Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Sozialverband und Alzheimer-Gesell­schaft drängen auf Pflegereform

Dienstag, 25. März 2014

dpa

Berlin – Der Sozialverband VdK und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft drängen die Bundesregierung zur raschen Umsetzung einer Pflegereform. Es sei „skandalös“, dass vor allem Demenzkranke in der Pflegeversicherung immer noch benachteiligt würden, kritisierte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher am Dienstag in Berlin. Der Pflegebe­vollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), bekräftigte indes die Pläne für eine Reform der Pflegeausbildung.  

Mascher erklärte, eine große Pflegereform und angemessene Leistungen für Demenz­kranke seien „längst überfällig“. Statt Verbesserungen habe es für die Betroffenen in den vergangenen Jahren allenfalls „nur ein paar Pflaster“

gegeben. Auch Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesell­schaft, beklagte, der Betreuungsaufwand für die rund 1,4 Millionen Demenzkranken werde in der Pflegeversicherung derzeit nur unzureichend berücksichtigt.    

Unter dem Motto „Große Pflegereform - jetzt!“ starteten VdK und Alzheimer-Gesellschaft eine bundesweite Kampagne. Eine Kernforderung ist die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, von der vor allem Demenzkranke profitieren sollen. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Expertenbeirat Empfehlungen für ein neues Begutach­tungsverfahren zur Bestimmung des Pflegebedarfs vorgeschlagen, bei dem geistige Defizite genauso berücksichtigt werden sollen wie körperliche Einschrän­kungen.  

Den Zeitpunkt für die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs ließ Bundes­gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bislang offen. Zunächst sollen die neuen Verfahren erprobt und wissenschaftlich begleitet werden. VdK und Alzheimer-Gesell­schaft forderten dagegen mehr Tempo. Das Gesetz müsse bereits in diesem Jahr verabschiedet werden und dürfe nicht weiter verzögert werden, warnte Mascher.  

Bis 2017 will die Bundesregierung insgesamt sechs Milliarden Euro zusätzlich unter anderem für die Verbesserungen von Pflegeleistungen und die Gewinnung von mehr Fachkräften bereitstellen. Um dies zu finanzieren, soll der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung ab 2015 um insgesamt 0,5 Prozentpunkte angehoben werden. Ein Teil davon soll in einen Pflege-Vorsorgefonds fließen, um künftige Belastungen abzu­federn. Der VdK lehnt den geplanten Vorsorgefonds ab. Dieser löse die Probleme nicht, kritisierte Mascher.

Verbesserungen im Pflegebereich sind eines der zentralen Themen der Bundesre­gierung. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD auch eine Reform der Pflege­ausbildung vereinbart. Die bisher geteilte Ausbildung in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege soll weitgehend zusammengeführt werden. Zudem soll die Ausbildung für jeden kostenfrei sein.  

Durch die Umstellung auf eine „generalistische Ausbildung“ bekäme der gesamte Beruf eine viel höhere Flexibilität, sagte Laumann der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Dienstag. Allen, die einen Pflegeberuf ausüben wollen, müsse zudem eine kostenfreie Ausbildungsstelle angeboten werden.  Absolventen will der CDU-Politiker darüber hinaus den Weg zu einem Medizinstudium erleichtern. „Wenn zum Beispiel jemand eine Ausbildung im Pflegebereich gemacht hat, sollte man dies auch anerkennen, wenn er danach Medizin studieren will“, sagte er.  

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) nannte es „nicht nachvollziehbar, dass in Zeiten eines drohenden Pflege-Fachkräftemangels junge Menschen an den Pflegefachschulen teilweise immer noch Schulgeld bezahlen müssen“. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.10.17
Neue bundesweite Pflegeberatung unter der Telefonnummer 115
Berlin – Unter der Telefonnummer „115“ erhalten Pflegebedürftige und Angehörige ab sofort eine Beratung zum Thema Pflegebedürftigkeit. Zwischen 8 unds 18 Uhr informieren Mitarbeiter über Pflegegeld,......
12.10.17
Die Altenpflege muss cool werden
Rostock – Die Altenpflege braucht nach Ansicht des Bundesverbands Ambulanter Dienste dringend ein besseres Image. „Die Altenpflege muss cool werden“, sagte Verbandssprecher Hubert Röser am Rande des......
10.10.17
Altenpflege: Landesregierung kündigt mehr Schulplätze in Schleswig-Holstein an
Rendsburg – Die vom Land Schleswig-Holstein geförderten Ausbildungsplätze in der Altenpflege sollen im kommenden Jahr auf 2.100 erhöht werden. Das hat Landesgesundheitsminister Heiner Garg (FDP) im......
05.10.17
Mehr Ärzte, weniger Pflegekräfte
Berlin – Die Zahl der Krankenhausärzte ist in den vergangenen 25 Jahren um 66 Prozent auf rund 158.100 gestiegen. Bei den Pflegekräften gab es in diesem Zeitraum bis 2016 hingegen eine leichte Abnahme......
29.09.17
Bundes­pflege­kammer auf den Weg gebracht
Berlin – Mit einer Gründungskonferenz hat sich gestern die Bundes­pflege­kammer in Berlin konstituiert. „Neben der notwendigen klaren Positionierung in den einzelnen Bundesländern müssen auch zwingend......
22.09.17
Pflege auch Thema der „Schlussrunde“
Berlin – Im letzten „Schlagabtausch“ vor der Bundestagswahl kam gestern in ARD und ZDF erneut eine Debatte um den Pflegenotstand auf. Wiederholt wurden Forderungen nach einer besseren Bezahlung von......
21.09.17
„Wir sind hin- und hergerissen zwischen Patientenversorgung und Krankenhaus­interessen“
Frankfurt am Main – Andreas Hildebrandt arbeitet seit zehn Jahren als Krankenpfleger in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Frankfurt am Main. Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt erzählt er,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige