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Medizin

Extremdiät verlängert Leben von Affen (doch)

Mittwoch, 2. April 2014

Madison – Eine Extremdiät, die die tägliche Kalorienzufuhr um 30 Prozent einschränkt, hat in einer US-Langzeitstudie die Sterblichkeit von Rhesusaffen signifikant gesenkt. Die in Nature Communications (2014; doi: 10.1038/ncomms4557) vorgestellten Ergebnisse widersprechen den Erfahrungen aus einer anderen Langzeitstudie, die zuletzt keine sicheren Auswirkungen auf die Lebenszeit nachweisen konnte.

Das Wisconsin National Primate Research Center in Madison hat 1989 begonnen, eine Gruppe von Rhesus-Affen auf eine lebenslange Diät zu setzen. Die Tiere wurden ab dem Alter von 7 bis 14 Jahren allmählich an eine Kost gewöhnt, die 30 Prozent weniger Kalorien enthält, als sie vorher gewohnt waren.

Zwei Jahrzehnte später stellte das Team um Richard Weindruch in Science (2009; 325: 201-204) ihre ersten Ergebnisse vor: Die Extremdiät hatte die Tiere nicht nur besser vor Diabeteserkrankungen, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer Hirnatrophie geschützt als die normale Kost in einer Vergleichsgruppe. Die Tiere überlebten auch länger.

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Drei Jahre später konnte Rafael de Cabo vom National Institute of Aging in Baltimore die Ergebnisse nicht bestätigen. Sein Team hält ebenfalls Rhesusaffen seit zwei Jahrzehnten unter einer Restriktionsdiät. Sie verbesserte den Gesundheitszustand der Tiere und senkte das Erkrankungsrisiko, doch ein Einfluss auf die Überlebenszeit war in der letzten Publikation in Nature (2012; 489: 318-321) nicht erkennbar.

Jetzt kontert die Versuchsgruppe aus Madison. Nach nunmehr 25 Jahren habe die Hungerdiät die Überlebenswahrscheinlichkeit um den Faktor 2,9 (95-Prozent-Konfidenz­intervall 1,34-6,25) erhöht, schreiben sie. Konkret haben die 38 Tiere, die auf eine Restriktionsdiät gesetzt waren, eine Lebenserwartung von median 28,3 Jahren, während es bei den 38 Tieren der Kontrollgruppe 25,9 Jahre waren, ein Vorteil von fast zweiein­halb Jahren als Gegenwert für ein entbehrungsreiches Leben: Hochgerechnet auf die Lebenserwartung des Menschen könnte der Vorteil aber siebeneinhalb Jahre betragen.

Das Team um Rozalyn Anderson ist überzeugt, dass die lebensverlängernde Wirkung, die in früheren Experimenten für Fruchtfliegen, Hefen und Nagetiere belegt wurde, auch für den Menschen gelten könnte, auch wenn sie nicht zur Nachahmung raten. Nur sehr wenige Menschen würden es ihrer Ansicht nach schaffen, auf Dauer die Kalorienzufuhr um 30 Prozent zu senken.

Das Ziel der Studie sei die Erforschung der Wirkungsmechanismen gewesen, wobei die Forscherin den (Typ 2-)Diabetes in den Mittelpunkt rückt. Sie definiert die Erkrankung als die Unfähigkeit des Körpers, angemessen auf die Zufuhr von Nährstoffen zu reagieren. Die Diabetesfolgen auf Fettgewebe, Muskulatur, Blutgefäße und das Gehirn könnten ihrer Ansicht nach den Überlebensvorteil der Diät erklären.

Dass die mit 120 Tieren größere Studie des National Institute of Aging keinen Vorteil erkennen konnte, führt Anderson auf die Ernährung in der Kontrollgruppe zurück. Dort durften die Tiere keineswegs so viel essen wie sie wollten. Die Kalorienmenge habe den Empfehlungen von Ernährungsexperten entsprochen, während die Tiere der Kontroll­gruppe in Wisconsin die Kost des Durchschnittsamerikaners erhalten hätten. Die Folge war eine erhöhte Rate von Prädiabetes, Diabetes und dem Metabolischen Syndrom, wie sie auch in der US-Bevölkerung gesehen werde. © rme/aerzteblatt.de

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