Blogs und Co.:
Inwiefern können Ärzte von den sozialen Medien profitieren?"
Wahrscheinlich wird die "offene Diskussion" mit Mitgliedern gefürchtet und selbst "geschlossene Plattformen" wie das Hippokranet werden zwar gerne "gelesen", um den "Puls" der Basis zu fühlen, aber sich selbst äußern dort, das machen nur wenige. Lieber führt man auf Ärztetage das große Wort nach strengem Reglement zur Wortmeldung ...
LNS

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