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Medizin

Mammakarzinom: Strahlentherapie erhöht Lungenkrebsrisiko dosisabhängig

Dienstag, 8. April 2014

dpa

Arrhus – Frauen mit Brustkrebs haben nach einer Strahlentherapie möglicherweise ein erhöhtes Risiko, an einem Lungenkrebs zu erkranken. Dies zeigt eine Untersuchung aus Dänemark, die auf einer Tagung der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO33) in Wien vorgestellt wurde.

Die Radiotherapie ist fester Bestandteil in der Behandlung des Mammakarzinoms. Studien haben gezeigt, dass sich das Risiko von Rezidiven verringert und die Überle­benschancen im Frühstadium der Erkrankung signifikant erhöhen, wenn die Brust nach der Operation bestrahlt wird. Die Bestrahlung lässt sich allerdings nur schwer auf die Brustdrüse beschränken.

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Die darunter liegende Lunge kann in das Strahlenfeld geraten und eine mögliche Folge ist ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Trine Grantzau von der Universität Aarhus hat in einer früheren Untersuchung die Daten von 23.627 Frauen ausgewertet, die zwischen 1982 und 2007 in Dänemark eine postoperative Strahlentherapie erhalten haben. Sie kam damals zu dem Ergebnis, dass eine von 200 Frauen nach der Strahlentherapie an einem Lungenkrebs erkrankt (Radiother Oncol. 2013; 106: 42-9).

Für die aktuelle Studie hat die Forscherin die Krankenakten der 151 an Lungenkrebs erkrankten Frauen analysiert und sie mit 443 Kontrollpersonen verglichen, die nach der Radiotherapie nicht am Lungenkrebs erkrankt sind. Die Tumoren traten zumeist fünf Jahre nach der Radiotherapie oder später auf. Eine Frau erkrankte erst 26 Jahre nach der Strahlentherapie an Lungenkrebs. Die Frauen mit Lungenkrebs waren zu 91 Prozent Raucherinnen, bei den Kontrollen betrug der Anteil nur 40 Prozent. Ein Teil der Erkran­kungen dürfte deshalb auf das Rauchen und nicht auf die Strahlentherapie zurück­zuführen sein.

Dass die Strahlentherapie aber ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte, zeigte der Vergleich der Strahlenexposition, die Grantzau für jede Lungenkrebspatientin und alle Kontrollen aus den Angaben in den Krankenakten rekonstruieren ließ. Bei den an Lungenkrebs erkrankten Frauen waren die Lungen im Durchschnitt mit 8,7 Gray exponiert worden, in der Kontrollgruppe der Frauen ohne Lungenkrebs waren es nur 5,6 Gray. Daraus leitet Grantzau ein leicht erhöhtes Risiko ab. Ihren Berechnungen zufolge erhöht sich das Lungenkrebsrisiko pro Gray Strahlenbelastung der Lunge um relativ 8,5 Prozent.

Dieses Risiko müsse natürlich zu den Vorteilen der Strahlentherapie in Beziehung gesetzt werden, die weitaus größer sind als die Gefahr, durch die Therapie an einem sekundären Lungenkrebs zu sterben, schreibt Grantzau. Auch die Gefahr, durch Rauchen an Lungenkrebs zu erkranken, sei vermutlich weitaus höher als infolge der Strahlentherapie. Ein gewisses Risiko sei jedoch vorhanden und es sollte nach Ansicht der Expertin die Strahlentherapeuten motivieren, die Organexposition ihrer Patientinnen so niedrig wie möglich zu halten. © rme/aerzteblatt.de

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