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Medizin

Herzinfarkt: EKG im Rettungswagen erhöht Überlebenschancen

Dienstag, 15. April 2014

dpa

Guildford – Die Leitlinien empfehlen, dass bei allen Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt bereits in der Prähospitalphase ein komplettes EKG mit 12 Standard­ableitungen durchgeführt wird. Die in Heart (2014; doi: 10.1136/heartjnl-2013-304599) publizierten Erfahrungen aus England und Wales zeigen, dass dadurch die Überlebens­chancen der Patienten tatsächlich steigen.

Das 12-Kanal-EKG ist natürlich nur eine diagnostische Maßnahme. Sie erlaubt bei Patienten mit Herzinfarktsymptomen jedoch bereits frühzeitig die Verdachtsdiagnose eines ST-Hebungsinfarkts (STEMI), der heute nach Möglichkeit in einer Klinik mit Herzkatheterlabor behandelt werden sollte. Wo dies nicht möglich ist, sollte eine Fibrinolyse angestrebt werden, um die Blockade der Koronarie enzymatisch zu beseitigen. Die EKG-Diagnose erlaubt es dem Notarzt, bereits im Rettungswagen eine geeignete Klinik auszusuchen und das Personal dort auf die Ankunft vorzubereiten.

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Die Auswirkungen dieser logistischen Maßnahme sollten nicht unterschätzt werden, wie die Auswertung der Daten des Myocardial Ischaemia National Audit Project (MINAP) durch Tom Quinn von der University von Surrey in Guildford und Mitarbeitern zeigt. Das MINAP ist ein Projekt zur Qualitätskontrolle, das für den Zeitraum von 2005 bis 2009 288.990 Personen erfasst, die wegen des Verdachts auf einen Herzinfarkt mit dem Rettungswagen in die Klinik transportiert wurden.

Bei jedem zweiten Patienten wurde ein 12-Kanal-EKG in der Prähospitalphase durch­geführt. Bei jedem dritten dieser Patienten wurde dabei ein STEMI diagnostiziert. Wie Quinn berichtet, hat das 12-Kanal-EKG den Anteil der Patienten, bei denen später eine Reperfusion (Fibrinolyse oder perkutane koronare Intervention) durchgeführt wurde, von 74 auf 84 Prozent erhöht. Der Anteil der Patienten, die innerhalb von 90 Minuten nach Eintreffen des Notrufs ballondilatiert werden konnten, stieg von 21 auf 28 Prozent. Eine Zeit bis zur Fibrinolyse von weniger als 30 Minuten wurde bei 91 statt 84 Prozent erreicht.

Dies hatte Auswirkungen auf die Prognose der Patienten. Quinn zufolge sank die 30-Tages-Sterberate aller Patienten, bei denen ein 12-Kanal-EKG in der Prähos­pitalphase durchgeführt wurde, von 8,2 auf 7,4 Prozent. Bei den STEMI-Patienten, für die die EKG-Diagnose den größten Einfluss auf die Therapieentscheidung hat, kam es sogar zu einem Rückgang von 11,4 auf 8,6 Prozent. Die Unterschiede waren signifikant und zeigen damit, dass die rein diagnostische EKG-Analyse in der alltäglichen Praxis einen günstigen Einfluss auf die Prognose von Herzinfarktpatienten hat. © rme/aerzteblatt.de

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