Ärzteschaft

Wenker: „Die Bestrebungen der EU, ärztliches Handeln zu normieren, sind ein Irrweg“

Montag, 28. April 2014

Wiesbaden – Die Politik sieht sich gefordert, der Unterfinanzierung der Hochschulmedizin langfristig entgegenzuwirken. Bei der 120. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden bestätigte Stefan Grüttner, Minister für Soziales und Integration des Landes Hessen, dass Landes- und Bundespolitiker dieses Problem gezielt angehen müssten. Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Martina Wenker kritisierte Bestrebungen der Europäischen Union, Vorgaben für ärztliches Handeln festlegen zu wollen als „Irrweg“.

Anzeige

„In einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe wird derzeit nach Lösungswegen gesucht“, sagte Grüttner. Es gehe zum einen um ausreichende finanzielle Mittel zur Forschungs­förderung, zum anderen um Bestandsinvestitionen in die Hochschulen und die Finanzierung der Krankenversorgung. Die Politik sei sich bewusst, dass die Hoch­schulkrankenhäuser komplexe Aufgaben zu erfüllen hätten.

Die Fachgesellschaft hatte zu Beginn des Kongresses erneut darauf hingewiesen, dass die Hälfte der 33 Hochschulkliniken in Deutschland um ihre Existenz kämpfen müssten: Sie hätten 2013 rote Zahlen geschrieben, insgesamt 161 Millionen Euro. Der ökonomische Druck, der auf der Hochschulmedizin laste, verhindere, dass Ärzte eine klinisch-akademische Laufbahn anstreben könnten und bremse die Entwicklung von Innovationen in der Medizin.

Gegen die Einmischung in originären nationalen Zuständigkeiten für die Organisation des Gesundheitssystems
Die Ärzteschaft sieht ihren Handlungsspielraum darüber hinaus von anderer Seite eingeschränkt: Kompetenz und Berufsfreiheit würden durch Bestrebungen der Europäischen Union bedroht, von privatwirtschaftlichen Normierungskommissionen Maßstäbe für ärztliches Handeln entwickeln zu lassen, um Standards für die Medizin innerhalb der EU zu harmonisieren, sagte die Präsidentin der Ärzte­kammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Martina Wenker.

Wir sagen ,Ja‘ zu gemeinsamen Rahmenbedingungen für die Förderung von Innovation und Forschung oder für die Mobilität von Patienten und Ärzten, aber ,Nein‘ zu den Bestrebungen der EU, sich in die originären nationalen Zuständigkeiten für die Organisation des Gesundheitssystems einzumischen und in einen solch sensiblen Bereich wie die Arzt-Patienten-Beziehung“, sagte Wenker.

Normierungsinstitutionen weder fachlich kompetent noch demokratisch legitimiert
Die mit Normierungen beauftragten Institutionen seien weder fachlich kompetent, noch für diese Aufgaben demokratisch legitimiert. Jeder Patient habe das Recht auf eine individuelle Behandlung, bei der der Arzt auf Basis der vorhandenen Evidenz und unter ethischen Aspekten die beste Lösung für das Problem suche. „Klinisch zu denken und zu handeln heißt eben gerade nicht, in Normkategorien zu denken und zu handeln“, sagte Wenker. Die Bundesärztekammer wehre sich dagegen, ärztliches Handeln auf ein Mittelmaß zu standardisieren. Wenker: „Das ist ein Irrweg.“ © nsi/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13.02.17
Fast jedes zweite bayerische Krankenhaus schreibt rote Zahlen
München – Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Bayern ist weiterhin angespannt. 42 Prozent der Kliniken in dem Bundesland meldeten bei der Umfrage zum „Bayerischen Krankenhaustrend“ der......
09.02.17
Dresden – Die Krankenhäuser in Sachsen erhalten für das laufende Jahr mehr Geld. Das sieht eine aktuelle Vereinbarung zwischen Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft Sachsen über den......
03.02.17
Berlin – Krankenkassenverbände und Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) haben sich für das Jahr 2017 auf einen neuen Landesbasisfallwert für Berlin verständigt. Dieser steigt zum 1. Februar von......
02.02.17
Brüssel/Berlin – Gesundheitsthemen gehören nicht zur offiziellen Prioritätensetzung der neuen EU-Ratspräsidentschaft Malta, die das Amt seit dem 1. Januar übernommen hat. Allerdings haben......
01.02.17
Potsdam – Brandenburgs Krankenhäuser bekommen 2017 rund zwei Prozent mehr Geld pro Patient. Für jeden stationären Fall zahlen Krankenkassen in diesem Jahr im Durchschnitt 3.348 Euro, etwa 70 Euro mehr......
01.02.17
München – Die Krankenhäuser in Bayern benötigen deutlich mehr Geld als bislang zur Verfügung steht, um ihre Gebäude zu sanieren und die medizinische Ausstattung zu modernisieren. Das betonte der......
31.01.17
Kiel – Schleswig-Holsteins Krankenhäuser erhalten dieses Jahr mehr Geld für die Behandlung von Patienten. Der sogenannte Basisfallwert steigt gegenüber dem Vorjahr um 2,08 Prozent auf 3.346,50 Euro,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige