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Medizin

Grippe: Mutation während der Impfstoffherstellung erklärt schlechte Schutzwirkung

Freitag, 28. März 2014

dpa

Vancouver – Die Schutzwirkung der Grippe-Impfung ist im letzten Jahr vielerorts hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Den Grund vermuten kanadische Forscher in PLoS ONE (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0092153) in Mutationen im Saatvirus, die die Antigenität einer Impfstoffkomponente herabgesetzt haben. Das Problem könnte nach Recherchen von Nature auch den aktuellen Impfstoff betreffen.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) bestimmt jedes Jahr drei Impfstoffviren. Um sie in bebrüteten Hühnereiern vermehren zu können, ist ein Reassortment notwendig. Dabei werden die Gene der saisonalen Impfstoffviren mit den Genen eines älteren Influenza­virus gemischt, das gut an die Vermehrung in den Hühnerembryonen angepasst ist. In diesem ersten Produktionsschritt ist es 2012 möglicherweise bei einer der drei Kompo­nenten des Impfstoffs zu Mutationen gekommen, wie Danuta Skowronski von dem British Columbia Centre for Disease Control in Vancouver herausgefunden hat.

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Dem Team war aufgefallen, dass die Schutzwirkung der Komponente A/H3N2 nur 41 Prozent betrug. Da zwei Drittel aller Erkrankten mit diesem Virus infiziert waren, blieben viele Grippe-Impfungen in Kanada erfolglos. Ähnlich enttäuschend verlief die Grippe­impfung einer Fall-Kontroll-Studie in Eurosurveillance zufolge auch in Europa. Die Grippe-Saison 2012/3 wurde eine der schlimmsten der letzten Jahre mit einer hohen Zahl von Hospitalisierungen und Todesfällen auch bei Menschen, die an der Grippe-Impfung teilgenommen hatten.

Skowronski konnte hierfür zunächst keine Erklärung finden, da die bei den Patienten isolierten Wildtyp-Viren sich nicht von den von der WHO gelieferten Viren unterschieden. Erst die Untersuchung der durch das Reassortment entstandenen Viren brachte die Aufklärung. Sie unterschieden sich in drei Punktmutationen vom saisonalen Wildtyp des Influenzavirus B/H3N2. Dadurch änderte sich die Antigenität der Impfviren. Die gegen sie gebildeten Antikörper schützten nicht gegen die zirkulierenden Viren der saisonalen Grippe.

Laut einem Bericht in Nature soll das gleiche Problem bei der Herstellung des Impfstoffes für die aktuelle Grippesaison 2013/14 aufgetreten sein und auch der Impfstoff der nächsten Saison, den die WHO im letzten Monat festgelegt hat, könnte betroffen sein. Die WHO selbst hat sich zu dieser Frage nicht geäußert, zwei von Nature interviewte Experten waren jedoch verwundert.

Doris Bucher vom New York Medical College in Valhalla im US-Staat New York, die am Reassortment der Viren beteiligt ist, meinte, der Fehler hätte eigentlich bei späteren Kontrollen auffallen müssen. Michael Osterholm von Center for Infectious Disease Research and Policy der Universität Minneapolis äußerte die Vermutung, dass ähnliche Mutationen auch in der Vergangenheit aufgetreten sein könnten, da sich Grippe-Viren genetisch schnell verändern.

Skowronski sprach sich dafür aus, die Produktion von Impfstoffviren in Hühner­embryonen („eine Technologie der 1930er Jahre“) möglichst bald zugunsten modernerer Verfahren zu verlassen. © rme/aerzteblatt.de

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