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Medizin

Gendefekt schützt vor (gewissen) Virusinfektionen

Donnerstag, 10. April 2014

Bethesda – Normalerweise führt ein Mangel an Immunglobulinen zu einer erhöhten Infektanfälligkeit. Nicht so bei zwei Kindern mit einem seltenen genetischen Immundefekt. Beide bleiben weitgehend vor Virusinfektionen der Kindheit verschont, was US-Forscher im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1302846) auf einen seltenen Gendefekt zurückführen.

Die meisten Kinder erkranken in den ersten Lebensjahren mehrmals jährlich an Atemwegserkrankungen, einige auch an Mittelohrentzündungen. Die Erreger sind in der Regel Viren. Der elfjährige Junge und seine sechsjährige Schwester, die Sergio Rosenzweig vom Undiagnosed Diseases Program vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda und Mitarbeiter vorstellen, blieben bisher weitgehend vor viralen Infekten verschont.

Beide hatten jedoch schwere bakterielle Infektionen durchgemacht. Der Junge war in jungen Jahren an einer Pneumokokkenpneumonie und an einer Osteomyelitis durch St. aureus erkrankt. Seine Schwester hatte eine eitrige Mittelohrentzündung und eine Harnwegsinfektion durchgemacht. Für die bakteriellen Infektionen gab es eine Erklärung. Die Kinder litten an einem Mangel an Antikörpern (Hypogammaglobulinämie), die sie vor Krankheitserregern schützen.

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Umso erstaunlicher war die Resistenz gegen Virusinfektionen, denen die Forscher deshalb auf den Grund gingen. Als Ursache konnten sie schließlich einen Defekt im MOGS-Gen ermitteln. Es kodiert das Enzym Mannosyl-Oligosaccharide Glukosidase (MOGS), das im Zellinneren Proteine mit Zuckerresten versieht. Die Erkrankung gehört zum „congenital disorders of glycosylation type IIb“ oder CDG-IIb.

Eine Folge der defekten Glykosylierung waren instabile Immunglobuline. Deren kurze Halbwertzeit war für die Hypogammaglobulinämie verantwortlich und vermutlich auch für den verminderten Schutz vor bakteriellen Erregern. Den verbesserten Schutz vor gewissen Virusinfektionen führen die Autoren ebenfalls auf die defekte Glykosylierung zurück.

Einige Viren, darunter das Influenzavirus aber auch HIV, besitzen eine Hülle mit Glykoproteinen, die sie sich bei der Replikation beschaffen. Wenn dies nicht gelingt, etwa weil das MOGS-Gen defekt ist, werden weniger widerstandsfähige Viren gebildet, was Rosenzweig an Zellkulturen auch zeigen kann.

Andere Viren sind nicht auf die Glykosylierung angewiesen oder sie haben gar keine Hülle. Dazu gehören das Adenovirus, das Poliovirus und das Vaccinia-Virus. Diese drei Viren zeigten denn auch in den Laborversuchen eine normale Replikation, und Rosenzweig geht davon aus, dass die Kinder anfällig für Infektionen mit diesen Viren sind.

Substanzen, die die Glykosylierung hemmen, könnten Rosenzweig zufolge für die Behandlung von Viruserkrankungen infrage kommen. Tatsächlich sind derartige Wirkstoffe bereits in der Entwicklung. Zu den MOGS-Inhibitoren gehört beispielsweise Castanospermin, ein Naturstoff auf der Australischen Kastanie Castanospermum australe, dessen Wirkung die Firma Fermentek aus Israel gegen Herpes simplex-Infektionen prüft. © rme/aerzteblatt.de

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