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Medizin

Intervention bei zerebralen arteriovenösen Malformationen ohne Vorteil

Mittwoch, 30. April 2014

Edinburgh – Die interventionelle Versorgung von unrupturierten arteriovenösen Malfor­mationen in den hirnversorgenden Arterien scheint auch langfristig keine Vorteile gegenüber konservativen Maßnahmen zu bringen. Das berichten zumindest Forscher um Rustam Al-Shahi Salman von der University of Edinburgh in JAMA (http://dx.doi.org/10.1001/jama.2014.3200).

Arteriovenöse Malformationen (AVM) sind angeborene Gefäßfehlbildungen, bei denen Arterien und Venen über Shunts verbunden sind. Oftmals weisen diese AVMs Anomalien im Wandaufbau auf, sodass sie leichter rupturieren. Wenn die AVMs die hirnversor­genden Arterien betreffen, kann die Ruptur zu lebensbedrohlichen Blutungen und Schlaganfällen führen. Neben der chirurgischen Entfernung kommen therapeutisch Embolisationen und eine Bestrahlung infrage. Bei hohem Risiko durch die Intervention oder bei unrupturierten AVMs kann jedoch eine konservative symptomatische Therapie erwogen werden.

Forscher der Columbia University berichteten bereits im November 2013 über das Interventionsrisiko bei unrupturierten AVMs im Lancet. Die randomisierte klinische Studie wurde vorzeitig abgebrochen, da nach einem durchschnittlichen Follow-Up von nur 33 Monaten die Sterblichkeit und Schlaganfallrate in der Interventionsgruppe um das Dreifache erhöht war. Die Forscher um Rustam Al-Shahi Salman wollten mit ihrer Studie ermitteln, ob auch das Langzeitrisiko durch konservativ behandelte AVMs dauerhaft geringer bleibt.

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204 Schotten, bei welchen frühestens ab dem 16. Lebensjahr eine AVM festgestellt wurde, beobachteten die Wissenschaftler über durchschnittlich 6,9 und bis zu zwölf Jahre. 103 Patienten unterzogen sich einer Intervention in Form einer Operation, Embolisation oder Bestrahlung. Diese Patienten waren im Durchschnitt jünger, hatten häufiger epileptische Anfälle und waren von kleineren Malformationen betroffen.

Primärer Endpunkt der Studie war das Erreichen von mindestens zwei Punkten auf der Oxford Handicap Scale über mehr als zwei Jahre, was einer geringen Behinderung entspricht. Sekundärer Endpunkt der Studie waren symptomatische Schlaganfälle und Todesfälle, die durch die AVM oder deren Behandlung entstanden.

Innerhalb eines vierjährigen Beobachtungszeitraums nach Diagnose wurde der primäre Endpunkt in der konservativ behandelten Gruppe etwas seltener erreicht (36 versus 39 events, adjusted hazard ratio, 0.59; 95% CI, 0.35-0.99), glich sich über den weiteren Beobachtungszeitraum aber an. In Bezug auf den sekundären Endpunkt zeigte die konservativ behandelte Gruppe jedoch ein wesentlich besseres Outcome (14 versus 38 events, adjusted hazard ratio, 0.37; 95% CI, 0.19-0.72).

Die Arbeitsgruppe stützt mit ihren Beobachtungen die Ergebnisse der Lancet-Studie auch über einen längeren Zeitraum. Dennoch halten sie ein noch längeres Follow-up für notwendig, um das Langzeitrisiko der unrupturierten Malformationen sicher abzu­schätzen.

© hil/aerzteblatt.de

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