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Medizin

Diabetesmedikament bei Mäusen gegen Morbus Alzheimer wirksam

Montag, 24. März 2014

Boston – Pramlintid, ein in den USA zur Behandlung des Diabetes mellitus zugelassener Wirkstoff, hat in tierexperimentellen Studien in Molecular Psychiatry (2014; doi: 10.1038/mp.2014.17) die Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn vermindert und die Gedächtnisleistungen der Tiere verbessert. Die Forscher vermuten, dass der Wirkstoff pathologische Proteine oder deren Vorstufen aus dem Gehirn „ausschwemmen“ könnte.

Pramlintid ist ein Analogon des Peptidhormons Amylin, das von den Beta-Zellen zusammen mit Insulin ausgeschüttet wird. Amylin verstärkt die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin, indem es die Glucagonausschüttung hemmt und dadurch die Glukosefreisetzung aus der Leber senkt. Pramlintid ist seit 2005 in den USA als unterstützendes Medikament in der Therapie des Typ 1 und des 2-Diabetes zugelassen. In Deutschland wurde es bisher nicht eingeführt.

Amylin hat Ähnlichkeiten mit dem Amyloid-beta Peptid, dessen Ablagerungen im Gehirn die Ursache des Morbus Alzheimer sind. Hinzu kommt, dass Amylin (und auch Pramlintid) die Bluthirnschranke passieren. Dies hat das Team um Wendy Qiu vom Boston University Medical Center veranlasst, die Auswirkungen einer intraperitonealen Gabe von Amylin oder Pramlintid auf Genmäuse zu untersuchen, die aufgrund mehrerer Mutationen einen Morbus Alzheimer entwickeln.

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Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass Amylin und Pramlintid zu einem Rückgang der Amyloid-Ablagerungen im Gehirn der Mäuse führte. Nach den Injektionen kam es jeweils zu einem kurzfristigen Anstieg von Amyloidpeptiden im Blut und im Liquor, deren Menge mit dem Stadium der Alzheimererkrankung korrelierte. Wie Amylin und Pramlintid die Freisetzung der Peptide fördert, ist noch unklar.

Für Amylin war eine hemmende Wirkung auf das Enzym Beta-Sekretase nachweisbar, das die Amyloid-Proteine bildet. Pramlintid dagegen scheint das Enzym nicht zu hemmen. Beide Peptide unterscheiden sich nur in 3 der 37 Aminosäuren. Diese Modifikationen waren bei Pramlintid übrigens eingeführt worden, um eine pathologische Ablagerung in der Bauchspeicheldrüse zu verhindern.

Bei den Genmäusen hatte die Behandlung mit beiden Peptiden günstige Auswirkungen auf das Gedächtnis. Die Tiere fanden sich nach der Behandlung in zwei Labyrinth-Tests, bei denen sie auf ihr Erinnerungsvermögen angewiesen waren, besser zurecht. Unter­suchungen an 330 menschlichen Blutproben ergaben, dass bei Alzheimer-Patienten mit hohen Amylinkonzentrationen auch mehr Amyloid-beta Peptide ans Blut abgeben.  

Die Behandlung mit Amylin und Pramlintid könnte deshalb die gleiche Wirkung haben wie der Antikörper Solanezumab, der zur Entfernung der Alzheimer-Plaques entwickelt wurde, in den klinischen Studien jedoch enttäuschte. Ob Amylin-Analoga wie Pramlintid hier eine bessere Wirkung haben können, bleibt abzuwarten. Da Pramlintid bereits seit einigen Jahren zur Behandlung des Diabetes eingesetzt wird, dürfte es bald zu Studien zu den möglichen Auswirkung auf das Demenzrisiko kommen. © rme/aerzteblatt.de

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