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Medizin

AML: Neuer Wirkstoff stoppt Onko-Metaboliten

Mittwoch, 9. April 2014

New York – Der Glukoseabbau, für Tumorzellen die wichtigste Energiequelle, ist ein neuer Ansatzpunkt für die Krebstherapie. Ein von US-Forschern entwickelter Enzymblocker, der die Bildung eines Onko-Metaboliten im Zitratzyklus verhindern soll, erzielte in einer Phase-I-Studie bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) beachtliche Ergebnisse.

Der Energiehunger von Tumoren ist unersättlich. Die Krebszellen bevorzugen die Glykolyse und entziehen dem Rest des Körpers kompromisslos die Ressourcen mit der Folge von Gewichtsverlust und Kachexie. Die Ausnutzung der Energieträger ist denkbar ineffizient. Auf eine Verbrennung in den Mitochondrien verzichten viele Krebszellen großzügig. Dafür wird der Zitratzyklus gesteigert.

Dabei kommt es offenbar zu Mutationen, die eine Rückwirkung auf das Krebswachstum haben. Vor fünf Jahren entdeckten Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, dass Mutationen in den Enzymen Isocitrat-Dehydrogenase (IDH) 1 und 2 mit der gesteigerten Bildung von 2-Hydroxyglutaratein einhergehen. Dieser Metabolit soll eine krebsfördernden Wirkung haben. Die Forscher bezeichnen ihn als Onko-Metaboliten.

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Inzwischen haben die Wissenschaftler mit ihrer Spin-Off-Firma Agios einen Enzymblocker gegen IDH2 entwickelt. Er wird derzeit in einer klinischen Studie an Patienten mit AML getestet. Die erste Gruppe von zehn Patienten im Alter von durchschnittlich 62,5 Jahren wurde am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York mit einer relativ niedrigen Dosis von 30 und 50 mg zweimal täglich behandelt.

Die Ergebnisse scheinen recht vielversprechend zu sein. Wie der Mediziner Eytan Stein auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research (AACR) in San Diego berichtete, wurde das Medikament gut vertragen. Drei Todesfälle in der Gruppe seien auf Infektionen infolge der fortgeschrittenen Leukämie zurückzuführen.

Bei sechs der sieben übrigen Patienten kam es dem Mediziner zufolge zu einer Remission der AML, darunter waren drei komplette Remissionen, bei zwei weiteren Patienten sind die Leukämiezellen ebenfalls weitgehend verschwunden, die Throm­bozytenzahl habe sich aber noch nicht erholt.

Die Ergebnisse sind allerdings noch relativ frisch. Ob der Wirkstoff langfristig die Leukämiezellen zurückdrängen kann, ist derzeit noch unklar. Ein Patient konnte sich aufgrund der guten Ergebnisse jedoch einer Stammzelltherapie unterziehen, die eine Aussicht auf Heilung bietet. Bei den anderen soll die Behandlung  mit dem oral verfügbaren Wirkstoff bis auf weiteres fortgesetzt werden. Weitere Patienten sollen jetzt in höheren Dosierungen behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

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