NewsÄrzteschaftIm Jahr 2020 voraussichtlich 100.000 Dialysepatienten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Im Jahr 2020 voraussichtlich 100.000 Dialysepatienten

Montag, 31. März 2014

dpa

Berlin – Die Zahl der Dialysepatienten wird bis 2020 voraussichtlich um 2,7 Prozent pro Jahr steigen und dann die 100.000er Marke erreichen. Zugleich wird in diesem Zeitraum altersbedingt bundesweit fast jeder zwölfte niedergelassene Nephrologe fehlen, weil Nachwuchs ausbleibt. Das ergibt eine Studie des Iges-Instituts zur Zukunft der Dialyse. In Auftrag gegeben hatte sie das Medizintechnik- und Arzneimittelunternehmen Baxter Deutschland.

Das Institut hat den künftigen Dialysebedarf mit epidemiologischen Daten statistisch modelliert. Die ansteigenden Patientenzahlen um 20 Prozent bis 2020 haben laut der Studie vor allem drei Ursachen: die weiter zunehmenden, gefäßschädigenden Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck, eine Zunahme jüngerer Patienten und die Erfolge in der Nierenersatztherapie, was beides zu einer längeren Lebensphase mit Dialyse führt.

Anzeige

Erschwert wird die künftige Dialyseversorgung laut Iges, weil der prognostizierte Rückgang ambulant tätiger Nephrologen deutschlandweit um acht Prozent voraussichtlich regional sehr verschieden ausfallen wird. „Damit wir trotz des beträchtlichen Anstiegs an Dialysepatienten und zurückgehenden Facharztzahlen weiterhin eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung haben, muss das ambulante Dialyseangebot besser verteilt und vielfältiger werden“, kommentierte Hans-Holger Bleß, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am Iges-Institut die Studienergebnisse.

Heimdialyseverfahren kommen zu selten zum Einsatz
Im Augenblick kämen sogenannte Heimdialyseverfahren zu selten zum Einsatz, kritisierte er. Nur fünf Prozent der ständig dialysepflichtigen Patienten nutzten sie, obwohl sie für rund ein Drittel der Betroffenen in Frage kämen. „Der stärkere Einsatz der Heimdialyse trägt entscheidend dazu bei, den künftigen Versorgungsbedarf bei der künstlichen Blutwäsche zu decken“, sagte Bleß.

„Deutschland ist im Vergleich zu den internationalen Verteilungen stark auf die Hämodia­lyse in Dialysezentren ausgerichtet. Es fehlen häufig Wissen und Ausbildungsvorgaben zur Peritonealdialyse sowie zu Heimdialyseverfahren“, erläuterte Mark Dominik Alscher, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Er forderte, die gesund­heitliche und individuelle Situation der Patienten sollten die Wahl des Dialyseverfahrens stärker bestimmen und nicht die strukturellen Gegebenheiten der vorhanden Angebote.

Mehr Unterstützung für die Patienten fordert der Bundesverband Niere e.V. „Betroffene benötigen ein möglichst frühzeitig einsetzendes und dauerhaftes Unterstützungs­management, um länger und besser mit der Dialyse zu leben“, sagte Peter Gilmer, Vorsitzender des Bundesverbandes Niere.

Laut der Studie ist ein ganzer Maßnahmenkatalog nötig, um die Patienten künftig angemessen zu versorgen. Dazu gehören Mindestmengen an verschiedenen Dialyse­verfahren im Rahmen der Qualitätssicherung, eine bessere Ausbildung der Ärzte in der Peritonealdialyse und eine bewusste Nachwuchsförderung für Nephrologen. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER