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Medizin

Weniger Frühgeburten und kindliches Asthma durch Rauchverbote

Freitag, 28. März 2014

dpa

Maastricht – Die Einführung von Rauchverboten an öffentlichen Orten schützt nicht nur Erwachsene vor den Folgen des Passivrauchens. Eine Meta-Analyse im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60082-9) zeigt, dass auch die Zahl von Frühgeburten und schweren Asthmaerkrankungen bei Kindern zurückgeht. Es werden auch tendenziell weniger Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht geboren.

In der Zeit der körperlichen Entwicklung vor und in den ersten Jahren nach der Geburt ist der Organismus besonders anfällig für schädliche Noxen, zu denen auch die Bestand­teile des Tabakrauchs gehören. Ihnen sind die Kinder vor allem durch das Rauchen der Eltern in der häuslichen Umgebung ausgesetzt. Über die Plazenta erreichen die Schad­stoffe auch das ungeborene Kind.

In den letzten Jahrzehnten haben, angefangen mit den USA, zahlreiche Länder das Rauchen in öffentlichen Gebäuden verboten. Bereits 16 Prozent der Weltbevölkerung ist heute durch Gesetze vor einer Passivrauchexposition geschützt. Die Gesetze betreffen zwar in der Regel nur öffentliche Räume, in denen sich Kinder selten aufhalten. Der Nicht­raucherschutz hat in den meisten Ländern auch das Verhalten der Erwachsenen in den eigenen vier Wänden verändert. Viele gehen zum Rauchen nach draußen.

Die Auswirkungen sind in zahlreichen Interrupted Time-Series-Studien untersucht worden. Dort wurden Veränderungen in langjährigen Trends erfasst. Für Erwachsene konnte ein Rückgang von Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie Atemwegs­erkran­kungen dokumentiert werden. Die Notfalldienste verzeichnen weniger Einsätze.

Die Auswirkungen auf die Gesundheit von kleinen Kindern wurden bisher kaum unter­sucht. Das internationales Forscherteam um Jasper Been von der Universität Maastricht hat zu dieser Frage jetzt die Ergebnisse aus elf Studien ausgewertet, die die Kriterien der Cochrane Collaboration erfüllten. Die Studien wurden in Nordamerika und Europa durchgeführt und umfassen mehr als 2,5 Millionen Geburten sowie etwa 250.000 asthmabedingte Hospitalisierungen.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Rauchverbote die Zahl der Früh­geburten um 10,4 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,0 bis 18,8) gesenkt haben. Bei Krankenhausbehandlungen wegen Asthmaerkrankungen verzeichnen sie einen Rückgang um 10,1 Prozent (5,0 bus 15,2). Der Einfluss auf die Zahl der Kinder, die mit einem geringem Geburtsgewicht, war mit einem Rückgang um 1,7 Prozent (minus 1,6 bis 5,1 Prozent) dagegen nicht signifikant.

Die Ergebnisse sind für Sara Kalkhoran und Stanton Glantz vom Center for Tobacco Control Research and Education in San Francisco keine Überraschung. Allein die Reduktion der Asthmahospitalisierungsrate würde in den USA und Europa jährlich zu Einsparungen im Milliardenbereich führen, schreiben sie im Editorial. © rme/aerzteblatt.de

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