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Medizin

Implantierte Kontrazeptiva: Versagen durch Johanniskrautöl

Dienstag, 18. März 2014

London – In Großbritannien sind zwei Frauen mit implantierten hormonellen Verhütungs­mitteln schwanger geworden, nachdem sie ein pflanzliches Mittel mit Johanniskrautöl eingenommen hatten. Die britische Aufsichtsbehörde MHRA warnt vor den starken Wechselwirkungen des Phytopharmakons.

Mit einem Pearl-Index von unter 0,1 gelten Etonogestrel-Implantate als die sichersten Verhütungsmittel. Die Präparate gewährleisten eine kontinuierliche Freisetzung des Gestagens, das allerdings seine ovulationshemmende Wirkung nur dann erzielen kann, wenn es über die Blutbahn seinen Zielort erreicht und nicht vorher in der Leber abge­baut wird.

Genau dies kann passieren, wenn in der Leber die Bildung des Cytochrom-P450-Enzyms 3A4 erhöht ist. Zu den Induktoren dieses Enzyms gehört Hyperforin, einer der Hauptin­haltsstoffe des Echten Johanniskrautöls. Diese Präparate werden häufig zur Selbstme­dikation von Depressionen eingesetzt.

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Die Anwenderinnen können die Interaktion nicht kennen, weil die pflanzlichen Präparate keine Fachinformation enthalten müssen. Die Fachinformationen der Hormonimplantate, die auf die Interaktion hinweisen, bekommen sie nicht zu Gesicht, da die Implantation durch den Arzt erfolgt. In Großbritannien ist es im letzten Quartal 2013 gleich zu zwei ungewollten Schwangerschaften gekommen, die der Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) als UAW-Meldung („Yellow Card“) mitgeteilt wurden. Es waren keineswegs Einzelfälle.

Seit 2000 hat das MHRA insgesamt vier UAW-Meldungen zu Etonogestrel-Implantaten erhalten sowie 15 zu oralen Kontrazeptiva. Von den insgesamt 19 Meldungen betrafen 15 ungewollte Schwangerschaften, in den anderen vier Fällen ist es zu Durchbruch­blutungen ohne Schwangerschaft gekommen.

Eine Studie der US-Arzneibehörde FDA hatte bereits 2003 auf die mögliche Wechselwirkung hingewiesen. Die Arzneimittelbehörden raten Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption betreiben, grundsätzlich von der Einnahme von Johanniskrautölpräparaten ab. © rme/aerzteblatt.de

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