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Politik

Verschreibung von ADHS-Medikamenten leicht gesunken

Dienstag, 1. April 2014

Bonn – Bei der Verschreibung von Medikamenten gegen die Aufmerksamkeits­defizit-/Hyperaktivitäts­störung (ADHS) zeichnet sich eine Trendwende ab: Erstmals seit 20 Jahren ist der Verbrauch des zur Behandlung von ADHS zugelassenen Wirkstoffes Methylphenidat leicht gesunken, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArM) am Dienstag in Bonn mitteilte. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 1.803 Kilogramm des ADHS-Wirkstoffes, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, verbraucht. Das waren zwei Prozent weniger als im Vorjahr. In den zehn Jahren zuvor hatte sich der Verbrauch noch verdreifacht. Neueste Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigen, dass immer weniger Kinder Ritalin bekommen.  

„Von einer echten Abwärtstendenz können wir derzeit sicherlich noch nicht sprechen“, schränkte BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger ein. Gleichwohl sei der erstmalige leichte Rückgang ein „positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet“.

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Daten der Krankenkasse TK weisen ebenfalls auf ein Umdenken bei der ADHS-Therapie hin. Zwischen 2009 und 2012 ist demnach die Zahl der Kinder zwischen sechs und 17 Jahren, die Medikamente gegen ADHS bekommen haben, bundesweit um gut 3,4 Prozent gesunken. Zuvor hatte es zwischen 2006 und 2009 noch einen Anstieg um 32 Prozent gegeben.

„Offenbar ist die Vorsicht bei einer medikamentösen Behandlung von ADHS gewachsen”, erklärte TK-Expertin Edda Würdemann. Lediglich in Nordrhein-Westfalen gab es zwischen 2009 und 2012 entgegen dem Trend einen Anstieg bei den Verschreibungen um 4,6 Prozent.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Bislang gibt es keine eindeutige Erklärung dafür. Die Hauptursache wird in der Verän­derungen der Funktionsweise des Gehirns vermutet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass neben genetischen Faktoren zum Beispiel auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Schätzungen zufolge sind rund 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen, Jungen dabei drei- bis viermal so häufig wie Mädchen.  

Seit den 1990er Jahren waren die Verordnungen von Arzneimitteln gegen das soge­nannte Zappelphilipp-Syndrom steil nach oben gegangen. Im Zusammenhang mit ADHS-Medikamenten wurden allerdings Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Wachstumsstörungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden bekannt. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Kassen hatte deshalb 2010 die Verordnung der Mittel eingeschränkt. © afp/aerzteblatt.de

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