NewsMedizinHochfrequenz­beatmung: Langfristige Vorteile und Risiken für Frühgeborene gering
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hochfrequenz­beatmung: Langfristige Vorteile und Risiken für Frühgeborene gering

Donnerstag, 20. März 2014

dpa

London – Frühgeborene, die wegen einer Lungenunreife nach der Geburt beatmet werden müssen, haben als Jugendliche eine bessere Lungenfunktion, wenn die Methode der Hochfrequenzbeatmung verwendet wurde. Dies zeigen Nachtuntersuchungen einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2014; 370: 1121-1130).

Die Hochfrequenzbeatmung gilt als schonend für die Lungen, weil sie ohne große Atemexkursionen auskommt. Die Belüftung der Alveolen wird durch die Kombination eines leichten Überdrucks und kurzen „hechelnden“ Atemzügen erreicht. Die hohe Atemfrequenz von 900 Bewegungen in der Minute erzeugt Turbulenzen in den Luftwe­gen. Diese beschleunigen die natürliche Diffusion der Atemgase entlang ihrem Gradienten zwischen Alveolen und Außenluft: Bei der Hochfrequenzbeatmung atmen die Patienten, ohne tief Luft zu holen.

Anzeige

Dass die Hochfrequenzbeatmung die Entwicklung einer bronchopulmonalen Dysplasie in den noch unreifen Lungen der Neugeborenen verhindert, ist umstritten. Zwei Meta-Ana­lysen haben die Vorteile jüngst als gering oder als nicht belegt eingestuft. Im Raum stehen auch die Ergebnisse der HIFI-Studie, in der es zu einer erhöhten Rate von Hirnschäden (intraventrikuläre Blutung und periventrikuläre Leukomalazie) gekommen war (NEJM 1989; 320: 88-93).

Ein wesentliches Ziel der United Kingdom Oscillation Study (UKOS) war es deshalb, die Sicherheit der Hochfrequenzbeatmung zu beurteilen. Zwischen 1998 und 2004 wurden an 23 Zentren auf den Britischen Inseln und 2 in Übersee insgesamt 797 Frühgeborene (vor der 29. Gestationswoche) auf eine Hochfrequenzbeatmung oder eine konventionelle Beatmung randomisiert. Die Gruppe um Anne Greenough vom King's College London konnte jetzt 319 Patienten von den Britischen Inseln im Alter von etwa 12 Jahren nachuntersuchen.

Ergebnis: Die Hochfrequenzbeatmung hat der Entwicklung der Kinder langfristig nicht geschadet. Es gab keine erhöhte Rate von Hirnblutungen und die schulischen Leistungen der Kinder waren tendenziell sogar besser als in der Kontrollgruppe mit konventioneller Beatmung (in beiden Gruppen hatte aber die Hälfte der Kinder Förderbedarf in der Schule).

Auch die Lungenfunktionstests ergaben einen leichten Vorteil für die Kinder, die eine Hochfrequenzbeatmung erhalten hatten. Die kleinen Atemwege scheinen besser belüftet zu werden. Das Ausmaß der Unterschiede war mit 0,3 Standardabweichungen jedoch gering, und Greenough fand keine Anzeichen, dass die Kinder nach einer konventio­nellen Beatmung häufiger unter Erkrankungen der Atemwege leiden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. September 2019
Berlin – Die Kritik an der von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) geplanten Neuregelung zur Intensivpflege hält an. Weitere Verbände äußerten heute anlässlich einer Anhörung im Ministerium
Kritik an Spahns Plänen für Intensivpflege reißt nicht ab
10. September 2019
Berlin – In der Debatte um ein neues Gesetz zur Intensivpflege hat die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Ausnahmeregelungen für eine Versorgung von erwachsenen Beatmungspatienten in ihrem heimischen Umfeld
Bundesärztekammer mahnt Selbstbestimmung bei Intensivpflege an
5. September 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat mit seinem Entwurf für ein „Gesetz zur Stärkung von Rehabilitation und intensivpflegerischer Versorgung in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung“
100.000 Unterschriften gegen Spahns Reformpläne zur Intensivpflege
3. September 2019
Berlin – Intensivmediziner, Pneumologen und Medizincontroller haben sich in einem Brief, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, an das Bundessozialgericht (BSG), die Sozialgerichte der Bundesländer
Scharfe Kritik an Rechtsprechung zur Entwöhnung von der Beatmungstherapie
22. August 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat Kritik an einem geplanten Gesetz zur Betreuung von Beatmungspatienten zurückgewiesen. Er könne die „Sorgen und Ängste“ nachvollziehen, sagte
Spahn verteidigt Reformpläne für Beatmungspatienten
21. August 2019
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat sich hinter Vorschläge aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) für Veränderungen bei der Versorgung von
Pneumologen befürworten Pläne des Ministeriums in der Beatmungsmedizin
19. August 2019
Berlin – Die Proteste gegen Pläne aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), dass erwachsene Beatmungspatienten künftig nur noch stationär oder in Intensivpflege-WGs versorgt werden können, sind
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER