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Medizin

Koloskopie: Weniger Intervalltumore bei hoher Adenom-Nachweisrate

Donnerstag, 3. April 2014

Oakland – Der Anteil der Koloskopien, bei denen ein Arzt mindestens ein Adenom findet, ist als Indikator für die Qualität der Vorsorgeuntersuchung in der Diskussion. Eine Studie im New England Journal of Medicine (2014; 370: 1298-1306) zeigt, dass mit abneh­mender „Adenoma Detection Rate“ des Arztes das Risiko des Patienten auf einen Intervalltumor steigt.

Die Untersuchung umfasst 136 Gastroenterologen, die für die Health Maintenance Organization (HMO) Kaiser Permanente in Kalifornien tätig sind, und zu Beginn der Studie über eine Berufserfahrung von mehr als 300 Koloskopien verfügten. Die Ärzte führten 314.872 Darmspiegelungen durch. Ihre „Adenoma Detection Rate“ (ADR) variierte zwischen 7,4 und 52,5 Prozent.

Douglas Corley vom Forschungszentrum der HMO in Oakland teilte die Ärzte nach der ADR in fünf gleich große Gruppen ein und suchte dann in den Akten der HMO nach Darmkrebserkrankungen in den nächsten zehn Jahren. Dabei kam heraus, dass die Intervalltumore nur halb so häufig auftraten, wenn die Untersuchung von Ärzten im Quintil mit der höchsten ADR durchgeführt wurden im Vergleich zum Quintil mit der niedrigsten ADR.

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Die adjustierte Hazard Ratio betrug 0,52 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,39 bis 0,69 signifikant. Für ein fortgeschrittenes Karzinom betrug die Hazard Ratio 0,43 (0,29-0,64) und für tödliche Intervalltumore sogar 0,38 (0,22-0,65). Corley ermittelte eine nahezu lineare Abhängigkeit: Jeder Anstieg der ADR um 1 Prozent war mit einer Abnahme des Krebsrisikos um 3 Prozent verbunden (Hazard Ratio 0,97; 0,96-0,98). Dieser Befund unterstreicht laut Corley, dass die ADR tatsächlich ein Qualitätsmarker ist.

Der Anteil der Intervalltumore an allen entdeckten kolorektalen Karzinomen betrug 8,2 Prozent. Das absolute Risiko für den Patienten, durch eine nicht sorgfältig durchgeführte Koloskopie einen Intervalltumor zu erleiden, ist gering. Im Quintil mit der niedrigsten, sprich schlechtesten ADR kamen auf 10.000 Personenjahre 9,8 Intervalltumore.

Im Quintil mit der höchsten, sprich besten ADR waren es 4,8 Intervalltumore auf 10.000 Personenjahre. NEJM Journal Watch spricht von einer „wegweisenden Studie“. Die ADR könnte zu einem häufig nachgefragten Qualitätsmarker für die Sorgfalt des kolosko­pierenden Arztes werden. © rme/aerzteblatt.de

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