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Medizin

Rheumatoide Arthritis: Chinesisches Phytopharmakon hält Vergleich mit Methotrexat stand

Dienstag, 15. April 2014

Wilfords-Dreifluegelfrucht /BotBln

Peking – Ein in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) häufig eingesetztes pflanzliches Heilmittel hat in einer randomisierten Studie – unter (beinahe) westlichen Prüfstandards – eine gleich gute Wirkung erzielt wie der Standardwirkstoff Methotrexat. Laut der Publikation in den Annals of the Rheumatic Diseases (2014; doi 10.1136/annrheumdis-2013-204807) erzielte eine „west-östliche“ Kombination die beste Wirkung.

Das Peking Union Medical College Hospital (PUMCH), einer Klinik der tertiären Schwer­punktversorgung, behandelt jedes Jahr mehr als 30.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis. Zwei Drittel davon nehmen Extrakte aus Tripterygium wilfordii Hook F (TwHF) ein, eine auch als Wilfords Dreiflügelfrucht bekannte Giftpflanze, die von der traditio­nellen chinesischen Medizin (TCM) als Mittel gegen Gelenkschmerzen, Fieber, Ödeme und lokale Entzündungen empfohlen wird und mit monatlichen Therapiekosten von umgerechnet 10 US-Dollar kostengünstig ist, wie Xuan Zhang, Rheumatology am PUMCH berichtet. Auch gegen Autoimmunerkrankungen und Krebs sollen die Extrakte, die aus den Wurzeln und anderen Pflanzenbestandteilen gewonnen werden, wirksam sein.

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In den letzten Jahren sind auch westliche Rheumatologen auf die Pflanze aufmerksam geworden. Vor fünf Jahren publizierte ein Team um Peter Lipsky, ehemals als Rheumatologe am National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases in Bethesda tätig, in den Annals of Internal Medicine (2009; 151: 229-240) eine erste randomisierte Studie an 121 Patienten mit rheumatoider Arthritis. TwHF erzielte damals eine bessere Wirkung als Sulfasalazin. Die Aussagekraft der Studie litt allerdings unter einer hohen Rate von Therapieabbrüchen. Außerdem gehört Sulfasalazin nicht mehr zu den bevorzugten Basistherapeutika (DMARD, disease-modifying antirheumatic drug) bei der rheumatoiden Arthritis.

Standard-DMARD ist heute Methotrexat, das Lipsky jetzt zusammen mit Zhang in einer weiteren randomisierten klinischen Studie mit TwHF verglichen hat. Alle 207 Teilnehmer erfüllten die westlichen Kriterien einer rheumatoiden Arthritis (ACR/EULAR Klassifikation von 2010). Bis auf vier hatte keiner bereits DMARD erhalten. Es gab drei Thera­pie-Arme, in denen die Patienten mit Methotrexat in der Dosis 12,5 mg einmal die Woche oder TwHF 20 mg dreimal täglich oder eine Kombination der beiden Mittel eingesetzt wurden. Die Studie war randomisiert, aber nicht placebokontrolliert (da nach Auskunft keine geeigneten Placebo-Tabletten zur Verfügung standen).

Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten mit einer mindestens 50-prozentigen Verbesserung (ACR50) am Ende der 24-wöchigen Therapiephase. Dieses Mal beendeten 174 Patienten (84 Prozent) die Studie. Eine ACR50-Antwort erreichten im Methotrexat-Arm 32 von 69 Patienten (46,4 Prozent), im TwHF-Arm 38 von 69 Patienten (55,1 Prozent) und unter der Kombination 53 von 69 Patienten (76,8 Prozent).

Damit war die Wirkung von TwHF mindestens genau so stark wie die von Methotrexat (in einigen Aspekten war sie sogar signifikant besser). Die Kombination beider Mittel erzielte die stärkste Wirkung, was den häufigen Einsatz des Mittels in China mit einer gewissen Evidenz unterlegt (auch wenn aufgrund des Studiendesigns eine Placebo-Wirkung sicherlich nicht ausgeschlossen werden kann).

Nicht frei von Nebenwirkungen
TwHF ist zwar ein „Naturheilmittel“, aber nicht frei von Nebenwirkungen – was aber auch nicht ungewöhnlich war, da Wilfords Dreiflügelfrucht zu den Gilftpflanzen gerechnet wird. Am häufigsten kam es bei beiden oral verfügbaren Mitteln zu gastrointestinalen Neben­wirkungen, die allerdings in der Regel milde waren und nur selten Grund zum Abbruch der Studie waren.

Zwei Patienten – einer unter einer TwHF-Monotherapie, der andere unter der Kombi­nationstherapie – mussten die Studie aufgrund eines starken Anstiegs der Alanin-Aminotransferase (ALT) abbrechen. Eine weitere Nebenwirkung von TwHF sind Fertilitätsstörungen. Alle Teilnehmer mit Kinderwunsch wurden deshalb von der Studie ausgeschlossen, ebenso Schwangere und Stillende, da eine teratogene Wirkung von TwHF nicht ausgeschlossen werden kann.

Starke antientzündliche Wirkung
Bemerkenswert war ein starker Rückgang der Blutsenkungsreaktion (BSR) unter der Therapie mit TwHF. Die beiden Autoren betrachten ihn als Beleg für eine starke anti-entzündliche Wirkung, die auch in Laboruntersuchungen und tierexperimentellen Studien gefunden wurde. Auf welchen der etwa 300 Inhaltsstoffe der Pflanze die Wirkung beruht, ist nicht klar. Tripterygium wilfordii ist jedoch reich an Diterpenoiden, die die Transkription von Zytokinen und anderen proinflammatorischen Genen hemmen können. © rme/aerzteblatt.de

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