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Medizin

Schlaganfall: Früherer Lyse-Beginn durch Stroke-Einsatz-Mobil

Mittwoch, 23. April 2014

Auf einem Montitor (l) ist die Situation im Wagen zu sehen, daneben das Bild des Computertomographen von einem  Kopf /dpa


 

Berlin – Ein Stroke-Einsatz-Mobil der Berliner Feuerwehr, das eine prähospitale Lysetherapie des Schlaganfalls ermöglicht, hat in einer randomisierten Studie die Zeit bis zum Therapiebeginn um fast eine halbe Stunde verkürzt. Laut der Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.2850) konnte der Anteil der Patienten, die eine Lysetherapie gesteigert werden, ohne dass es zu mehr Blutungskomplikationen kam.

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Das in der Feuerwache 3400 in Berlin-Wilmersdorf stationierte Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO) ist mit einem Computertomographen (CT), einem Minilabor und modernen telemedizinischen Kommunikationsmitteln ausgerüstet. Zur Besatzung gehört ein speziell geschultes Rettungspersonal sowie ein Neurologe mit Notarztqualifikation. Seine wichtigste Aufgabe – bei Bedarf nach Rücksprache mit einem stationären Neurora­diologen in Bereitschaft – besteht in der Differenzialdiagnose zwischen einem ischämischen und einem hämorrhagischen Schlaganfall.

Eine Lysetherapie mit dem gewebespezifischen Plasminogenaktivator (tissue-type plasminogen activator, t-PA) muss beim Schlaganfall streng auf Patienten beschränkt werden, bei denen der Apoplex Folge einer Gefäßblockade durch einen Thrombus ist. Bei einer Hirnblutung, die klinisch nicht sicher von einer Ischämie unterschieden werden kann, ist die Lysetherapie dagegen streng kontraindiziert. Auch eine lange Gerinnungs­zeit bei einer oralen Antikoagulation gilt als Gegenanzeige, weshalb die Bestimmung der INR zu den Voraussetzungen einer Lysetherapie zählen.

Erste Ergebnisse der „Prehospital Acute Neurological Treatment and Optimization of Medical care in Stroke“ oder PHANTOM S-Studie waren bereits im Juni letzten Jahres auf einer Pressekonferenz vorgestellt worden: Tatsächlich gelang es dem Rettungsteam, mit dem STEMO das Intervall von der Alarmierung des Rettungsdienstes bis zur Lyse­therapie von 76,3 Minuten auf 51,8 Minuten zu verkürzen, immerhin ein Unterschied von 24,5 Minuten. Im STEMO konnten 58 Prozent der Patienten innerhalb von 90 Minuten nach Symptombeginn behandelt werden gegenüber 37 Prozent in den Kontrollwochen, in denen der STEMO nicht eingesetzt wurde.

Da eine frühe Einleitung der Fibrinolyse die Behandlungsergebnisse verbessert („time is brain“), sollte die prähospitale Lysetherapie eigentlich die Prognose der Patienten verbessern. Dies konnte, wie die wie Martin Ebinger von der Klinik für Neurologie der Charité und Mitarbeiter schreiben, aufgrund der verwendeten Methodik in der Studie nicht gezeigt werden.

In beiden Gruppen starben 4,5 Prozent der Patienten in der Klinik. In einer adjustierten Analyse (Odds Ratio 0,76; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,31-1,82) war die frühe Lyse im STEMO tendenziell im Vorteil. Die Autoren geben allerdings zu bedenken, dass die Lysetherapie auch in den randomisierten Studien die Sterblichkeit der Patienten nicht senken konnte. Ihr Vorteil liege in der Vermeidung von Behinderungen. Ob hier die frühe Lyse mit dem STEMO einen Einfluss erzielte, konnte studienbedingt nicht untersucht werden.

Neben dem früheren Lysebeginn sehen sie einen Vorteil im Anstieg der Behand­lungszahlen. Im STEMO-Arm der Studie konnten 33 Prozent der Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall lysiert werden, in der Kontrollgruppe war der Anteil mit 21 Prozent signifikant niedriger. Die hohe Sicherheit der Lysetherapie im STEMO zeigte sich darin, dass es nicht häufiger zu Fehldiagnosen kam als in der Klinik. Die Rate von intrazerebralen Blutungen war sogar tendenziell niedriger. Sie traten bei 7 von 200 Patienten im STEMO-Arm und bei 22 von 323 Patienten im konventionellen Arm der Studie auf (Odds Ratio 0,42; 0,18-1,03).

Eine flächendeckende STEMO-Versorgung wäre mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Preis für ein Einsatzfahrzeug beläuft sich nach Angaben der Autoren auf etwa eine Million Euro. Eine vom dänischen Institut für Gesundheitsökonomie durchgeführte Studie prüft deshalb derzeit, ob die STEMO-Versorgung als sinnvolle Gesundheitsinnovation gewertet werden könne. © rme/aerzteblatt.de

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