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Medizin

PICS: Depressionen nach Intensivtherapie häufig

Montag, 7. April 2014

Nashville – Ein Drittel aller Patienten, die dank intensivmedizinischer Behandlungen ein schweres Atem- oder Kreislaufversagen überlebten, litten in einer prospektiven Kohortenstudie in Lancet Respiratory Medicine (2014; doi: 10.1016/S2213-2600(14)70051-7) Monate später an einer Depression, die sich vor allem in körperlichen Symptomen manifestierte.

Etwa 80 Prozent aller Menschen, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen, überleben heute. Viele leiden jedoch in den Wochen und Monaten danach unter psychischen Störungen, die als „post-intensive care syndrome“ oder PICS bezeichnet werden. Die Störungen scheinen besonders häufig bei Patienten aufzutreten, die wegen eines Atemversagens oder eines Schockzustands mit dem Tod gerungen haben.

Der Psychologe James Jackson vom Vanderbilt University Medical Center Nashville, konnte eine Gruppe von 821 Patienten während ihres Aufenthaltes auf der Intensiv­station untersuchen. Die Überlebenden wurden drei Monate und ein Jahr später erneut psychiatrisch begutachtet.

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Alle Patienten waren lebensgefährlich erkrankt. Neun von zehn wurden auf der Intensivstation beatmet, sieben von zehn hatten eine schwere Sepsis. Während des Aufenthaltes auf der Intensivstation hatten 75 Prozent der Patienten, die Jackson später erneut untersuchen konnte, ein Delirium, 57 Prozent lagen tagelang im Koma.

Als Jackson 406 Überlebende drei Monate später untersuchte, diagnostizierte er bei 149 (37 Prozent) mindestens eine leichte Depression. Sie war bei der zweiten Untersuchung 12 Monate nach der Entlassung aus der Intensivstation noch immer bei 116 von 347 überlebenden Patienten (33 Prozent) nachweisbar (die meisten der übrigen Patienten waren in der Zwischenzeit verstorben).

Die meisten Patienten klagten allerdings nicht über kognitive oder affektive Symptome. Es bestanden vielmehr somatische Beschwerden wie körperliche Schwäche, Änderung des Appetits und Abgeschlagenheit, die Jackson allerdings als Symptome einer Depression deutet.

Die Folgen der Depression waren deutlich: Viele Patienten waren nicht mehr zu den grundlegenden Handlungen des täglichen Lebens in der Lage. Sie konnten nicht ohne Hilfe essen, sich selbst baden oder ohne Hilfestellung ankleiden. Auch „instrumentelle“ Aktivitäten wie der Umgang mit dem Geld, Reiseplanungen, das Erstellen komplexer Einkaufslisten oder Kochen nach Rezept waren ihnen nicht mehr möglich.

Die Einschränkungen waren Jackson zufolge schwerwiegender als bei einer leichten Demenz. Die Depressionen werden nach Erfahrungen von Hallie Prescott und Theodore Iwashyna, Ann Arbor, häufig nicht als solche erkannt und noch häufiger nicht behandelt. Die beiden Editorialisten befürchten zudem, dass die konventionelle pharmakologische Therapie bei den Patienten nicht anspricht. Sie raten den Ärzten, die einzelnen Symptome wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, körperliche Schwäche und Abgeschlagenheit einzeln zu therapieren. © rme/aerzteblatt.de

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