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Medizin

Sorafenib verlängert progressionsfreies Überleben bei Schilddrüsenkrebs

Freitag, 25. April 2014

Philadelphia – Der Kinase-Inhibitor Sorafenib wird demnächst die Behandlungsmög­lichkeiten des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms im fortgeschrittenen Stadium erweitern. Nachdem die US-Arzneibehörde bereits im November der Indikationserweiterung von Nexavar hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ebenfalls ein positives Votum abgegeben. Grundlage sind die Ergebnisse einer jetzt im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60421-9) veröffentlichten Phase-III-Studie.

An der DECISION-Studie hatten 417 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metas­tasiertem, differenziertem Schilddrüsenkrebs teilgenommen, die nicht mehr auf eine Behandlung mit Radiojod angesprochen hatten. Die Patienten wurden auf eine Therapie mit Sorafenib (zweimal täglich 400 mg) oder Placebo randomisiert. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben.

Es trat unter Sorafenib nach durchschnittlich 10,8 Monaten ein gegenüber 5,8 Monaten im Placebo-Arm. Das Team um Marcia Brose von der Perelman School of Medicine in Philadelphia errechnet eine Hazard Ratio von 0,59, die bei einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 0,45 bis 0,76 signifikant ausfiel. Dies gab im November den Ausschlag für die Indikationserweiterung durch die FDA. Der Hersteller hat auch bei der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA einen Antrag gestellt. Im November 2013 wurde dort eine beschleunigte Bearbeitung unter dem „orphan drug“-Status für seltene Erkrankungen zugesagt.

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Das Schilddrüsenkarzinom ist zwar keineswegs selten. In neun von zehn Fällen kann es allerdings rechtzeitig behandelt werden. Für die Patienten mit fortgeschrittenem Schilddrüsenkrebs waren die therapeutischen Optionen begrenzt. Das einzige zugelassene Medikament ist Doxorubicin, das nach Auskunft von Brose jedoch selten eingesetzt wird, da die Wirkung gering und die Toxizität hoch ist.

Das oral verfügbare Sorafenib gilt als besser verträglich, ist allerdings nicht frei von Nebenwirkungen. Dazu zählen das Hand-Fuß-Syndrom, Durchfall, Haarausfall, Hautausschläge, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Bluthochdruck, die in der DECISION-Studie in der von den anderen Indikationen bekannten Häufigkeit auftraten.

Das Schicksal wenden kann Sorafenib im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr. Ob eine lebensverlängernde Wirkung erzielt wird, ist unklar. In der Studie wurde kein statistisch signifikanter Unterschied beobachtet, mit einer Hazard Ratio von 0,80 (0,54-1,19) aber immerhin ein günstiger Trend.

Zum Zeitpunkt der Analyse war das mediane Gesamtüberleben noch nicht erreicht. Dies könnte nach Einschätzung des Herstellers jedoch daran gelegen haben, dass die Mehrheit (71 Prozent) der Placebo-Patienten, die im Studienprotokoll vorgesehene Möglichkeit wahrnahm, in den Sorafenib-Arm zu wechseln, sobald ihre Krankheit fortschritt. © rme/aerzteblatt.de

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