NewsMedizinKrebs: Test erkennt DNA solider Tumore im Blut
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Krebs: Test erkennt DNA solider Tumore im Blut

Montag, 7. April 2014

dpa

Stanford – US-Forscher haben eine Methode entwickelt, die bei soliden Tumoren DNA von Krebszellen im Blut aufspürt. Der in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3519) vorgestellte Test könnte im Prinzip zu Screening/Diagnose, Verlaufskontrolle und zur Früherkennung von Therapieresistenzen eingesetzt werden.

Der Nachweis bestimmter Tumormutationen gehört heute zur Routine der personali­sierten Krebstherapie. Dabei werden tumorspezifische Mutationen in einzelnen Genen des Primärtumors nachgewiesen. Die gleichen Veränderungen sind jedoch auch im Blut vorhanden, weil sich immer wieder Zellen vom Tumor lösen und ihr Inhalt ins Blut gelangt, darunter auch die DNA.

Anzeige

Ihr Anteil an der gesamten freien DNA im Blut ist zwar verschwindend gering. Auf ein mutiertes Tumor-Gen kommen vielleicht 10.000 unveränderte Gene des Körpers. Mit modernen Automaten zur Gensequenzierung lässt sich hier jedoch möglicherweise die Nadel im Heuhaufen finden.

Das Team um Maximilian Diehn und Ash Alizadeh vom Stanford University Medical Center in Palo Alto hat zur Entwicklung des Tests zunächst die Tumore von 407 Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) untersucht. Es konzentrierte sich dabei auf Gene, die nach den Erfahrungen von Datenbanken wie dem Cancer Genome Atlas beim NSCLC häufig mutiert sind.

Keines der 139 schließlich für den Test ausgewählten Gene war bei allen untersuchten Tumoren mutiert. Jeder Tumor enthielt jedoch mehrere einzelne Mutationen, die in gesunden Zellen normalerweise nicht auftreten. Um diese Mutationen im Blut gewisser­maßen in einem Meer von gleichartigen Genen nachzuweisen, ist jedoch eine mehrfache („deep“) Sequenzierung notwendig.

Um die Kosten in einem finanziellen Rahmen zu halten, wurden deshalb nicht die kompletten Gene analysiert, sondern nur die kurzen Abschnitte, sprich Oligonukleotide, mit den genetischen Veränderungen, zu denen neben Mutationen auch Deletionen, Insertionen oder Fusionen verschiedener Gene gehören.

Das Ergebnis war ein ultrasensitiver c, den die Forscher als „cancer personalized profiling by deep sequencing“ oder CAPP-Seq bezeichnen und in einer zweiten Gruppe von Patienten untersucht haben. Sie konnten bei allen Patienten mit NSCLC in den Stadien II-IV Tumor-DNA im Blut nachweisen. Bei Patienten im Stadium I gelang dies immerhin noch in jedem zweiten Fall. Der Test könnte sich deshalb zur Frühdiagnose, wenn nicht sogar zum Screening eignen (wobei diese Fragen wie auch die folgenden Ansätze noch in klinischen Studien zu klären wären).

Da der Test eine Mengenbestimmung ermöglicht, kommt er auch zur Verlaufs­beobachtung bei bekannter Krebserkrankung infrage. Diehn und Alizadeh berichten, dass die Konzentration der Tumor-DNA mit den Befunden in der Computer- und der Positronen-Emissionstomografie (CT/PET) korrelierten. Kleine Tumore geben wenig DNA ans Blut ab, bei großen Tumoren war die Konzentration in den Blutproben höher.

Der Tumor könnte nach einer Therapie residuale Tumorerkrankungen aufzeigen oder Rezidive frühzeitig entdecken. Bei einem Patienten, den die Ärzte bereits als geheilt eingestuft haben sollen, zeigte der Test weiter Tumor-DNA im Blut an. Dieser Patient erlitt nach Auskunft der Autoren später ein klinisches Rezidiv. Er sei inzwischen am Lungenkrebs gestorben.

Bei einem anderen Patienten wurden die Befunde der bildgebenden Verfahren durch einen negativen DNA-Bluttest als falsch-positiv erkannt. Der Patient blieb über den Verlauf der Studie ohne Rezidiv. Bei einem anderen Patienten erkannte der Bluttest frühzeitig eine Mutation im EGFR-Gen, die auf eine beginnende Resistenz gegen den Wirkstoff Erlotinib hindeutete.

Die Forscher wollen jetzt ähnliche Tests für andere Krebsformen entwickeln. Zu ihren Visionen zählt ein Screeningtest, der gleichzeitig zur Früherkennung mehrerer Krebserkrankungen eingesetzt werden könnte. Wie immer in der Grundlagenmedizin lässt sich im vorherein nicht abschätzen, was in der mühsamen klinischen Prüfung von diesen Ideen übrig bleibt. Auch die Kostenfrage dürfte trotz der gegenteiligen Beteuerungen der Autoren eine Rolle spielen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. November 2018
Würzburg – Zielgerichtete personalisierte Immuntherapien gegen Krebserkrankungen voranbringen soll ein Forschungsverbund namens „Quantitative Super-Resolution-Mikroskopie für die personalisierte
Neuer Forschungsverbund für personalisierte Immuntherapien bei Krebserkrankungen
6. November 2018
Berlin – Die personalisierte Medizin nicht nur in der Therapie einzusetzen, sondern auch in der Prävention entsprechende Konzepte zu nutzen, fordert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie,
Gastroenterologen fordern personalisierte Prävention
28. September 2018
New York – Diese Woche trafen sich im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York die Regierungen der Welt, um über Maßnahmen gegen nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) wie Diabetes, Krebs oder
Vereinte Nationen beraten über nichtübertragbare Krankheiten – ohne verbindliche Ziele zu benennen
7. September 2018
Tübingen – Oberflächenstrukturen von malignen Darmtumoren kartiert haben Wissenschaftler um Markus Löffler vom Universitätsklinikum Tübingen. Ziel war es, zu erkennen, wie sich Peptide an der
Oberflächenstrukturen maligner Darmtumoren kartiert
27. Juni 2018
Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe haben eine neue S3-Leitlinie Larynxkarzinom
S3-Leitlinie Kehlkopfkrebs zur Kommentierung freigegeben
12. März 2018
Essen – Differenzierte Therapien können Onkologen Krebspatienten auch dann anbieten, wenn der Primärtumor bei der Diagnose nicht bekannt ist (cancer of unknown primary, CUP). Ausschlaggebend für die
CUP-Syndrom: Kriterien liefern Therapiekonzepte
15. Dezember 2017
Lugano – Mit einem Positionspapier hat die (ESMO) auf die wachsende Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen von Krebspatienten und der tatsächlichen Anwendung patientenorientierter Pflege in der Praxis
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER