NewsPolitikHochschulambulanzen: Universitätsklinika fordern zügige Reform
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hochschulambulanzen: Universitätsklinika fordern zügige Reform

Donnerstag, 3. April 2014

Berlin – Als „unhaltbar“ und „unangemessen“ kritisierte heute die Deutsche Hochschul­medizin auf ihrem diesjährigen Frühjahrsforum in Berlin die aktuelle Vergütungssituation der Hochschulambulanzen und forderte zügig eine Reform. Diese müsse bundesweit eine kostendeckende Finanzierung sichern. Dabei verwies sie auf den  Koalitionsvertrag der Großen Koalition, die  das Thema „Hochschulambulanzen“ auf die Reformagenda gesetzt und angekündigt hatte,  „Leistungen der Hochschulambulanzen künftig angemessen zu vergüten“.

Die Ambulanzen erfüllten wichtige Aufgaben für das gesamte Gesundheitswesen, betonte Ralf Heyder, Generalsekretär des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD). Sie böten ein besonderes Know how, forschungsnahe ambulante Diagnostik und Therapie auf hohem Niveau sowie den Einsatz von Innovationen. Zudem erhielten in den universitären Ambulanzen häufig Patienten Hilfe, die sie an anderer Stelle im Gesund­heits­system nicht finden würden, beispielsweise bei Seltenen Erkrankungen.

Ausbildung von Medizinstudierenden auf ambulante Patienten angewiesen
Gleichzeitig seien die Ausbildung von Medizinstudierenden und die klinische Forschung auf ambulante Patienten angewiesen. „Eine Beschränkung der Leistungen und der Fallzahlen auf den Bedarf für Forschung und Lehre geht jedoch an der Realität vorbei“, erklärte Heyder. Die Hochschulambulanzen leisteten einen erheblichen Beitrag zur Sicherstellung  der ambulanten Versorgung. „Dabei sind sie seit Jahren unterfinanziert. Das trägt in erheblichem Umfang zur aktuellen Finanzierungsmisere der Universitäts­medizin bei“, kritisierte der VUD-Vertreter.

Anzeige

Die Hochschulmedizin fordert deshalb eine Regelung für die Hochschulambulanzen, mit der das gesamte Versorgungspektrum abgebildet werden könne. Eine solche Regelung sei eine Gestaltungschance der Versorgung an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär, sagte Heyder. Eine Vergütung über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) oder den § 116b, der einen “Dritten Sektor“ abbildet, halte der VUD jedoch für ungeeignet.  

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürwortet hingegen eine Integration der Leistungen der Hochschulambulanzen in den §116b – sofern es sich um Leistungen des ergänzenden Leistungsspektrums handele. Für gleichzeitig erbrachte Leistungen der Regelversorgung  sei eine Bedarfsprüfung durch den Zulassungsausschuss nötig sowie gegebenenfalls eine Anrechnung auf die Bedarfsplanung, erklärte KBV-Vorstand Regina Feldmann.

 „Studierenden sollte auch die Regelversorgung in den Ambulanzen nahe gebracht werden“, sagte sie. Um die Versorgungsrealität auch in der Ausbildung widerzuspiegeln, sollten nach ihrer Ansicht vermehrt Kooperationen zu Praxen und niedergelassenen Kollegen aufgebaut werden.

Für Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand das AOK-Bundesverbandes, haben Hochschulambulanzen für den „ambulanten Kompetenzgewinn im Studium“ nur untergeordnete Bedeutung. Sie bildeten die Versorgungsrealität nicht ab, da man dort auf Patienten mit einem höheren Schwierigkeitsgrad der Versorgung treffe, sagte er beim Frühjahrsforum. Denkbar wäre für ihn deshalb auch eine Finanzierung der Hochschul­ambulanzen über einen geplanten Innovationsfonds. 

Generell sieht Deh allerdings in Deutschland einen Nachholbedarf bei der „Ambulan­tisierung der Medizin“. Hier sei noch „Dynamik“ zu erwarten. Die Hochschulambulanzen könnten nach seiner Ansicht diesbezüglich eine Vorreiterrolle  übernehmen. „Die AOK sieht deutlich den Bedarf und steht als Partner bereit“, sagte er. © ER/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Oktober 2019
Bremen – Ängste vor rechtlichen Konsequenzen beeinflussen die Entscheidung, Pflegeheimbewohner in ein Krankenhaus einzuliefern. Das geht aus der Untersuchung „Hospitalisierung und Notaufnahmebesuche
Automatismus sorgt für Einlieferung vieler Pflegeheimbewohner in Notaufnahmen
9. Oktober 2019
Augsburg – Krankenhäuser, Ärzte und die Opposition haben erneut die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) verordneten Mindestvorgaben zum Pflegepersonal kritisiert und vor Problemen bei
Kritik an Spahns Mindestvorgaben zu Pflege und Intensivmedizin
7. Oktober 2019
Augsburg – Bayerns jüngste Medizinfakultät startet mit einem landesweit einmaligen Modellstudiengang in den Lehrbetrieb. Die Augsburger Fakultät biete einen Studiengang an, der vorklinische und
Neue Medizinfakultät startet mit Modellstudiengang
23. September 2019
Potsdam – Scharfe Kritik an den Plänen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) zur Reform der Notfallversorgung kommt aus Brandenburg: Die geplante Reform sei „eine Gefahr für die im Land Brandenburg
KV Brandenburg gegen Spahns Reformpläne für die Notfallversorgung
20. September 2019
München – Die Krankenhäuser in München haben sich teils mit Notfallübungen und mehr Personal auf das morgen beginnende Oktoberfest vorbereitet. Das nahe gelegene Rotkreuzklinikum stockt nicht nur
Münchner Krankenhäuser auf Oktoberfest vorbereitet
19. September 2019
Düsseldorf – Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) hat sich gegen die Pläne der Bundesregierung gestellt, den Sicherstellungsauftrag für den Not- und Bereitschaftsdienst möglicherweise auf
KV Nordrhein moniert geplantes Gesetz für die Notfallversorgung
18. September 2019
Merseburg – Der Deutsche Landkreistag hat vehemente Kritik an der von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) geplanten Reform der Notfallversorgung geäußert. Der Präsident des Landkreistages,
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER