NewsÄrzteschaftÄrzteorganisationen: Türkei muss ärztliche Pflicht zur Hilfeleistung respektieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzteorganisationen: Türkei muss ärztliche Pflicht zur Hilfeleistung respektieren

Mittwoch, 19. März 2014

Köln – In einem Brief an den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan hat die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) gemeinsam mit zehn weiteren internationalen Ärzteorga­nisationen die Entscheidung des türkischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums kritisiert, gerichtlich gegen den Vorstand der Türkischen Ärztekammer (TMA) vorzugehen. Der TMA wird vorgeworfen, während der Proteste im Gezi Park gegen die religiös-konser­vative Regierung im vergangenen Jahr unerlaubterweise „medizinische Versorgungs­einheiten“ für verletzte Demonstranten in Moscheen, Shopping Centern und Hotels organisiert zu haben. Damit habe die TMA ihre Kompetenzen überschritten.

Grundlage für die Anklage ist ein Gesundheitsgesetz, das im Januar erlassen wurde und eine ärztliche Notfallversorgung nur noch bis zum Eintreffen der offiziellen Notfallkräfte erlaubt. Bei Verstößen drohen bis zu drei Jahre Haft und hohe Geldstrafen.

„Ärzte dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie ihre Pflicht erfüllen und sich um Menschen kümmern, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind“, erklärte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery jetzt mit Blick auf die Anklage. Die beschuldigten Ärzte hätten nicht nur unter hohem persönlichem Risiko internationale medizinethische Standards befolgt, sondern auch im Einklang mit dem türkischen Strafgesetz gehandelt.

Anzeige

Die türkische Regierung solle die ärztliche Pflicht zur Hilfeleistung respektieren und das Gerichtsverfahren sofort und bedingungslos einstellen, heißt es in dem Brief. Unterzeich­net haben ihn neben der Bundes­ärzte­kammer die Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights, der Weltärztebund, die British Medical Association, das Standing Committee of European Doctors, die American Academy of Emergency Medicine, die International Federation of Health and Human Rights, die Organisation Doctors for Human Rights, die Alliance of Health Organizations, die Organization Global Health through Education, Training and Service sowie die Irish Nurses and Midwifery Organization.

Dies ist nicht der erste Protestbrief, mit dem sich internationale Ärzteorganisationen an die türkische Regierung wenden. Bereits im vergangenen Sommer hatten sie das Vorgehen der Polizeikräfte gegen Ärzte bei den Protesten im Gezi Park scharf kritisiert. Es sei völlig inakzeptabel, dass Polizeikräfte versucht hätten, verletzten Demonstranten den Zugang zu medizinischer Versorgung vorzuenthalten oder medizinisches Personal, das verletzten Demonstranten zu Hilfe kommen wollte, festzunehmen, hatte die BÄK erklärt.

Auch die jüngste Gesundheitsgesetzgebung, die bestimmte Aspekte der Notfallver­sorgung durch Ärzte kriminalisiere, widerspreche zutiefst internationalen Menschen­rechts­standards und der ärztlichen Ethik, sagte BÄK-Präsident Montgomery. © HK/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Oktober 2020
Istanbul – Die türkische Ärztevereinigung hat scharfe Kritik an der Erfassung von offiziellen SARS-CoV-2-Fällen im Land geäußert. „Die Regierung hat in Sachen Transparenz versagt und manipuliert
Ärztevereinigung: Türkische Regierung manipuliert Coronazahlen
26. August 2020
Istanbul – Die türkische Corona-App hat eine neue Funktion, die Datenschützern zufolge eine „Kultur der Denunziation“ fördern könnte. Die vorgestern in der staatlichen Smartphone-App „Hayat Eve Sigar“
Kritik von Datenschützern an neuer Funktion in türkischer Corona-App
6. August 2020
Istanbul – Der Chef der türkischen Ärztevereinigung hat die offiziellen Fallzahlen von SARS-CoV-2 der Regierung in Ankara angezweifelt. „Sie spiegeln nicht die Wirklichkeit wieder“, sagte Sinan
Ärztevereinigung zweifelt offizielle Zahlen in Türkei an
10. März 2020
Brüssel – Trotz der Zuspitzung an der griechisch-türkischen Grenze versucht die Europäische Union, den Flüchtlingspakt mit der Türkei am Leben zu erhalten. Der Pakt von 2016 bleibe gültig, und
Europäische Union will Flüchtlingspakt mit der Türkei retten
9. März 2020
Athen/Istanbul/Brüssel – Angesichts der Not der Flüchtlinge in Griechenland wollen Union und SPD besonders schutzbedürftige Kinder in Deutschland aufnehmen. Das entschied der Koalitionsausschuss
Koalition will schwer erkrankte Flüchtlingskinder aufnehmen
6. März 2020
Zagreb – Mehrere EU-Staaten haben der Türkei weiteres Geld zur Versorgung syrischer Flüchtlinge in Aussicht gestellt – vorausgesetzt Ankara schließt wieder seine Grenze zur EU. Derzeit übe die
EU-Staaten signalisieren Türkei Bereitschaft zu mehr Hilfsgeldern
5. März 2020
Ankara – Die EU-Kommission will Griechenland mit einem Sechs-Punkte-Plan bei der angespannten Migrationslage an der türkisch-griechischen Grenze helfen. Das Papier sieht unter anderem vor, dass die
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER