NewsPolitikStiftung für HIV-infizierte Bluter droht das Aus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Stiftung für HIV-infizierte Bluter droht das Aus

Freitag, 25. April 2014

Berlin – Rund 30 Jahre nach dem sogenannten Bluterskandal droht ein Ende der Hilfen für HIV-infizierte Bluterkrankte. Die Mittel reichten nur noch bis 2017, sagte der Vorsitzende des Rates der „Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte
Personen
“, Horst Schmidbauer. Nötig seien eine Aufstockung der Mittel und ein neues Gesetz.

Die SPD-Abgeordnete Bärbel Bas, Mitglied im Stiftungsrat, sagte: „Die Menschen brauchen ein Signal, dass sie auch nach 2017 weiter Hilfe bekommen.“ Geld aus der Stiftung erhalten Bluter, die in den 80er Jahren mit HIV-verseuchten Blutpräparaten infiziert wurden, sowie deren Angehörige.

„Für die Conterganstiftung hat der Bund nach langen Verhandlungen 120 Millionen Euro zur Verfügung gestellt“, sagte Bas. „Wir müssen die Debatte nun ähnlich organisieren.“ Im Hintergrund liefen bereits zahlreiche Gespräche. „Auch die Länder, die Pharma­industrie und das Rote Kreuz müssen sich beteiligen.“

Anzeige

Mehr als 1.000 Betroffene seien bereits gestorben, sagte der Vorsitzende der Deutschen Hämophiliegesellschaft, Werner Kalnins. Derzeit erhalten noch rund 400 HIV-Infizierte und Aids-Kranke sowie 200 Angehörige Hilfen, die von 511 bis 1.534 Euro im Monat reichen.

Bei Hämophilie gerinnt das Blut nur langsam oder gar nicht. Mit dem Aids-Virus hatten sich die Betroffenen in den 80er Jahren über Gerinnungsfaktoren angesteckt, die aus Blutplasma von infizierten Spendern gewonnen worden waren.

Der Skandal dabei: Blutpräparate mit dem Erreger wurden trotz Erkenntnissen über die Gefahren zu spät vom Markt genommen, Risiken heruntergespielt. Auf eine Erhitzung der Plasmaprodukte zur Abtötung der Viren wurde lange verzichtet. Betroffene erhielten kaum Informationen. Wegen des Skandals wurde unter dem damaligen Bundesge­sundheitsminister Horst Seehofer (CSU) 1994 das Bundesgesundheitsamt aufgelöst.

Ein Jahr später wurde die Stiftung ins Leben gerufen. 100 Millionen DM stellte der Bund, 90,8 Millionen zahlten sechs Pharmafirmen, 9,2 Millionen die Blutspendedienste des Roten Kreuzes, 50 Millionen die Länder. Ursprünglich wurde der Tod aller Betroffenen bis 1999 erwartet. Die Stiftung wurde dann aufgestockt.

Doch wegen der Fortschritte in der Aids-Therapie und weil auch die Kinder Betroffener bis zu ihrem 25. Lebensjahr Hilfe bekommen, sind laut Robert-Koch-Institut Mittel nun bis 2070 nötig. Der ehemalige SPD-Abgeordnete Schmidbauer sagte, laut Hochrechnungen würden noch rund 260 Millionen Euro gebraucht.

Doch das Problem ist noch größer. „Auch für die Opfer, die an Hepatitis C erkrankt sind, sind Entschädigungen nötig“, forderte Kalnins. Rund 3.000 mit dem HC-Virus infizierte Hämophile lebten noch, etwa 1.500 seien gestorben. Nur jene Betroffenen, die auch
HIV-infiziert seien, bekämen Leistungen aus der Stiftung.

Laut Schmidbauer wären etwa 80 Prozent der HCV-Infektionen bei Bluterkrankten vermeidbar gewesen, wenn bei der Verwendung von Blutprodukten Richtlinien streng eingehalten worden wären. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2018
Boston – Ein sogenannter Mosaik-Impfstoff, der Antigene verschiedener Varianten des HI-Virus enthält, hat in einer ersten klinischen Studie eine robuste Immunantwort erzielt. Nach den begleitenden
Neuer HIV-Impfstoff erzielt robuste Immunität bei Affen und Menschen
3. Juli 2018
Köln/Berlin – Eine gemeinsame Leitlinie zur HIV-Präexpositionsprophylaxe PrEP haben die Deutsche und die Österreichische AIDS-Gesellschaft (DAIG) vorgestellt. An der Leitlinie auf dem Niveau S2K haben
AIDS-Gesellschaften stellen Leitlinie zur HIV-Präexpositionsprophylaxe vor
12. Juni 2018
Sydney – Seit Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), in Australien Medikamente zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) auf Rezept erhalten, ist die Zahl der HIV-Infektionen gesunken. Die günstige Abgabe
HIV: Präexpositionsprophylaxe verführt zum Verzicht auf Kondome
11. Juni 2018
Saarbrücken – HIV-Patienten stehen mehr als 20 Wirkstoffe zur Verfügung, die Ärzte in verschiedenen Kombinationen in der Therapie einsetzen. Welche der mehr als 1.000 Variationen bei welchem Patienten
„Die Forderung nach transparenten Algorithmen kann ihre Vorhersagekraft schwächen.“
8. Juni 2018
Berlin – In Deutschland sollen ab Herbst HIV-Selbsttests für zu Hause möglich sein. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bereitet eine entsprechende Änderung der Medizinprodukteabgabeverordnung
HIV-Selbsttest soll frei zugänglich werden
8. Juni 2018
Berlin – Immer mehr gesunde Menschen in Deutschland nehmen einer Untersuchung zufolge Medikamente zum Schutz vor einer möglichen HIV-Infektion. Aktuell griffen in Deutschland rund 4.500 vor allem
Prä-Expositions-Prophylaxe wird häufiger genutzt
28. Mai 2018
Zürich – Die HIV-Präventionspolitik der Schweiz bei intravenös drogenkonsumierenden Menschen ist außerordentlich erfolgreich. Das zeigt eine Analyse des Universitätsspital Zürich und der

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER