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Pathologen bleiben bei ihrer Kritik an der neuen Bedarfsplanung

Mittwoch, 30. April 2014

Berlin – „Nach den Erfahrungen der letzten Jahre denken wir ernsthaft darüber nach, ob die Pathologie nicht besser außerhalb des KV-Systems angesiedelt sein sollte.“ Mit dieser Ankündigung hat gestern in Berlin Werner Schlake, Präsident des Bundesver­bands Deutscher Pathologen (BDP), die anhaltende Enttäuschung seiner Berufsgruppe über die neue Bedarfsplanung zum Ausdruck gebracht. Diese war auch Thema des zurückliegenden Kongresses Mitte April in Berlin.

Der „sektorengebundene Tunnelblick“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Hinblick auf die Pathologie verhindere „die ganzheitliche, sektorenübergreifende Sicht­weise auf die Patientenversorgung“, kritisierte Schlake. „Der BDP vertritt keinen Sektor, sondern das gesamte Fachgebiet“, ergänzte er. Durch die Bedarfsplanung, die aber nur den ambulanten Tätigkeitsbereich umfasse, würden Pathologen gezwungen sich zu entscheiden, ob sie ambulant oder stationär tätig sein wollten, die sektorenübergreifende Versorgung nehme ab, und Schnittstellenprobleme entstünden, die es vorher nicht gegeben habe.

Anlass für die Kritik des Pathologenverbands sind die Auswirkungen der neuen Bedarfs­planung. Im September 2012 hatte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) beschlossen, für neun bislang ungeplante Arztgruppen eine sofortige Zulassungssperre zu verhängen. Dazu zählten auch die Pathologen. Die Sperre sollte verhindern, dass bis Ende des Jahres noch alle zulassungswilligen Ärztinnen und Ärzte der entsprechenden Fachgruppen einen Sitz erhalten.

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Zum 1. Januar 2013 wurden dann alle neun Gruppen in die Bedarfsplanung einbezogen. Begründet wurde dies damals vor allem mit einem ungebrochenen Wachstum in der Versorgung und einem bislang überproportionalen Ressourcenverbrauch der neu einbezogenen Facharztgruppen.

Schlake verdeutlichte aktuell in Berlin, dass er den Einbezug der Pathologen in die Bedarfsplanung nach wie vor für einen Fehler hält. Denn von ungebrochenem Wachstum und überproportionalem Ressourcenverbrauch kann seiner Meinung nach keine Rede sein.

So weise der Tätigkeitsbericht der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Ende 2012 nur 718 ambulant tätige sowie 596 im Krankenhaus tätige Pathologen aus. Deren Zahl habe sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum erhöht. Dass die KBV Ende 2012 genau 966 ambulant tätige Pathologen zählte und nicht 718 wie die BÄK, erklärte Schlake damit, dass die BÄK Vollzeitstellen heranzogen habe, die KBV hingegen an der Versorgung teilnehmende „Köpfe“.

Zieht man die Entwicklung in den letzten fünf Jahren heran, so weist die Statistik der Bundes­ärzte­kammer folgende Steigerungsraten für ambulant tätige Pathologen aus: 2008 gegenüber dem Vorjahr: vier Prozent, 2009: drei Prozent, 2010: zwei Prozent, 2011: fünf Prozent, 2012: drei Prozent. Der Honorarumsatz der niedergelassenen Pathologen sei dem Honorarbericht der KBV für die Jahre 2009 bis 2012 zufolge aber sogar leicht gesunken, ebenso die Zahl ihrer Behandlungsfälle, betont der BDP. Insgesamt liege der Anteil der Pathologen am Gesamthonorar bei rund 0,6 Prozent.

Die Pathologen fordern nach wie vor, ihr sektorenübergreifend aufgestelltes Fach aus der ambulanten Bedarfsplanung herauszunehmen. Alternativ könne man diesen Beschluss durch einen Modellversuch begleiten, betonte Schlake. Nach Meinung des BDP ließen sich dadurch  nicht bedachte, negative Auswirkungen der Bedarfsplanung erfassen, aber möglicherweise auch Einsparungen an den Schnittstellen nachweisen oder eine bessere Versorgungsqualität.

Für eine Veränderung werben die Pathologen derzeit auch beim Gemeinsamen Bundes­ausschuss (G-BA). Dieser muss dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) bis zum 30. September berichten, welche konkreten Auswirkungen es hatte, bisher nicht beplante Arztgruppen in die Bedarfsplanung einzubeziehen. Diese Auflage hatte das BMG dem G-BA bei der Genehmigung der neuen Richtlinie seinerzeit erteilt.

Während des Pathologenkongresses hatte KBV-Dezernent Bernhard Gibis an die Beweggründe des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses für den Einbezug der Berufs­gruppe in die Bedarfsplanung erinnert. Er verwies darauf, dass für eine begrenzte Menge an Geld wie in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung auch nur eine begrenzte Zahl an Kollegen zugelassen werden könne. Dabei sei die Versorgungslage mit Leistungen der Pathologie auch im internationalen Vergleich sehr gut.

Für den Fall, dass die Bundesvorgaben für die Bedarfsplanung zu regionalen Problemen in der Versorgung führten, könnten die Zuständigen sowohl lokal im Einzelfall als auch regional systematisch davon abweichen, betonte er. Das gelte auch für das Fachgebiet der Pathologen.

Der Behauptung, diese Berufsgruppe entwickele sich nur zurückhaltend, widersprach Gibis allerdings: Im Fachgruppenvergleich wachse die Gruppe der Pathologen stabil und stetig im einstelligen Prozentbereich, und dies stärker als beispielsweise im Kranken­haus. Der KBV-Dezernent verwies auf ein weiteres Problem: Auch im Bereich der Pathologie verlagerten sich Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich, ohne dass dieser Verlagerung das entsprechende Honorar folge.

© Rie/aerzteblatt.de

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