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Internistenkongress: Unterfinanzierung der Hochschulmedizin gefährdet medizinischen Fortschritt

Sonntag, 27. April 2014

Wiesbaden – „Forschung wird zu Medizin“: Unter diesem Leitthema hat am Samstag der 120. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wies­baden begonnen. Angesichts einer „finanziellen existenziellen Bedrohung von derzeit etwa der Hälfte der deutschen Universitätskliniken“ fürchtet die Fachgesellschaft jedoch, dass die an den Hochschulen arbeitenden Ärzte künftig kaum noch wissenschaftlich forschend tätig sein können, weil sie zunehmend in die Routineversorgung der Patienten eingebunden sind.

„Der ökonomische Druck auf die Hochschulmedizin ist enorm“, sagte der DGIM-Vor­sitzende und Kongresspräsident Michael P. Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der Eröffnungspressekonferenz am Samstag. „Da könnte an der Forschung gespart werden, so dass die Hochschulen nicht mehr ihren gesellschaftlichen Auftrag in Forschung, Lehre und Weiterbildung erfüllen könnten“, sagte Manns. Eine Reduktion der hochschulmedizinischen Standorte sei angesichts des zunehmenden Bedarfs an Ärzten keine Lösung.

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Schon im Februar vergangenen Jahres habe die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) in einer ausführlichen Stellungnahme auf das gravierende Problem der Unterfinanzierung der Hochschulmedizin hingewiesen, sagte der Generalsekretär der DGIM, Ulrich R. Fölsch aus Kiel. Die Fachgesellschaft habe im Sommer 2013 in einem Positionspapier die Forderungen der BÄK unterstützt. Zwischenzeitlich habe sich herausgestellt, dass die Situation noch schwieriger sei als vermutet: 161 Millionen Euro betrage das Defizit, das sich an etwa der Hälfte der Universitätskliniken angehäuft habe.

Unzureichende Investitionsfinanzierung der Länder
Es bestehe eine unzureichende Investitionsfinanzierung durch die Länder, die seit der Föderalismusreform 2006 allein für den Unterhalt der Universitätsklinika zuständig seien. Und strukturelle Besonderheiten und spezifische Aufgaben der Universitätsmedizin würden im DRG-System unzureichend abgebildet: Extremkostenfälle, die circa ein Prozent der an Universitätsklinika versorgten Patienten ausmachten, die Notfallver­sorgung und die Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen. Auch die Leistungen der Hochschulambulanzen würden nicht ausreichend honoriert, Steigerungen bei den Energie- und Personalkosten der Universitätsklinika nicht angemessen rückvergütet.

Systemzuschlag für die besonderen Aufgaben der Hoschulmedizin erforderlich
Zwar sei im Koalitionsvertrag festgehalten, dass die besonderen Aufgaben der Hoch­schulkrankenhäuser und der Kliniken der Maximalversorgung künftig besser im DRG-System vergütet werden sollten, sagte Fölsch. Der Verband der Universitätsklinika und der Medizinische Fakultätentag gehen aber nach den Worten von Fölsch davon aus, dass die 33 deutschen Hochschulkrankenhäuser derzeit circa eine Milliarde Euro für eine angemessene Ressourcenausstattung benötigten, ohne Berücksichtigung notwendiger Investitionen. Es sei eine weitere Säule für die Finanzierung der Hochschul­medizin erforderlich, eine Art „Systemzuschlag“ zum Beispiel aus dem Gesundheits­fonds. 

Universitätsmedizin für die Arzneimittelforschung von großer Bedeutung
Welch große Bedeutung die universitäre Medizin für die Entwicklung von Medikamente habe, zeige sich bei den neueren „zielgerichteten“ Substanzen in der Onkologie, in der Rheumatologie und bei chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen mit neuen Inhibitoren körpereigener entzündungsfördernder Botenstoffe und bei Infektions­krankheiten wie der Hepatitis C, sagte Manns.

Das Jahr 2014 sei bei der  Therapie der Hepatitis C charakterisiert durch die Zulassung dreier neuer Medikamente, die an den Schlüsselstellen im Lebenszyklus des Virus angreifen. „Diese direkt antiviralen Medikamente erlauben eine Heilung bei mehr als 80 Prozent der Patienten, wenn eines von ihnen mit Interferonen und Ribavirin kombiniert wird“, sagte Manns.

Für Erfolge wie diese seien „Leistungswille und Kreativität gefordert, aber auch Voraussetzungen wie eine faire, kostendeckende Finanzierung der Krankenversorgung und die Abschaffung struktureller Defizite“. Dies sei notwendig, damit die Universitäts­medizin sich auf solche grundlegenden Aufgaben konzentrieren könne. “Es muss uns gelingen,  angehende Internisten für die Arbeit in Wissenschaft und Klinik gleichermaßen zu begeistern.“ © nsi/aerzteblatt.de

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