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Medizin

MS: Statine verlangsamen Hirnatrophie im fortgeschrittenen Stadium

Mittwoch, 19. März 2014

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London – Die Behandlung mit dem Lipidsenker Simvastatin, der in Tiermodellen eine Wirk­sam­keit gegen Autoimmunerkrankungen zeigt, hat in einer Phase II-Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62242-4) das Fortschreiten der Hirnatrophie bei Patienten mit sekundär progredienter multipler Sklerose (MS) verlangsamt. Ein günstiger Einfluss auf den klinischen Verlauf konnte nicht sicher gezeigt werden.

Im Gegensatz zu den Frühphasen der Erkrankung, für die mehrere krankheits­modi­fizierende Wirkstoffe zur Verfügung stehen, sind die Behandlungsmöglichkeiten bei der sekundär progredienten multiplen Sklerose begrenzt. Statine sind ein ungewöhn­licher Ansatz, der im Wesentlichen auf den Ophthalmologen John Greenwood vom University College London zurückgeht.

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Greenwood ist davon überzeugt, dass Statine den Angriff der T-Zellen auf die Myelin­scheiden bremsen können, der für die MS verantwortlich ist. Statine sollen darüber hinaus die Migration der Leukozyten durch die Blut-Hirnschranke verhindern. Hierfür gebe es Hinweise aus tierexperimentellen Studien.

Die Wirkung bei der progredienten multiplen Sklerose wurde an drei Behandlungszen­tren in Großbritannien an 140 Patienten untersucht. Sie wurden über zwei Jahre entweder mit 80 mg/die Simvastatin oder Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war die Verminderung des Hirnvolumens in der Kernspintomographie.

Hier kam es, wie Jeremy Chataway vom University College London und Mitarbeiter jetzt berichten, tatsächlich zu einer Abschwächung: Während das Hirnvolumen im Place­bo-Arm jährlich um 0,584 Prozent an Volumen abnahm, war die „Atrophierate“ unter Simvastatin auf 0,288 Prozent pro Jahr vermindert. Das ist eine relative Reduktion um 43 Prozent, die in der statistischen Auswertung signifikant war, deren klinische Relevanz jedoch unklar bleibt.

Die mit Simvastatin behandelten Patienten hatten am Ende der Studie zwar mit 5,93 versus 6,35 Punkten etwas bessere Werte im Expanded Disability Scale Status (EDSS), der das Ausmaß der neurologischen Behinderungen mit 0 bis 10 Punkte bewertet. Auch in der „Multiple Sclerosis Impact Scale-29“ wurden die Patienten etwas besser bewertet.

Im „Multiple Sclerosis Functional Composite“ (MSFC) war dagegen kein Vorteil erkenn­bar. Der Nutzen der Therapie ist deshalb nach Ansicht von Chataway derzeit nicht belegt. Er hofft auf eine weitere Phase-III-Studie, der aufgrund der geringen Kosten und der hohen Sicherheit des Medikaments auch nach Ansicht der Editorialistin Jacqueline Palace vom Radcliffe Hospital in Oxford nichts entgegenstehen sollte. © rme/aerzteblatt.de

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