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Medizin

Lenograstim: Risiko eines kapillären Lecksyndroms

Donnerstag, 20. März 2014

Bonn – Das Immunstimulanz Lenograstim (Granocyte®), das die Zahl der Granulozyten im Blut steigert, kann ein kapilläres Lecksyndrom auslösen. Darauf weist der Hersteller in einem Rote Hand-Brief hin. Bei einem kapillären Lecksyndrom (CLS, capillary leakage syndrome) kommt es zu einem massiven Austritt von Plasma und Plasmaproteinen in das Interstitium. Die Folge ist ein Ödem und – schwerwiegender – ein Volumenmangel in den Blutgefäßen mit Hypotonie, Hypoalbuminämie und Hämokonzentration. Ein CLS kann sich sehr schnell entwickeln und rasch zum Tod fortschreiten.

Beim Hersteller sind seit Markteinführung im Oktober 1991 weltweit elf Berichte über ein CLS eingegangen. Davon hatten zehn Lenograstim erhalten, um nach einer Chemo­therapie die Zahl der Granulozyten zu steigern und die Krisenphase der Neutropenie zu verkürzen. Bei dem elften Patienten handelte es sich um einen gesunden Spender, der sich einer Stammzellmobilisierung mit Apherese unterzog.

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In sieben Fällen, einschließlich dem gesunden Spender, kam es nach Absetzen von Lenograstim und unter einer unterstützenden Therapie oder der Gabe von Kortiko­steroiden zu einer Besserung. In zwei Fällen war der Ausgang tödlich.

Bei weltweit mehr als 1,5 Millionen Patienten, die seit der Markteinführung Lenograstim erhalten haben, dürfte es sich um eine seltene Komplikation handeln. Der Hersteller fordert die Ärzte jedoch auf, Patienten und gesunde Spender, die Lenograstim erhalten, engmaschig bezüglich CLS-Symptomen zu überwachen. Wenn Symptome auftreten, sollte sofort eine symptomatische Standardbehandlung eingeleitet werden. Das könne eine Behandlung auf einer Intensivstation einschließen.

Patienten und gesunde Spender sollten angewiesen werden, unverzüglich ihren Arzt zu kontaktieren, wenn sie Symptome der Erkrankung entwickeln. Dazu gehören genera­lisierte Schwellungen, lokale Anschwellungen (was verbunden sein kann mit seltenerem Wasserlassen), Atemnot, Schwellungen im Bereich des Bauchraumes und Müdigkeit. © rme/aerzteblatt.de

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