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Medizin

Comeback eines ausgemusterten Antibiotikums

Mittwoch, 19. März 2014

Braunschweig – Das ausgemusterte Antibiotikum Trimethoprim wirkt gegen Strepto­coccus pyogenes häufiger als gedacht, auch wenn der Keim leicht Resistenzen bildet. Das berichten Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) Braunschweig in der Aprilausgabe der Zeitschrift Antimicrobial Agent and Chemotherapy (doi: 10.1128/AAC.02282-13).

Das weit verbreitete Bakterium Streptococcus pyogenes ist neben Scharlach, der Kinder­krankheit mit dem charakteristischen Hautausschlag, für viele Entzündungen der Haut verantwortlich. Die Infektion kann schwerwiegende Spätfolgen wie akutes rheumatisches Fieber und Entzündungen der Niere nach sich ziehen.

In Deutschland verschreiben Ärzte normalerweise das Antibiotikum Penicillin. In weniger entwickelten Ländern kommt Penicillin nicht immer infrage. Zum einen ist es häufig nicht verfügbar, zum anderen treten dort oft Ko-Infektionen mit Staphylococcus aureus auf, einem Bakterium, gegen das Penicillin häufig nicht mehr wirkt.

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Wissenschaftler um Patric Nitsche-Schmitz vom HZI haben zusammen mit dem Nationalen Referenzzentrum für Streptokokken in Aachen untersucht, inwieweit das Antibiotikum Trimethoprim in diesen Fällen helfen kann. Trimethoprim hemmt ein für das bakterielle Wachstum wichtiges Enzym des Folsäure-Stoffwechsels, die Dihydrofolatreduktase. So verhindert es, dass sich die Bakterien weiter im Körper vermehren.

Bislang haben Ärzte vom Einsatz des Medikaments bei Infektionen mit Streptokokken abgeraten. Grund dafür war die weitverbreitete Annahme, dass die Bakterien von vornherein eine Resistenz gegen das Mittel haben – ein Irrtum, meinen die HZI-Forscher. Das Missverständnis sei darauf zurückzuführen, dass in früheren Studien ein Nährmedium verwendet wurde, das die antimikrobielle Wirkung von Trimethoprim abschwächt.

Die Braunschweiger Wissenschaftler haben Proben infizierter Patienten aus Deutschland und Indien auf ihre Resistenz gegen Trimethoprim untersucht. Bei der Mehrheit von ihnen stellten sie keine Unempfindlichkeit fest. „Das zeigt, dass Trimethoprim bei vielen Infektionen mit Streptococcus pyogenes wirksam ist“, sagt Nitsche-Schmitz. Trimethoprim sei daher für einige geografische Regionen eine Therapieoption bei Infektionen mit Streptococcus pyogenes.

Das Ausmaß der Resistenzen sei deutlich geringer als angenommen und das Medika­ment günstig, haltbar und wirksam bei Ko-Infektionen mit Staphylococcus aureus. „Es ist jedoch wie ein Schwert, das schnell an Schärfe verliert“, sagt Nitsche-Schmitz. Die Forscher berichten von drei Ursachen für die schnelle Verbreitung von Resistenzen. „Wichtig ist, wie bei allen Antibiotika, dass Trimethoprim nicht unnötig verschrieben wird und die Patienten es wie verordnet einnehmen“, betonen die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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