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Medizin

Lebensstress: Soziale Benachteiligung und Gene lassen Telomere frühzeitig schrumpfen

Dienstag, 8. April 2014

dpa

Princeton – Eine ungünstige soziale Umgebung führt bei Kindern bereits im Alter von 9 Jahren zu einer Verkürzung der Telomere, die als Marker für einen erhöhten Lebens­stress und eine frühzeitige biologische Alterung gelten. Dieser Effekt war in einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2014; doi: 10.1073/pnas.1404293111) nur bei Kindern mit einer genetischen Anfälligkeit für psychische Erkrankungen erkennbar.

Die Fragile Families and Child Wellbeing Study begleitete eine Kohorte von fast 5.000 Kindern, die zwischen 1998 und 2000 in US-Großstädten geboren wurden, viele davon in prekären sozialen Verhältnissen. So hatten drei Viertel der Kinder alleinerziehende Eltern. Im Alter von neun Jahren wurde bei den Kindern ein Mundabstrich entnommen, der auch Zellen enthält. Das Team um Daniel Notterman von der Universität Princeton ließ in den Proben von 40 Kindern die Länge der Telomere in den Zellkernen unter­suchen.

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Telomere sind die Polkappen der Chromosomen, die sich bei jeder Zellteilung verkürzen, bis keine geordnete Regeneration des Gewebes mehr möglich ist. Die Länge der Telomere gilt deshalb als Anzeichen für ein frühzeitiges Altern. Notterman stellte fest, dass die Telomere von sozial benachteiligten Kindern kürzer waren als bei Kindern aus stabilen familiären Verhältnissen.

Kennzeichen der sozialen Benachteiligung waren Armut, „schroffe“ Erziehungsmethoden, mentale Erkrankungen der Mütter oder instabile Familienverhältnisse, die in den zahlreichen Fragebögen der Studie erfasst worden sind. Eine gesunde Umgebung zeichnete sich dagegen durch stabile Familien mit „treusorgenden“ Eltern, einer guten Gesundheit der Mutter und günstigen sozioökonomischen Zahlen aus. Kinder von Müttern mit einer akademischen Ausbildung hatten beispielsweise um 35 Prozent längere Telomere als Mütter ohne Schulabschluss. Für stabile Familienverhältnisse betrug der Vorteil 40 Prozent.

Die sozialen Verhältnisse waren allerdings nicht der einzige Faktor, der sich auf die Länge der Telomere auswirkte. Die Forscher ließen die Speichelproben auch auf eine Reihe von genetischen Veränderungen im Dopamin- und Serotoninstoffwechsel hin untersuchen, die mit einer erhöhten Anfälligkeit auf psychiatrische Erkrankungen assoziiert sind: Bei beiden Stoffwechselwegen verkürzte sich die Telomerlänge mit der Zahl der genetischen Risikomerkmale.

Dies war allerdings nur bei den Kindern aus sozial prekären Verhältnissen der Fall. Bei Kindern mit vorteilhaftem sozialem Hintergrund hatten die genetischen Risiken keine Auswirkungen. Bei den Serotonin-Risikogenen deutete sich sogar eine günstige Auswirkung an. Kinder mit der höchsten genetischen Anfälligkeit hatten hier sogar die längsten Telomere. Die Studie ist laut Notterman eine der ersten, die die Wechselwirkung von sozialem Umfeld und Genen auf Lebensstress und biologisches Altern untersucht hat. © rme/aerzteblatt.de

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