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Medizin

Clostri­dium-difficile-Infektion: Stuhltransplantation in Pilotstudie erneut erfolgreich

Donnerstag, 24. April 2014

Clostridium difficile angereichert aus einer Stuhlprobe durch Filtration CDC

Boston – Die Übertragung von Darmflora, auch als Stuhltransplantation bezeichnet, hat sich erneut in einer klinischen Studie als äußerst effektive Therapie einer therapie­refraktären Clostridium-difficile-Infektion (CDI) erwiesen. Laut der Publikation in Clinical Infectious Diseases (2014; doi: 10.1093/cid/ciu135) konnte die Darmtätigkeit bei 18 von 20 Patienten normalisiert werden.

Die CDI ist Folge des großzügigen Antibiotikaeinsatzes und bereitet vor allem in Kran­ken­häusern immer wieder Probleme. Experten schätzen, dass bei einem von hundert antibiotisch behandelten Patienten mit einer CDI gerechnet werden muss. Am Massa­chusetts General Hospital in Boston fallen die Tests mittlerweile schon bei zwei von fünf Patienten mit Durchfallbeschwerden positiv aus, wie Elizabeth Hohmann von der infektiologischen Abteilung der Klinik berichtet.

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Bei vielen Patienten bessern sich die Symptome nach dem Absetzen der auslösenden Antibiotika, in anderen Fällen können sich die CDI jedoch als sehr hartnäckig erweisen, zumal der erneute Einsatz anderer gegen Clostridium difficile aktiver Antibiotika sich als problematisch erweist. Viele Patienten erleiden nach Absetzen der Antibiotika ein CDI-Rezidiv.

Die 20 Patienten, die Hohmann für ihre Studie auswählte, hatten zwischen 2 und 16 Rückfälle nach 3 bis 15 Antibiotikatherapien erlitten. Weitere konventionelle Therapie­versuche erschienen aussichtslos, so dass die Infektiologen auf eine Kontrollgruppe in ihrer Studie verzichteten. Alle Patienten erhielten eine fäkale mikrobielle Transplantation (Fecal microbiota transplantation, FMT). Die Faeces stammten von Spendern, die sorg­fältig auf ihren Gesundheitszustand untersucht worden waren. Die gefrorenen Stuhl­proben wurden jeweils zehn Patienten in einer randomisierten Versuchsanordnung über eine Magensonde oder über eine Koloskopie appliziert.

Schon der erste Versuch war bei 14 der 20 Patienten erfolgreich (darunter 8 im Koloskopie-Arm und 6 nach Applikation über die Magensonde). Die Diarrhö besserte sich bei diesen Patienten und sie waren auch acht Wochen später ohne Rückfall. Für die anderen sechs Patienten war ein zweiter Therapieversuch erforderlich, den allerdings ein Patient verweigerte. Wie sich später herausstellte, hatte er zur Selbsthilfe gegriffen und sich wiederholt Einläufe aus den Exkrementen seines Bettnachbarn verabreicht.

Hohmann rät von derartigen „Hausmitteln“ ab, da mit dem FMT im Prinzip auch Krankheitserreger übertragen werden können. Außerdem waren die von der Klinik bereit gestellten Präparate erfolgreicher. In vier von fünf Fällen war der zweite Therapieversuch erfolgreich. Inzwischen wurden laut Hohmann elf weitere Patienten behandelt, von denen zehn von der CDI kuriert wurden.

Die Erfolgsrate liegt damit im Bereich von 90 Prozent. Die Zahl der täglichen Stuhlgänge wurde von median 7 auf 2 reduziert und die Patienten äußerten sich in einem Fragebogen zufrieden über die Ergebnisse. Komplikationen sind Hohmann zufolge nicht aufgetreten. Über eine ähnlich hohe Erfolgsrate hatten im letzten Jahr niederländische Forscher im New England Journal of Medicine (2013; 368:407-415) berichtet. Sie konnten 15 von 16 Patienten kurieren, davon 13 im ersten Versuch. Dagegen war eine Therapie mit Vancomycin (mit/ohne Darmlavage) nur bei 7 von 26 erfolgreich. Die Studie wurde daraufhin vorzeitig abgebrochen.

Auch in Deutschland erproben Gastroenterologen den ungewöhnlichen Therapieansatz. Die Uniklinik Köln berichtete kürzlich ebenfalls über Erfolge.

© rme/aerzteblatt.de

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