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Chirurgen fordern mehr Versorgungsstudien

Mittwoch, 19. März 2014

Berlin – Mehr Mut zu Studien in der Chirurgie hat Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), im Vorfeld des 131. DGCH-Kon­gresses heute in Berlin gefordert. „Gerade in unserem Fach scheint der persönlichen Erfahrung, gepaart mit dem jeweiligen technischen Geschick des Operateurs, mehr Bedeutung zuzukommen als den Ergebnissen patientenorientierter Forschung“, sagte er. DGCH-Präsident Joachim  Jähne betonte ebenfalls die Bedeutung von Studien, die den Langzeitnutzen von Eingriffen bewerten. „Solche Versorgungsstudien liegen im gemeinsamen Interesse von Patienten, Kostenträger und Chirurgen“, sagte er.

Bisher basierten Meyer zufolge nur 24 Prozent aller chirurgischen Eingriffe auf den Resultaten randomisierter kontrollierter Studien. Vier Prozent dieser Studien würden unterschiedliche chirurgische Maßnahmen vergleichen. Die Ursachen für die überschau­bare Studienanzahl seien vielfältig, so Meyer. 

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Zum einen seien randomisierte kontrollierte Studien in der Chirurgie komplexer als beim Arzneimittelvergleich. Zum anderen sei in der Regel ein erheblicher Zeit- und Personal­aufwand bei oft fehlenden strukturellen Voraussetzungen notwendig, oftmals verbunden mit Finanzierungsschwierigkeiten solcher Studien. Meyer kritisierte außerdem die Mängel in der breiten methodischen Ausbildung, zum Beispiel bei der Erstellung von Studien­proto­kollen oder Metaanalysen.

„Klinische Studien stellen die Basis für den Aufbau einer evidenzbasierten und somit qualitätsgesicherten Versorgung der Patienten dar und helfen, den Nutzen diagnos­tischer und therapeutischer Leistungen zu bewerten“, betonte der DGCH-General­sekretär.

Risikoadjustierte Register helfen bei der Qualitätsmessung
Das Ziel, die chirurgische Qualität zu überprüfen und zu verbessern, hat sich auch das Studien-, Dokumentations- und Qualitätszentrum gesetzt, das 2012 von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) gegründet wurde. Eine Aufga­be des Zentrums soll die Erstellung von risikoadjustierten Registern sein. „Nur solche Register, die die mitgebrachten Risikofaktoren des Patienten berücksichtigen, können Auskunft über die tatsächliche Qualität eines Chirurgen oder einer chirurgischen Abteilung geben“, sagte DGAV-Sekretär Heinz-Johannes Buhr.

Bislang gibt es seinen Angaben nach eine risikoadjustierte Datenerfassung für das kolorektale Rektumkarzinom. Auf deren Basis soll voraussichtlich bis Mai 2014 ein Risikokalkulator erstellt werden, der erlaubt, vor dem Eingriff die mögliche Komplika­tionsrate zu berechnen.

„Diese präoperative Risikokalkulation wird nicht nur Einfluss auf das Operations­ver­fahren haben und somit die Komplikationsrate senken, sondern auch den Patienten bei der Entscheidung unterstützen, welche Operation für ihn risikoarm ist“, zeigte sich Buhr überzeugt. In den folgenden Monaten sollen risikoadjustierte Register für weitere Indikationen aufgebaut werden.

Der 131. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin steht in diesem Jahr unter dem Motto „Chirurgie zwischen Faszination, Mut und Demut“. Der vierte Kongresstag widmet sich dem Schwerpunktthema „Leben mit Einschränkungen“. © ank/aerzteblatt.de

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