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Medizin

Erster Impfstoff gegen Dengue mit durchwachsenen Ergebnissen

Dienstag, 29. April 2014

Aedes aegypti /dpa

Lyon – Der weltweit erste Impfstoff gegen Infektionen mit dem Dengue-Virus hat in einer Phase-III-Studie in Ostasien die Erkrankungsrate um 56 Prozent gesenkt. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Herstellers Sanofi hervor, der sich gute Chancen auf eine Zulassung ausrechnet. Anträge sollen aber erst nach Vorliegen der Ergebnisse einer zweiten Studie gestellt werden, die derzeit in Südamerika durchgeführt wird und deren Ergebnisse im dritten Quartal erwartet werden.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Dengue-Virus wurde dadurch erschwert, dass der Erreger, wie beim West-Nil-Fieber ein Flavivirus, in vier unterschiedlichen Serotypen (DEN-1, DEN-2, DEN-3 und DEN-4) auftritt, deren Infektionen keine langfristige Kreuzimmunität hinterlassen. Deshalb wurde ein tetravalenter Impfstoff notwendig.

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Außerdem gelang es nicht, die Viren ausreichend abzuschwächen, um sie für eine Lebendvakzine zu benutzen. Die von Sanofi, wie es heißt in mehr als zwanzig­jähriger Forschung, entwickelte Vakzine ChimeriVax besteht aus einem Rückgrat von Gelbfieberviren, die mit zwei Dengueproteinen (PrM und E) der vier Serotpypen versehen wurden.

Die Vakzine wurde in zwei Placebo-kontrollierten Phase-III-Studien untersucht. Die erste Studie wurde in Endemiegebieten in Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Thailand und Vietnam an 10.275 Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren durchgeführt. Zwei Drittel der Kinder erhielten im Abstand von 6 Monaten drei Injektionen mit dem Impfstoff, bei den anderen wurde ein Placebo verwendet.

Der primäre Endpunkt war die Zahl der virologisch bestätigten Erkrankungen am Dengue-Fieber. Hier kam es nach Angaben des Herstellers zu einer Reduktion um 56 Prozent. Die andere Studie läuft derzeit in Brasilien, Kolumbien, Honduras, Mexiko und Puerto Rico mit etwa 20.000 Teilnehmern. Ergebnisse werden für den Herbst erwartet.

Der Hersteller macht keine detaillierten Angaben zu den Ergebnissen der Studie. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob der Impfstoff tatsächlich bessere Ergebnisse erzielte als in der 2012 publizierten Phase-II-Studie. Damals waren in Thailand etwa 4.000 Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren im Verlauf von 12 Monaten dreimal mit ChimeriVax oder mit einem Placebo geimpft worden. Es wurde damals nur eine enttäuschende Reduktion der Erkrankungsrate um 30 Prozent erreicht: Der Impfstoff hatte gegen DENV-2 versagt, bei DENV-1 war mit 61 Prozent eine akzeptable und bei DENV-3 und DENV-4 mit 82 und 90 Prozent eine gute Wirkung erzielt worden.

Das Dengue-Fieber wird durch Mücken übertragen. Der primäre Vektor ist Aedes aegypti, die sich in den letzten Jahrzehnten an urbane Umgebungen angepasst hat. Trat die Erkrankung in der Vergangenheit nur während der Regenzeiten auf dem Land auf, kommt es jetzt ganzjährig auch in den Städten zu Erkrankungen. Nach WHO-Schätzungen erkranken jährlich weltweit rund 50 Millionen Menschen an Dengue-Fieber.

Einige Austragungsgebiete der Fußballweltmeisterschaften liegen im Verbreitungsgebiet von Aedes aegypti. Zu den möglichen Szenarien gehört deshalb ein Anstieg der Erkrankungen unter den rückkehrenden Fußball-Fans. Das Robert Koch-Institut verzeichnete in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Meldungen. Im letzten Jahr waren es 879 Fälle. Die tatsächliche Zahl der Erkrankungen dürfte höher liegen, da das Dengue-Fieber in der Regel milde verläuft. Meist bleibt es bei einer akuten fieberhaften Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen und eventuell einem Hautausschlag. Die Patienten erholen sich in der Regel innerhalb von zehn Tagen.

Die schweren Verlaufsformen mit diffusen Blutungen (hämorrhagisches Dengue-Fieber) und Kreislaufversagen (Dengue-Schocksyndrom) treten laut Robert Koch-Institut in der Regel nur bei erneuter Infektion und vor allem bei Kindern auf. Dann besteht allerdings Lebensgefahr. Eine spezifische Behandlung gegen die Virusinfektion gibt es nicht.

Eine Ausbreitung des Dengue-Fiebers ist in Deutschland mangels geeigneter Vektoren nicht zu befürchten. Zu den möglichen Überträgern gehört allerdings die „Tiger-Mücke“ Aedes albopictus, die in Südfrankreich verbreitet ist. In Nizza erkrankte im September 2010 ein 64-jähriger Mann, der vorher nicht verreist war. Die Behörden gingen deshalb von einer autochthonen Infektion aus, der ersten, die bisher in Frankreich dokumentiert wurde. © hil/aerzteblatt.de

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