NewsMedizinLenograstim: Risiko eines kapillären Lecksyndroms
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lenograstim: Risiko eines kapillären Lecksyndroms

Donnerstag, 20. März 2014

Bonn – Das Immunstimulanz Lenograstim (Granocyte®), das die Zahl der Granulozyten im Blut steigert, kann ein kapilläres Lecksyndrom auslösen. Darauf weist der Hersteller in einem Rote Hand-Brief hin. Bei einem kapillären Lecksyndrom (CLS, capillary leakage syndrome) kommt es zu einem massiven Austritt von Plasma und Plasmaproteinen in das Interstitium. Die Folge ist ein Ödem und – schwerwiegender – ein Volumenmangel in den Blutgefäßen mit Hypotonie, Hypoalbuminämie und Hämokonzentration. Ein CLS kann sich sehr schnell entwickeln und rasch zum Tod fortschreiten.

Beim Hersteller sind seit Markteinführung im Oktober 1991 weltweit elf Berichte über ein CLS eingegangen. Davon hatten zehn Lenograstim erhalten, um nach einer Chemo­therapie die Zahl der Granulozyten zu steigern und die Krisenphase der Neutropenie zu verkürzen. Bei dem elften Patienten handelte es sich um einen gesunden Spender, der sich einer Stammzellmobilisierung mit Apherese unterzog.

Anzeige

In sieben Fällen, einschließlich dem gesunden Spender, kam es nach Absetzen von Lenograstim und unter einer unterstützenden Therapie oder der Gabe von Kortiko­steroiden zu einer Besserung. In zwei Fällen war der Ausgang tödlich.

Bei weltweit mehr als 1,5 Millionen Patienten, die seit der Markteinführung Lenograstim erhalten haben, dürfte es sich um eine seltene Komplikation handeln. Der Hersteller fordert die Ärzte jedoch auf, Patienten und gesunde Spender, die Lenograstim erhalten, engmaschig bezüglich CLS-Symptomen zu überwachen. Wenn Symptome auftreten, sollte sofort eine symptomatische Standardbehandlung eingeleitet werden. Das könne eine Behandlung auf einer Intensivstation einschließen.

Patienten und gesunde Spender sollten angewiesen werden, unverzüglich ihren Arzt zu kontaktieren, wenn sie Symptome der Erkrankung entwickeln. Dazu gehören genera­lisierte Schwellungen, lokale Anschwellungen (was verbunden sein kann mit seltenerem Wasserlassen), Atemnot, Schwellungen im Bereich des Bauchraumes und Müdigkeit. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. September 2020
Silver Spring/Maryland – Das Risiko von Amputationen ist unter der Behandlung mit dem SGLT2-Inhibitor Canagliflozin nicht so hoch wie bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die
Canagliflozin: FDA streicht umrahmten Warnhinweis zu Amputationen
15. September 2020
Berlin - Die Kosten für Arzneimittel, die neu auf den Markt kommen, steigen drastisch – bei oft nur mäßigem Innovationsgrad. So lautet das Fazit des diesjährigen Innovationsreports der Techniker
TK plädiert für neue Preisfindungsmodelle im Arzneimittelbereich
13. August 2020
Berlin – Den Krankenhäusern liegen wichtige Informationen zur Medikation von insbesondere Polypharmaziepatienten oft nicht vor. Aber auch nach Entlassung aus der Klinik werden Patienten und
Barmer weist auf Informationslücken bei Polypharmaziepatienten hin
11. August 2020
Karlsruhe – Der niederländische Versandhändler Doc Morris darf Medikamente nicht über einen Apothekenautomaten ausgeben. Mit drei heute veröffentlichten Beschlüssen bestätigte der Bundesgerichtshof
Apothekenautomaten in Deutschland verboten
17. Juli 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Grundzüge des Verfahrens zur Forderung einer anwendungsbegleitenden Datenerhebung und Auswertung für die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit
Zolgensma: G-BA konkretisiert Verfahren zu anwendungsbegleitender Datenerhebung
10. Juli 2020
Los Angeles – US-Erwachsene, die an einer Online-Umfrage zu gastrointestinalen Beschwerden teilnahmen, waren doppelt so häufig mit SARS-CoV-2 infiziert, wenn sie eine Einnahme von
Studie: Steigern PPI das COVID-19-Risiko?
9. Juli 2020
Berlin – Anwendungsbeobachtungen (AWB) sind aus Sicht der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) vielfach Marketingmaßnahmen der Pharmaindustrie mit „geringem wissenschaftlichen
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER