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Medizin

Darmkrebsvorsorge: DNA-Nachweis verbessert Stuhltest

Freitag, 21. März 2014

Indianapolis – Ein neuartiger Test, der neben okkultem Blut auch darmkrebsspezifische DNA-Veränderungen in den Faeces nachweist, war in einer Vergleichsstudie im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1311194) einem kommerziell erhältlichen immunologischen Stuhltest auf okkultes Blut überlegen.

Der DNA-Test des US-Herstellers Exact Sciences aus Madison in Wisconsin enthält molekulare Assays für KRAS-Mutationen, veränderte Methylierungen der Gene NDRG4 und BMP3 sowie den Nachweis des Proteins Beta-Actin. Diese Veränderungen treten in Darmkrebszellen und seinen Vorläufern häufig bereits auf, bevor es zu Blutungen kommt, die mit dem konventionellen Guajak-Test und den moderneren immunologischen Stuhltests nachgewiesen werden. Zur Sicherheit ist der neue Test zusätzlich mit einem Hämoglobin-Immunoassay ausgerüstet.

Es war deshalb zu erwarten, dass der Test die Ergebnisse eines immunologischen Tests übertrifft, was auch in einer Vergleichsstudie, an der fast 10.000 Patienten teilnahmen, der Fall war. Alle Teilnehmer im Alter von 50 bis 84 Jahren führten neben dem neuen „multitarget“ DNA-Test auch einen kommerziell erhältlichen immunologischen Test durch, bevor sie sich einer Vorsorge-Koloskopie unterzogen.

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Wie das Team um Thomas Imperiale von der Indiana University in Indianapolis berichtet, wurde bei 65 Teilnehmern (0,7 Prozent) ein Kolorektalkarzinom entdeckt. Der DNA-Test war bei 60 dieser Patienten positiv ausgefallen, was eine Sensitivität von 93,2 Prozent ergibt. Er war hier signifikant besser als der immunologische Test, der 48 Karzinome anzeigte (Sensitivität: 73,8 Prozent). Auch bei den Karzinomen im Stadium I bis III, in denen die Operation eine gute Heilungschance bietet, war die Sensitivität besser (93 versus 73 Prozent).

Bei 757 Teilnehmern (7,6 Prozent) waren bei der Darmspiegelung fortgeschrittene Adenome oder sessile serratierte Adenome entdeckt und entfernt worden. Diese Läsionen gelten als Darmkrebsvorstufe. Sie wurden vom DNA-Test zu 42 Prozent und vom immunologischen Test zu 24 Prozent erkannt. Auch hier war die Sensitivität des neuen Tests besser. Die Zahl der Teilnehmer, die gescreent werden müssen, um eine Darmkrebserkrankung zu diagnostizieren, betrug bei der Koloskopie 154, beim DNA-Test 166 und mit dem immunologischen Test 208.

Zu den Nachteilen gehört die komplizierte Durchführung des Tests: 6,3 Prozent der Proben konnte nicht verwendet werden, weil die Teilnehmer die Stuhlprobe nicht korrekt gesammelt hatten oder der Test nicht ausgewertet werden konnte. Beim immunolo­gischen Test war die Ausfallrate mit 0,3 Prozent deutlich niedriger. Auch die Spezifität war mit 86,6 Prozent relativ niedriger als im immunologischen Test.

Dies bedeutet, dass die Zahl der Probanden, bei denen aufgrund eines falschpositiven Tests eine Koloskopie durchgeführt wird, höher ist. Da die Vorsorge-Koloskopie ohnehin die Methode der Wahl ist, sollte dieser Nachteil nicht ins Gewicht fallen.

Schwerwie­gender ist der Einwand, dass der Test aufgrund der zu erwartenden Kosten – ein Preis liegt noch nicht fest, da der Test noch nicht von der FDA zugelassen ist – vermutlich nicht beliebig häufig wiederholt werden kann. Mit der Anzahl der Stuhltests und der Verkürzung der Zeitintervalle zwischen den Tests steigt aber die Chance, auch mit einem einfachen Guajak-Test  einen Tumor oder seine Vorstufen zu erkennen, also die Sensitivität.

Vermutlich wird der neue Test, so er denn zu einem vertretbaren Preis angeboten wird, von den Leitlinien auf die gleiche Stufe gestellt werden wie der immunologische Test. Er könnte eine Alternative zur Vorsorge-Koloskopie für die Menschen sein, die die Unannehmlichkeiten der Darmvorbereitung und der Endoskopie scheuen. © rme/aerzteblatt.de

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