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Medizin

WHO erklärt Südostasien für poliofrei

Donnerstag, 27. März 2014

Polio-Impfung in Indien /dpa

Neu Delhi – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat die Region Südost-Asien, in der ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, für poliofrei erklärt. Im benachbarten Pakistan und Afghanistan hat die Zahl der Erkrankungen dagegen zugenommen.

Die WHO-Region Südost-Asien ist nach Amerika (1994), Westlicher Pazifik (2000) und Europa (2002) die vierte von sechs WHO-Regionen, die für poliovirusfrei erklärt wurde. Etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung leben hier. Um das Zertifikat zu erhalten, mussten alle Länder der Region seit mindestens drei Jahren ohne Erkrankungsfall gewesen sein.

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Sie müssen eine „exzellente labor-basierte Surveillance“ nachweisen, die regelmäßig Abwässer nach Polioviren untersucht. Die Länder müssen in der Lage sein, rasch auf importierte Fälle zu reagieren und schließlich muss sichergestellt sein, dass die Viren aus den Labors nicht in die Außenwelt gelangen.

Diese Bedingungen sind nach Ansicht eines Expertengremiums für alle elf Länder der Region erfüllt, das deshalb am Donnerstag das Zertifikat ausstellte. Als Erfolg wird vor allem bewertet, dass Indien frei von Polioerkrankungen geblieben ist, obwohl das Übertragungsrisiko in vielen Gegenden Indiens infolge einer hohen Bevölkerungsdichte und vor allem dem Mangel an sanitären Anlagen besonders hoch ist.

In Indien ist es in den letzten Jahren gelungen, auch in abgelegenen Regionen regel­mäßig die Kinder zu impfen. Dies ist nicht allein den Bemühungen der Regierung und der Unterstützung durch die Polio Eradication Initiative zu verdanken, in der sich seit einigen Jahren auch die Gates-Stiftung engagiert. Ein wesentlicher Grund ist die Abwesenheit von politischen und kriegerischen Konflikten, die bislang die Eradikation in Pakistan und Afghanistan verhindert haben.

In Pakistan ist es in diesem Jahr bereits zu 29 Erkrankungen gekommen gegenüber fünf im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dort wurden wiederholt Impfteams von Rebellen angegriffen. Zuletzt gab es am 1. März elf Opfer durch eine Straßenbombe. Aus Afghanistan wurden in diesem Jahr drei Fälle gemeldet gegenüber einem aus dem letzten Jahr.

Die gesteigerte Aktivität der Taliban könnte hier in den nächsten Monaten zu einem weiteren Anstieg führen. Auch in Nigeria, wo es in diesem Jahr erst eine Erkrankung gegenüber fünf im Vorjahreszeitraum gegeben hat, ist die politische Lage im Norden des Landes nicht stabil. Als weitere Länder mit endemischen Erkrankungen sind in diesem Jahr Kamerun und das benachbarte Äquatorialguinea hinzugekommen.

Importierte Erkrankungen hatte es zuletzt in den Krisenländern Somalia und Syrien gegeben. Sie griffen rasch auf die Nachbarländer Äthiopien und Kenia über. Der Nachweis von Polioviren in Abwässern in Israel zeigt, dass eine erneute Ausbreitung nur durch regelmäßige Impfkampagnen verhindert werden kann.

Dass das Ziel einer globalen Polio-Eradikation, das die WHO jetzt für das Jahr 2018 anstrebt, erreicht werden kann, ist keineswegs sicher, zumal der derzeit bevorzugte kostengünstige orale Lebendimpfstoff noch über längere Zeit mit den Faeces ausgeschieden wird und die Gefahr besteht, dass die Erreger durch Mutation pathogene Eigenschaften des Wildtyps erwerben. © rme/aerzteblatt.de

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