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Medizin

Europäische Leitlinie sieht gute Therapiechancen bei MDR-Tuberkulose

Montag, 24. März 2014

Elektronenmikroskopische Aufnahme der Tuberkelbakterien /CDC

Borstel – Der Anteil der Tuberkulose-Erkrankungen mit multiresistenten Keimen ist vor allem in Osteuropa gestiegen. Die Mehrheit der Patienten mit einer MDR-Tuberkulose könne jedoch geheilt werden, selbst bei der gefürchteten XDT-Tuberkulose sei die Situ­ation nicht aussichtslos, berichtet ein Expertenteam im European Respiratory Journal (2014, doi: 10.1183/09031936.00188313). Zu einer Verbesserung könnten auch zwei neue und ein altes Medikament beitragen, die in den letzten sechs Monaten in Europa zugelassen wurden.

Während in Deutschland nur 2,4 Prozent der Tuberkulosekeime resistent gegen Isonia­zid und Rifampicin sind und damit die Falldefinition der MDR-Tuberkulose erfüllen, waren es europaweit im Jahr 2011 bereits 13,2 Prozent bei den Neuerkrankungen und 46,4 Prozent bei den vorbehandelten Patienten. Die Prävalenz nimmt von Westen nach Osten zu. In der Nachbarschaft zur EU am weitesten verbreitet ist die MDR-Tuberkulose in Weißrussland (52,6 Prozent aller untersuchten Isolate) und Moldawien (42,0 Prozent).

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Die Angaben sind nach Auskunft der ECDC jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da in diesen Ländern nur selten Resistenztests durchgeführt werden, was in Kombination mit einer mangelnden Compliance und dem frühzeitigen Abbruch der Therapie der Haupt­grund für die starke Ausbreitung resistenter Keime ist. Es ist unklar, wie häufig neben Isoniazid und Rifampicin auch Fluorochinolone und wenigstens drei weitere parenterale Second-Line Wirkstoffe (SLID) wie Capreomycin, Kanamycin und Amikacin versagen – womit die Definition einer extensiv resistenten oder XDR-Tuberkulose erfüllt ist.

Bei der MDR-Tuberkulose sind die Heilungschancen nach Einschätzung einer Experten­gruppe um Christoph Lange vom Forschungszentrum Borstel gut – wenn das richtige Therapieschema gefunden wird. Das ideale Therapieschema besteht laut der WHO aus Pyrazinamid plus vier weiteren Wirkstoffen, darunter einem Fluorchinolon (vorzugsweise ein neues Mittel wie Moxifloxacin oder Levofloxacin unter Vermeidung von Ciprofloxacin), einem SLID, einem Thionamid (Ethionamid oder Prothionamid) und einem weiteren oral verfügbaren bakteriostatischen Wirkstoff (vorzugsweise Cycloserin).

Schwieriger ist die Situation, wenn eine Resistenz auf Fluorochinolone vorliegt. Das Antibiotikum Linezolid scheint jedoch – wenngleich mit höheren Therapiekosten und der Gefahr einer Neurotoxizität bei längerer Anwendung – ein guter Ersatz zu sein mit Heilungsraten von über 80 Prozent.

Schließlich hat die EMA jüngst mit Bedaquilin (Sirturo) und Delamanid (Deltyba) die ersten Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse zugelassen (beziehungsweise für die Zulassung empfohlen). Ein weiteres Präparat (Lucane) führt in einer neuen Formulierung den alten Wirkstoff 4-Aminosalicylsäure wieder ein. Es war nach Streptomycin das zweite Tuberkulosemittel und wurde bis in die 1970er als Standardmedikament verwendet.

Alle drei Wirkstoffe sind Reservemittel bei Resistenzen gegen oder Unverträglichkeit auf andere Tuberkulosemedikamente. Ihr Stellenwert ist nach Einschätzung der Experten noch nicht klar. Sie begrüßten die Mittel jedoch als Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten.

© rme/aerzteblatt.de

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