NewsMedizinPsychische Anamnese kommt vor Rückenoperationen oft zu kurz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Psychische Anamnese kommt vor Rückenoperationen oft zu kurz

Montag, 7. April 2014

Baltimore – Laut einer Online-Umfrage von Forschern der Johns Hopkins University veranlassen in den USA nur etwa ein Drittel aller Unfall- und Neurochirurgen eine psychische Anamnese vor schweren Rückenoperationen. Richard Skolasky und seine Arbeitsgruppe befürchten daher, dass Patienten mit somatoformen Störungen häufig irrtümlich operiert werden. Sie veröffentlichten entsprechende Ergebnisse im Journal of Spinal Disorders and Techniques (doi:10.1097/BSD.0b013e31827d7a92).

Ein Großteil der Rückenschmerzen sind unspezifisch und nicht hinreichend durch organische Befunde erklärbar. Die Ursachen reichen von Fehl- und Überbelastungen bis hin zu psychischen Faktoren, welche die Schmerzen verursachen. Die North American Spine Society Guidelines, empfehlen vor einer Rückenoperation einen Presurgical Psychological Screening Test (PPS) durchzuführen, der psychologische Ursachen für die Schmerzen ausschließen soll.

Anzeige

Die Forscher sendeten zwischen Dezember 2010 und Januar 2011 340 lizensierten Wirbelsäulenchirurgen eine 20 Minuten dauernde Online-Befragung zu. Die Befragung erfasste neben dem Nutzungsgrad des PPS auch die fachlichen Qualifikation der Ärzte, die Berufserfahrung, ob sie an einer Uniklinik arbeiten sowie die behandelte Patienten­zahl pro Jahr. Die Hälfte der Befragten hatte mehr als 15 Jahre Berufserfahrungen und eine weitere Hälfte war an Universitätskliniken tätig.

Von den 110 Antwortenden nutzten 41 (37 Prozent) den PPS um mögliche Depressionen oder Angststörungen im Vorfeld der Operationen auszuschließen. Besonders wenig wurde der Test von Ärzten an Unikliniken, mit weniger als 15 Jahren Berufserfahrungen oder niedrigen Behandlungszahlen (<200) pro Jahr angewendet.

Überraschend war für die Forscher, dass Kliniker an Universitätskrankenhäusern den Test seltener nutzten. Die Möglichkeit für eine spezialisierte psychologische Versorgung sei hier eher gegeben als an kleineren Krankenhäusern, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. September 2020
Berlin – Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 100.000 Menschen nach einer Operation im Krankenhaus. Viele dieser Todesfälle wären durch eine Operation in einer Klinik mit mehr Erfahrung vermeidbar.
Barmer-Report: Operationen in Kliniken mit viel Erfahrung reduzieren Komplikationen
15. September 2020
Berlin – Die Coronapandemie hat die Versorgung bestimmter Patientengruppen einbrechen lassen. Bevor die Fallzahlen im Herbst möglicherweise wieder ansteigen, müsse eine Lösung für dieses strukturelle
Coronapandemie legt Schwachstellen bei Patientensicherheit offen
31. August 2020
Berlin – Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie in Deutschland haben sich weniger Menschen mit bestimmten schweren Krankheiten als Notfall ins Krankenhaus einweisen lassen. So kamen beispielsweise im
Coronapandemie: Weniger Klinikbehandlungen wegen schwerer Krankheiten
28. Juli 2020
Potsdam – Krankenhäuser in Brandenburg kehren nach und nach in den Normalbetrieb zurück. Eine Auslastung wie vor der Coronapandemie herrscht aber weitgehend noch nicht. Derzeit liegt die Auslastung
Noch kein Normalbetrieb in Brandenburgs Krankenhäusern
27. Juli 2020
Berlin – Die niedergelassenen Ärzte haben in der Coronakrise ihre Leistungsbereitschaft und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Das hat heute Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der
COVID-19: Ambulanter Schutzwall hat funktioniert
29. Juni 2020
Berlin – Während der Lockdownphase im März und April 2020 sind die Krankenhausfallzahlen um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Das geht aus einer Analyse des Wissenschaftlichen
Krankenhausfallzahlen im März und April zurückgegangen
29. April 2020
Köln – Zwischen dem 16. März dieses Jahres und dem 4. Mai haben die Kliniken in Deutschland die planbaren Operationen von rund 1,6 Millionen Patienten wegen der Coronapandemie verschoben. Auf diese
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER