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Medizin

Guinea: Neuer Ebola-Stamm und untypische Erkrankungen

Donnerstag, 17. April 2014

Ebola-Virus /cdc

Hamburg – Die Ebola-Epidemie, die nach jüngsten Zahlen (16. April) der Weltgesund­heitsorganisation zu 135 Todesfällen bei 236 Erkrankungen (einschließlich Verdachts­fällen) geführt hat, begann bereits im Dezember 2013, wenn nicht noch früher. Dies berichtet ein europäisches Forscherteam im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1404505), das auch das Erbgut des Erregers sequenziert hat. Es handelt sich um einen neuen Stamm des Zaire Ebolavirus, dessen Reservoir in Flughunden vermutet wird.

Als Mitte März der Ausbruch einer Ebola-Epidemie in Guinea bekannt wurde, gehörte ein Spezialistenteam aus Deutschland, Italien und Frankreich zu den ersten Wissen­schaftlern, die die entlegenen Waldgebiete des westafrikanischen Landes aufsuchten. Die Forscher führten das „European Mobile Laboratory“ mit sich, das auch in entlegenen Regionen den Nachweis von Krankheitserregern bis zur Hochsicherheitsstufe 4 erlaubt. Mittels Gensonden gelang des den Forschern rasch, die Diagnose eines Ebola-Fiebers zu bestätigen und das Lassa-Fieber als wichtigste Differenzialdiagnose auszuschließen.

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In den folgenden Wochen konnte die Gruppe um Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg den Beginn der Epidemie rekonstruieren. Der erste Patient war wahrscheinlich ein zwei Jahre altes Mädchen. Es war bereits Anfang Dezember erkrankt und vier Tage später verstorben. Zuvor infizierte es drei Familienmitglieder sowie eine Krankenschwester und eine Hebamme. Die Hebamme gehörte dann zu den Personen, die die Infektionen weitertrugen, wie auch im weiteren Verlauf mehrmals „Health care worker“ als Überträger ermittelt werden konnten. Ein weiterer aus früheren Epidemien bekannter Übertragungsweg waren Beerdigungen.

Dass die Epidemie erst drei Monate später bekannt wurde, ist nicht nur auf die abgelegene Lage von Guéckédou, Macenta und Kissidougou zu erklären, die nur über eine Fernstraße mit der Hauptstadt Conakry verbunden sind. Auch die Erkrankungen waren ungewöhnlich. Im Vordergrund standen neben einem ausgeprägten Krankheits­gefühl vor allem ein hohes Fieber und eine wässrige Diarrhoe. Die schweren inneren und äußeren Blutungen, ein zentrales Kennzeichen des hämorrhagischen Fiebers, wurden zunächst nicht erkannt oder nicht dokumentiert. Nichtsdestotrotz zeichnete sich die Erkrankung durch eine hohe Letalität aus, die im Bereich von 70 Prozent liegt.

Inzwischen konnte das Team das Genom des Erregers von drei Patienten vollständig entschlüsseln. Die Gensequenzen waren bei allen drei Viren identisch (so dass es sich tatsächlich um eine einzige Epidemie handelt). Sie unterscheidet sich jedoch vom Erbgut des nächsten Verwandten, dem Zaire Ebolavirus, so dass die Forscher von einem eigenständigen Virusstamm sprechen. Sie gehen nicht davon aus, dass der Erreger aus der Republik Kongo oder Gabun nach Guinea eingeschleppt wurde, sondern sich aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt hat.

Die erste Patientin (wenn es denn die erste war) dürfte sich über eines der Tiere angesteckt haben, die als Reservoir infrage kommen. Die Forscher haben drei Spezies von Flughunden (Hypsignathus monstrosus, Epomops franqueti, and Myonycteris torquata) in Verdacht, die in der Region in großer Anzahl verbreitet sind. Die Viren konnten aber bisher nicht in den Tieren nachgewiesen werden. © rme/aerzteblatt.de

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