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Medizin

USA: Hohe Verschreibungsraten von Opioiden an Schwangere

Dienstag, 15. April 2014

Boston – Die Schwangerschaft ist für viele US-Amerikanerinnen offenbar eine schmerz­hafte Lebensphase. Eine von fünf Schwangeren lässt sich zwei aktuellen Studien zufolge wenigstens einmal ein Opioid-Analgetikum verschreiben. Rishi Desai vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat in Obstetrics & Gynecology (2014; doi: 10.1097/AOG.0000000000000208) die Daten der staatlichen Gesundheitshilfe Medicaid ausgewertet, die ärmeren Bevölkerungsgruppen unter die Arme greift. Bereits im Jahr 2000 hatten sich 18,5 Prozent aller Schwangeren ein Opioid-Analgetikum verschreiben lassen. Bis 2007 ist die Rate auf 22,8 Prozent angestiegen. Die Verordnungszahlen schwankten regional sehr stark von 9,5 Prozent in Oregon bis 41,6 Prozent in Utah.

Etwas niedriger war die Verordungsrate unter privat versicherten Frauen in einer Kohorte, die Brian Bateman vom Massachusetts General Hospital in Boston in Anesthesiology (2014; doi: 10.1097/ALN.0000000000000172) vorstellt. Dort benötigten 14,4 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft wenigstens einmal ein Opioid. Auch hier gab es große regionale Unterschiede. Am höchsten war die Verordnungsrate im Süden, am niedrigsten im Nordosten der USA.

In beiden Studien griffen die Schwangeren am häufigsten zu Codein und Hydrocodon, zwei mittelstark wirkende Schmerzmittel. Aber auch Oxycodon, ein stark wirkendes Opioid, wurde häufig rezeptiert. Den Anlass für die Verordnung konnten die Forscher nicht ermitteln.

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Sie vermuten, dass Rückenschmerzen der häufigste Grund war, aber auch die Gewichtszunahme und die damit verbundenen Veränderungen der Körper­haltung oder die zunehmende Belastung des Beckenbodens würde von einigen Schwangeren möglicherweise als unangenehm empfunden. Auch wenn die meisten Frauen es bei einer Verordnung beließen und die Medikamente nur kurzzeitig einnahmen, wird die häufige Verordnung von Opioiden von vielen Experten kritisch gesehen.

Weniger als 10 Prozent aller Medikamente, welche die US-Arzneibehörde seit 1980 zugelassen hat, wurden auf ihre Teratogenität hin untersucht. Zu den Wirkstoffen, die im Verdacht stehen, Fehlbildungen auszulösen, gehören auch Opioide. Ein Team um Martha Werler von der Boston University School of Public Health brachte im letzten Jahr in Obstetrics & Gynecology (2013; 122: 838-449) die Einnahme von Opioiden in der perikonzeptionellen Phase, also der Frühschwangerschaft mit Neuralrohrdefekten in Verbindung. Sie ermittelte eine Odds Ratio von 2,2 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,2-4,2) gegenüber Kindern ohne Geburtsfehler und von 1,9 (1,0-3,4) gegenüber Kindern mit anderen Geburtsfehlern.

Die Einnahme starker Opiate in der Spätschwangerschaft kann beim Säugling nach der Geburt ein Entzugssyndrom auslösen. Die Mütter sind zumeist drogenabhängig. Pädiater der University of Michigan Health System in Ann Arbor berichteten vor zwei Jahren im Amerikanischen Ärzteblatt, dass die Zahl von Kindern mit neonatalem Abstinenzsyndrom in den letzten Jahren stark zugenommen habe (JAMA 2012; 307: 1934-40). © rme/aerzteblatt.de

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