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Medizin

Straßenverkehr: Gesunde Stressreaktion fördert Fahrpraxis

Mittwoch, 9. April 2014

dpa

Montreal – Der Schrecken, der Neulingen im Straßenverkehr bei Beinahe-Unfällen in die Glieder fährt, ist womöglich ein guter Fahrlehrer. In einer Studie in JAMA Pediatrics (2014; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.5387) waren Jugendliche, die in einem Stresstest mit einer hohen Ausschüttung von Cortisol reagierten, später am aufmerk­samsten und gewannen am schnellsten an Fahrpraxis.

In den USA dürfen Jugendliche in vielen Staaten bereits ab 16 Jahren ohne Begleitung einen PKW steuern. Die meisten geraten in den ersten Monaten öfter in brenzlige Situationen, wenn sie nicht gar verunglücken. Verkehrsunfälle sind weltweit im Alter von 15 bis 29 Jahren die häufigste Todesursache. Um den Ursachen nachzugehen, wurden im Rahmen der „Naturalistic Study of Teenage Drivers“ die Fahrzeuge von 42 Fahrnovizen unter anderem mit Beschleunigungssensoren ausgerüstet, die Beinahe-Unfälle oder auch Unfälle anhand plötzlicher Bremsbewegungen oder seitlicher Ausweichmanöver erkennen.

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Zu Beginn der Studie nahmen die Jugendlichen an einem Stresstest teil. Sie mussten fünfmal innerhalb von 60 bis 120 Sekunden eine möglichst große Anzahl von mathema­tischen Aufgaben lösen, wobei dem Sieger 60 Dollar Belohnung versprochen wurde. Dies führt zu einer Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Achsen und zu einer gesteigerten Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Diese Stressreaktion wurde in einem Speicheltest gemessen.

Marie Claude Ouimet von der University Sherbrooke bei Montreal und Mitarbeiter haben die Ergebnisse mit den Beinahe-Unfällen oder tatsächlichen Unfällen der Probanden in den nächsten 18 Monaten in Beziehung gesetzt. Die wenigsten brenzligen Situationen erlebten nicht etwa die Teenager, die im Stresstest „cool“ geblieben waren. Im Gegenteil: Die Jugendlichen mit der stärksten Hormonausschüttung im Stresstest erwiesen sich in den ersten Monaten als die sichersten Autofahrer und sie hatten in den folgenden Monaten den deutlichsten Rückgang der Beinahe-Unfälle oder Kollisionen.

Der Editorialist Dennis Durbin vom Center for Injury Research and Prevention in Philadelphia führt dies auf die positiven Auswirkungen der Stresshormone auf das Lernen zurück. Eine starke emotionale Reaktion fördere die Gedächtnisbildung und lege damit eine gute Basis für eine gute Fahrpraxis. Durbin glaubt allerdings nicht, dass Speicheltests in der Praxis genutzt werden könnten, um Jugendliche mit einer erhöhten Unfallneigung zu erkennen. © rme/aerzteblatt.de

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