NewsMedizinImplantierte Kontrazeptiva: Versagen durch Johanniskrautöl
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Implantierte Kontrazeptiva: Versagen durch Johanniskrautöl

Dienstag, 18. März 2014

London – In Großbritannien sind zwei Frauen mit implantierten hormonellen Verhütungs­mitteln schwanger geworden, nachdem sie ein pflanzliches Mittel mit Johanniskrautöl eingenommen hatten. Die britische Aufsichtsbehörde MHRA warnt vor den starken Wechselwirkungen des Phytopharmakons.

Mit einem Pearl-Index von unter 0,1 gelten Etonogestrel-Implantate als die sichersten Verhütungsmittel. Die Präparate gewährleisten eine kontinuierliche Freisetzung des Gestagens, das allerdings seine ovulationshemmende Wirkung nur dann erzielen kann, wenn es über die Blutbahn seinen Zielort erreicht und nicht vorher in der Leber abge­baut wird.

Genau dies kann passieren, wenn in der Leber die Bildung des Cytochrom-P450-Enzyms 3A4 erhöht ist. Zu den Induktoren dieses Enzyms gehört Hyperforin, einer der Hauptin­haltsstoffe des Echten Johanniskrautöls. Diese Präparate werden häufig zur Selbstme­dikation von Depressionen eingesetzt.

Anzeige

Die Anwenderinnen können die Interaktion nicht kennen, weil die pflanzlichen Präparate keine Fachinformation enthalten müssen. Die Fachinformationen der Hormonimplantate, die auf die Interaktion hinweisen, bekommen sie nicht zu Gesicht, da die Implantation durch den Arzt erfolgt. In Großbritannien ist es im letzten Quartal 2013 gleich zu zwei ungewollten Schwangerschaften gekommen, die der Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) als UAW-Meldung („Yellow Card“) mitgeteilt wurden. Es waren keineswegs Einzelfälle.

Seit 2000 hat das MHRA insgesamt vier UAW-Meldungen zu Etonogestrel-Implantaten erhalten sowie 15 zu oralen Kontrazeptiva. Von den insgesamt 19 Meldungen betrafen 15 ungewollte Schwangerschaften, in den anderen vier Fällen ist es zu Durchbruch­blutungen ohne Schwangerschaft gekommen.

Eine Studie der US-Arzneibehörde FDA hatte bereits 2003 auf die mögliche Wechselwirkung hingewiesen. Die Arzneimittelbehörden raten Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption betreiben, grundsätzlich von der Einnahme von Johanniskrautölpräparaten ab. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. August 2020
Leverkusen – Bayer hat im US-Streit um angebliche Gesundheitsrisiken der Verhütungsspirale Essure eine milliardenschwere Einigung festgezurrt. Es seien Vereinbarungen mit Klägeranwaltskanzleien
Bayer einigt sich mit Essure-Klägerinnen auf Milliardenvergleich
28. Juli 2020
Berlin – Immer weniger Frauen verhüten mit der Pille. Der Anteil der Verordnungen bei den gesetzlich versicherten Mädchen und Frauen sank vor allem in den vergangenen vier Jahren auf 31 Prozent 2019,
Immer weniger Frauen und Mädchen verhüten mit der Pille
9. Juli 2020
Washington – Der Oberste Gerichtshof der USA hat eine Regelung bestätigt, wonach Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen eine Erstattung der Kosten für Verhütungsmittel vorenthalten können. Unternehmen
USA: Gericht bestätigt Einschränkung bezahlter Verhütungsmittel
7. Mai 2020
Straßburg – Die Menschenrechtskommissarin des Europarats fürchtet, dass Frauen in manchen europäischen Staaten angesichts der Coronakrise der Zugang zu Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen
Sorge um Zugang für Frauen zu Verhütung
18. März 2020
Paris – Frauen in Frankreich bekommen die Antibabypille bis 31. Mai auch ohne neues Rezept. So soll sichergestellt werden, dass Frauen auch während der Einschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung
Corona: Antibabypille in Frankreich vorerst auch ohne neues Rezept
16. Januar 2020
Bonn – Das subkutane Verhütungsimplantat Implanon NXT ist für seine Migrationsbereitschaft im Körper bekannt. Seit der Zulassung wurden weltweit mehr als 100 Fälle bekannt, in denen das Implantat in
Korrekte Einlage soll Wanderung von Langzeitkontrazeptivum im Körper verhindern
21. November 2019
Kampala – Die weltweit aktive Hilfsorganisation Marie Stopes hat in Uganda hunderttausende schadhafte Kondome zurückgerufen. Betroffen seien zwei Chargen von je etwa 400.000 Präservativen, sagte David
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER