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Medizin

Barrett-Ösophagus: Radiofrequenz­ablation in Studie erfolgreich

Mittwoch, 26. März 2014

Amsterdam – Die Radiofrequenzablation mit einem Spezialkatheter hat das Fortschreiten von geringgradigen Dysplasien eines Barrett-Ösophagus zu hochgradigen Dysplasien oder einem Adenokarzinom so erfolgreich verhindert, dass die im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 311: 1209-1217) publizierte randomisierte klinische Studie vorzeitig abgebrochen wurde.

Mehr als ein Prozent aller Erwachsenen entwickeln im Verlauf des Lebens eine Dysplasie im distalen Ösophagus, aus dem sich aber nur bei jedem hundertsten Patienten ein Ösophaguskarzinom entwickelt. Anders als bei den Darm-Polypen, die bei einer Vorsor­ge-Koloskopie gefahrlos abgetragen werden können, breitet sich die Dysplasie schnell auf ein größeres Schleimhautareal aus. Häufig ist ringförmig der gesamte Umfang des Ösophagus erfasst.

Die Entfernung ist schwierig und kann bei einer Narbenbildung den Ösophagus verengen. Hinzu kommt, dass die Befunde der Pathologen häufig nicht eindeutig sind. Die derzeitige Gangart ist deshalb bei einer geringgradigen (low grade) Dysplasie zunächst abzuwarten (Surveillance) und die Patienten regelmäßig zu screenen und auch dies nur, wenn im Falle eines Fortschreitens eine Operation sinnvoll erscheint.

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Mittlerweile gibt es allerdings Katheter, die über einen Ballon die Schleimhautläsionen schonend über eine kurze Erwärmung mittels hochfrequenter Radiowellen beseitigen. Ein derartiges Ablationssystem wurde in der „SUrveillance vs. RadioFrequency ablation“ oder SURF-Studie an neun europäischen Zentren getestet. An der von der nieder­ländischen Stiftung Maag Lever Darm Stichting gesponserten Studie nahmen 136 Patienten mit Low grade-Dysplasien teil. Die Diagnose wurde jeweils zentral von einem erfahrenen Pathologenteam gestellt.

Die Hälfte der Patienten unterzog sich zwischen Juni 2007 und Juni 2011 der endoskopischen Radiofrequenz-Ablation, bei den anderen wurde eine abwartende Strategie (Surveillance) eingeschlagen. Bis Mai 2013 war es in der Surveillance-Gruppe bei 26,5 Prozent der Patienten zur Entwicklung einer hochgradigen (high grade) Dysplasie gekommen, die eine definitive Therapie erforderlich macht. Nach der Radiofrequenz-Ablation war dies nur bei 1,5 Prozent der Patienten der Fall.

Die Differenz von 25 Prozentpunkten bedeutet, dass innerhalb einer Nachbeobach­tungszeit von nur 3 Jahren auf vier mit Radiofrequenzablation behandelte Patienten einer kommt, dem eine unter Umständen eingreifende Operation erspart bleibt (Number Needed To Treat).

Hinzu kam, dass der Anteil der Patienten, bei denen sich ein Adenokarzinom entwickelte, von 8,8 auf 1,5 Prozent gesenkt wurde. Dies bewog das Team um Jacques Bergman vom Academisch Medisch Centrum in Amsterdam, die Studie vorzeitig abzubrechen und allen Patienten mit Low grade-Dysplasie zu einer Radiofrequenz-Ablation zu raten.

Diese Empfehlung gründet sich auch auf die Tatsache, dass die endoskopische Behand­lung nur bei 8 Patienten (11,8 Prozent) eine Striktur hinterließ, die nach median nur einer endoskopischen Dilation behoben werden konnte. Ob sich die Fachgesellschaften der Empfehlung der niederländischen Kollegen anschließen werden, dürfte aber vom Ausgang weiterer Studien abhängen und auch davon, ob es gelingt, pathologische Kriterien für eine Low grade-Dysplasie so eindeutig zu definieren, dass sie im klinischen Alltag reproduzierbar sind. © rme/aerzteblatt.de

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