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Medizin

Bluttransfusionen erhöhen Infektionsrisiko

Mittwoch, 2. April 2014

dpa

Ann Arbor – Eine großzügige Indikationsstellung kann bei Bluttransfusionen das Infektionsrisiko für den Patienten erhöhen. Dies zeigen die Ergebnisse randomisierter klinischer Studien, die in einer Meta-Analyse im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 311: 1317-1326) zusammengefasst wurden. Eine Leukoreduktion scheint das Infektionsrisiko nicht zu vermindern.

Die Entscheidung zur Bluttransfusion orientiert sich in aller Regel am Hämoglobin (Hb). Für viele Kliniken ist ein Abfall auf unter 10 g/dl ein Grund, den Sauerstofftransport im Blut durch eine Bluttransfusion zu verbessern. Bei einer restriktiveren Handhabung warten die Ärzte, bis der Hb-Wert auf unter 8 abgefallen ist. Diese zurückhaltende Haltung spart nicht nur die knappen Blutressourcen, sie schützt die Patienten auch vor möglichen Nachteilen, die mit dem plötzlichen Auftreten von fremden Blutzellen verbunden sind.

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Bluttransfusion eine Herausforderung für das Immunsystem
Selbst bei völliger Übereinstimmung aller Blutgruppeneigenschaften bleibt eine Bluttransfusion eine Herausforderung für das Immunsystem. Es kommt zu einer Reaktion, die Hämatologen als „transfusion-associated immunomodulation“ oder TRIM bezeichnen und die mit einer Schwächung der Immunabwehr einhergeht. Das Phänomen wurde zuerst in den 1970er-Jahren nach Nierentransplantationen beobachtet. Bei Patienten, die zuvor Blutkonserven erhalten hatten, kam es seltener zu Abstoßungsreaktionen.

Bei Organtransplantationen mag dies von Vorteil sein, andere Patienten gefährdet es, da die Immunschwäche das Infektionsrisiko erhöht. Genau dies konnten Jeffrey Rohde von der Universität von Michigan in Ann Arbor und Mitarbeiter in ihrer Meta-Analyse aus 21 randomisierten klinischen Studien mit 8.735 Teilnehmern nachweisen: Nach einer liberalen Indikationsstellung kam es bei 16,9 Prozent der Patienten zu schweren Infektionen wie Pneumonie, Mediastinitis, Wundinfektionen oder Sepsis.

Nach einer restriktiven Indikationsstellung war dies nur bei 11,8 Prozent der Patienten der Fall. Das ergibt eine Risikorate von 0,82, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,72 bis 0,95 statistisch signifikant ausfiel. Die Number Needed to Treat betrug 38. Auf diese Anzahl von Patienten käme einer, dem durch die restriktive Indikationsstellung eine schwere Infektion erspart blieb.

Immunologen führen das TRIM-Phänomen auf die Freisetzung von Zytokinen aus den Leukozyten des Spenderbluts zurück. Die Entfernung dieser Zellen, die Leukozytenreduktion, gilt deshalb als probates Gegenmittel. Die Daten von Rohde können dies nicht bestätigten. Trotz Leukozytenreduktion blieb die restriktive Indikationsstellung weiterhin mit einer signifikanten Reduktion der Infektionsrate verbunden: Risikorate 0,80 (0,67-0,95).

Großer Unterschied bei Patienten, die einen Gelenkersatz bekamen
Besonders groß war der Unterschied bei Patienten, bei denen ein Gelenkersatz vorgesehen war, hier betrug die Risikorate 0,70 (0,54-0,91), sowie bei Patienten mit Sepsis. Hier kann eine restriktive Indikationsstellung das Risiko von schweren Infektionen beinahe halbieren: Risikorate 0,51 (0,28-0,95).

Das Risiko einer Infektion muss bei jedem Patienten abgewogen werden mit den Gefahren, die sich bei einem Verzicht aus dem Sauerstoffmangel ergeben, meint Jeffrey Carson von der Robert Wood Johnson Medical School in New Brunswick/New Jersey. Diese Frage stellt sich insbesondere bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren, bei denen der Abfall des Hb-Werts das Risiko auf einen intraoperativen Herzinfarkt erhöht. Die Entscheidung für oder gegen eine Bluttransfusion sollte nach Ansicht des Editorialisten nicht allein vom möglicherweise erhöhten Infektionsrisiko abhängig gemacht werden. © rme/aerzteblatt.de

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