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Medizin

Darmkrebs: Gen erklärt Präventionserfolg mit ASS

Donnerstag, 24. April 2014

dpa

Boston – Die in früheren prospektiven Kohortenstudien gefundene darmkrebsprotektive Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS) war in einer Studie in Science Translational Medicine (2014; 6: 233re2) auf Personen beschränkt, deren Darmepithelien ein bestimmtes Enzym bildet. Die Forscher wollen jetzt einen Test entwickeln, der bei der Darmkrebsvorsorge eingesetzt werden könnte.

Der Nutzen von ASS in der Darmkrebsprävention ist umstritten. Eine Reihe von prospektiven Studien, aber längst nicht alle, kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die ASS zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder aus anderen Gründen einnehmen, seltener an Darmkrebs erkranken.

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Zu diesen Studien gehörten auch die Nurses' Health Study (NHS) und die Health Professionals Follow-up Study (HPFS). Das Team um Reiko Nishihara von der Harvard School of Public Health in Boston hat bei 270 Teilnehmern der Studie die Konzentration des Enzyms 15-Hydroxyprostaglandin Dehydrogenase (15-PGDH) in der gesunden Darmschleimhaut untersuchen lassen und die Konzentration mit der Einnahme von ASS in Beziehung gesetzt.

15-PGDH ist im Körper am Abbau von Prostaglandinen beteiligt. Es ist damit ein Gegen­spieler der Cyclooxygenase 2 (COX-2), einem zentralen Enzym in der Prostaglandin­synthese. COX-2 wird von Darmkrebszellen vermehrt gebildet und die präventive Wirkung von ASS (und noch stärker von COX-2-Inhibitoren wie Celecoxib) wird auf die Hemmung dieses Enzyms zurückgeführt.

In einer früheren Studie konnte ein Team um Monica Bertagnolli vom Brigham and Women's Hospital in Boston zeigen, dass Krebszellen sich gegen die krebshemmende Wirkung von Celecoxib wehren, indem sie die Bildung von 15-PGDH stoppen. Die Ausschaltung des Enzyms induzierte auch im Tierexperiment an Mäusen eine Resistenz gegen die krebshemmende Wirkung von Celecoxib.

Und in dem Adenoma Prevention Trial, in dem die darmkrebspräventive Wirkung von Celecoxib mit Placebo verglichen wurde, hatten alle untersuchten Patienten, die trotz Einnahme von Celecoxib kolorektale Adenome entwickelten niedrige 15-PGDH-Werte in der Darmschleimhaut (PNAS 2009; 106: 9409-9413).

Jetzt kann das Team einen ähnlichen Zusammenhang für die 270 Teilnehmer von NHS und HPFS nachweisen, bei denen die 15-PGDH in gesunden Anteilen des Operations­resektats bestimmt werden konnte. Die Einnahme von ASS war nur dann mit einem niedrigen Darmkrebsrisiko assoziiert, wenn die Darmschleimhaut das Enzym 15-PGDH in größerer Menge bildete.

Bei einer multivariablen Hazard Ratio (HR) von 0,49 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,34 bis 0,71) war bei diesen Teilnehmern das Darmkrebsrisiko halbiert. Bei den Teilnehmern mit einer niedrigen Expression von 15-PGDH wurde dagegen keine signifikante Assoziation gefunden (HR 0,90; 0,63-1,27).

Da es sich um eine nachträgliche (retrospektive) Auswertung von Teilnehmern aus epidemiologischen Untersuchungen handelt, ist die klinische Aussagekraft der Studie gering. Die Einnahme von ASS oder Celecoxib zur Darmkrebsprophylaxe wird derzeit von den Fachgremien nicht empfohlen, da der Nachteil durch gastrointestinale Blutungen als höher eingestuft wird als der Vorteil einer Krebsprävention.

Dies könnte sich jedoch ändern, wenn die Prävention mit ASS oder auch Celecoxib auf Patienten mit einer hohen Expression von 15-PGDH beschränkt würde. Die Unter­suchung könnte an Gewebeproben vorgenommen werden, die bei einer Vorsorge-Kolos­kopie leicht entnommen würden. Die jetzige Studie schafft hier die Voraussetzungen für eine randomisierte klinische Studie und es bleibt abzuwarten, ob die Idee aufgenommen wird. © rme/aerzteblatt.de

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