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Psychiater: Medizinische Versorgung Demenzkranker verbessern

Mittwoch, 9. April 2014

dpa

Berlin – Die Versorgung von Demenzkranken gilt in Deutschland vorwiegend als pflege­rische Aufgabe. Dabei könnten demenziell erkrankte Menschen länger im häuslichen Umfeld leben, wenn sie eine bessere medizinische Versorgung erhalten würden. Diese Ansicht hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psycho­therapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Wolfgang Maier, heute im Vorfeld des 17. DGPPN-Hauptstadtsymposiums vertreten.

„Pflegerischer Bedarf ist oftmals die Folge der unzureichenden medizinischen Betreu­ung“, sagte Maier. Es sei jedoch schwer, Demenzkranke adäquat medizinisch zu versorgen, da sie ihrem Arzt ihre Probleme, zum Beispiel Schmerzen, nicht gut schildern könnten. Daher würden psychische und körperliche Begleiterkrankungen häufig nicht erkannt und behandelt. „Auf diese Weise entstehen vermeidbare Problemsituationen für die demenziell erkrankten Menschen, ihre Angehörigen und die Pflegenden“, so Maier.

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Zwei Drittel der Heimbewohner leiden an einer Demenz
„In Deutschland werden von den 2,5 Millionen Pflegebedürftigen 30 Prozent in Pflege­heimen versorgt“, erklärte Siegfried Weyerer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Etwa zwei Drittel dieser Heimbewohner litten dabei an einer Demenz, wie eine Studie aus dem Jahr 2009 gezeigt habe. „Legt man die in der Pflegedokumentation erfassten ärztlichen Demenzdiagnosen zugrunde, so ist die Prävalenz mit 37,7 Prozent wesentlich niedriger“, so Weyerer weiter. Da eine adäquate Therapie die hinreichende Diagnostik voraussetze, spiegele sich in diesen Zahlen eine defizitäre gerontopsychologische Versorgung der Heimbewohner wider.

Die hausärztliche Versorgung sei für Heimbewohner sowohl mit als auch ohne Demenz weitgehend gewährleistet, so Weyerer, da jeweils etwa 90 Prozent der Bewohner innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen einen persönlichen Kontakt zu einem Hausarzt hätten. Die Versorgung durch Fachärzte falle jedoch zuungunsten der Bewohner mit Demenz aus. Dies gelte für die zahnärztliche, augenärztliche sowie die Versorgung durch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. „Auch eine schmerztherapeutische Behandlung findet bei Demenzkranken weniger statt“, sagte Weyerer. Grund dafür sei unter anderem die mangelnde Kommunikationsfähigkeit dieser Patienten.  

Weyerer nannte verschiedene Maßnahmen, mit denen die Lebensqualität von Demenzkranken erhöht werden könne: eine Verbesserung der Behandlung mit Antidementiva, medikamentöse Interventionen bei nicht-kognitiven Symptomen wie Depressionen, Aggressionen oder Apathie sowie eine Verbesserung der fachärztlichen und gerontopsychiatrischen Versorgung einschließlich des Schmerzmanagements in Heimen. Gut wären aus seiner Sicht auch interdisziplinäre Fallkonferenzen in den Einrichtungen, an denen auch Ärzte teilnehmen.

Demenz behandeln, bevor sie ausbricht
„In den letzten Jahren haben wir sehr viel über die pathologischen Veränderungen im Gehirn infolge einer Demenz gelernt“, sagte Frank Jessen vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Darauf aufbauend seien Medikamente einer neuen Generation entwickelt worden, die jedoch die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hätten.

„Die Schlussfolgerung daraus war: Wenn ein Mensch das Stadium der Demenz erreicht hat, ist das Gehirn weitgehend irreversibel geschädigt“, so Jessen weiter. Deshalb werde nun an einem Konzept gearbeitet, mit dem eine medikamentöse Behandlung bereits vor einer Erkrankung beginne. In diesem Zusammenhang sollten Patienten mit einem erhöh­ten Risiko mit Hilfe von Biomarkern identifiziert und behandelt werden, bevor sie an Demenz erkranken. „Diese Studien laufen derzeit. Erste Ergebnisse werden wir in drei Jahren haben“, sagte Jessen.

Eine andere Entwicklung habe es im Bereich der Prävention gegeben. Entgegen der Erwartung sei die Anzahl der Erkrankten nicht in demselben Maße angestiegen, wie die Bevölkerung älter geworden sei. „Wir vermuten, dass das mit dem allgemein gesünderen Lebensstil zusammenhängt, den viele Menschen führen, um sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen“, sagte Jessen. Indirekt sei dadurch offenbar auch das Gehirn geschützt worden. © fos/aerzteblatt.de

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