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Medizin

Darmkrebs: Cetuximab bei resezierbaren Lebermetastasen ungünstig

Donnerstag, 10. April 2014

Southampton – Der Antikörper Cetuximab erzielt bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom, seinem Haupteinsatzgebiet, nicht immer die erhoffte Wirkung. Bei Patienten mit resezierbaren Lebermetastasen kam es in einer randomisierten Studie sogar zu einer Verkürzung des progressionsfreien Überlebens, wie die aus der Publikation in Lancet Oncology (2014; doi: 10.1016/S1470-2045(14)70105-6) hervorgeht.

Cetuximab ist als Erbitux zur Behandlung des metastasierten Kolorektalkarzinoms zugelassen, wenn die Tumorzellen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor exprimieren und der K-Ras-Wildtyp vorliegt. Cetuximab wird bei diesen Patienten zusätzlich zu einer Chemotherapie eingesetzt. Häufig ist dies das FOLFOX-Schema mit Oxaliplatin und Fluorouracil. In früheren Studie hat Cetuximab hier das progressionsfreie Überleben verlängert.

Das Team um John Primrose von der Universität Southampton ging davon aus, dass dies auch bei Patienten mit einzelnen Lebermetastasen der Fall ist, die als resezierbar ein­gestuft wurden und im Rahmen der Studie entfernt wurden. Alle 257 Patienten erhielten begleitend eine Chemotherapie nach dem FOLFOX-Schema. Bei der Hälfte wurde sie durch Infusionen mit Cetuximab ergänzt.

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Doch der erhoffte Nutzen von Cetuximab stellte sich nicht ein. Im Gegenteil: Das pro­gressionsfreie Überleben wurde deutlich von 20,5 auf 14,1 Monate verkürzt. Der Grund für den unerwarteten Ausgang ist laut Primrose unklar. Bei einer Hazard Ratio von 1,48 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,04 bis 2,12 sind die Ergebnisse jedoch eindeutig. Primrose rät deshalb vom Einsatz von Cetuximab bei Patienten mit resezier­baren Lebermetastasen ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass Cetuximab in einer klinischen Studie die Erwartungen enttäuschte. In der COIN-Studie konnte der Antikörper die Ergebnisse einer alleinigen Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom ebenfalls nicht verbessern.

Die dieser Tage in Lancet Oncology (2014; doi: 10.1016/S1470-2045(14)70106-8) veröffentlichten Ergebnisse der COIN-B-Studie deuten darauf hin, dass die zeitliche Abfolge der beiden Therapien von ausschlaggebender Bedeutung ist: Eine Verkürzung der Chemotherapie mit einer anschließenden Erhaltungstherapie mit Cetuximab erzielte in dieser Phase-II-Studie die beste Wirkung. Der Befund sollte nach Ansicht der Autoren jedoch durch weitere Studien überprüft werden.

Der Erfolg der Therapie mit Cetuximab hängt offenbar entscheidend von der Auswahl der Patienten ab. Dazu gehört die genaue Bestimmung der K-Ras-Mutationen. Die Subgruppenanalyse einer weiteren Phase 2-Studie (OPUS-Studie) hat jüngst ergeben, dass Mutationen außerhalb des K-Ras-Exon 2 negative Auswirkungen auf die Prognose haben können. Der Hersteller hat deshalb im Januar die Bestimmung des Ras-Wildtyp-Status (Exons 2, 3 und 4 von K-Ras und N-Ras) zu einer Voraussetzung für den Einsatz von Erbitux erklärt.

© rme/aerzteblatt.de

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